Ein Waldkindergarten in Amerang: Notlösung und Zuckerl zugleich?

Ein Waldkindergarten würde ihnen gefallen (von links): Christian Schneider (Einrichtungsleitung vom Kinderhaus St. Rupert), Kathrin Potsch (Förderverein), Susi Stephan (Vorsitzende Förderverein), Sandra Weirich (Elternbeirat) und Anna Mitterer (Vorsitzende Elternbeirat).
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Ein Waldkindergarten würde ihnen gefallen (von links): Christian Schneider (Einrichtungsleitung vom Kinderhaus St. Rupert), Kathrin Potsch (Förderverein), Susi Stephan (Vorsitzende Förderverein), Sandra Weirich (Elternbeirat) und Anna Mitterer (Vorsitzende Elternbeirat).
  • vonChrista Auer
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Die Gemeinde Amerang setzt auf weitere Kindergartenplätze in der freien Natur. Es gibt viele Befürworter des Konzepts, dass Mädchen und Buben nicht in einem geschlossenen Raum den Kindergarten besuchen, sondern im Wald miteinander spielen. Auch im Winter.

Amerang – Das Kinderhaus St. Rupert in Amerang platzt aus allen Nähten. „Die räumlichen Kapazitäten sind am absoluten Maximum“, betont Einrichtungsleiter Christian Schneider. Deshalb werde schon seit Längerem über eine Erweiterung nachgedacht. Auf dem aktuellen Standort ist dies laut einer kürzlich erfolgten Machbarkeitsstudie nicht sinnvoll. Zu teuer und schwierige Grundstücksverhältnisse sprachen in einer ersten Untersuchung gegen eine Gebäudesanierung – und Erweiterung.

Ein Kindergartenneubau steht deshalb langfristig auf der Agenda der Gemeinde. Bis dahin setzten die Verantwortlichen auf die bisherige Kompromisslösung. Demnach können laut Betriebserlaubnis 77 gewichtete Plätze belegt und dank Hort mittags für eine Stunde auf 83 erhöht werden. Aktuell sind 79 gewichtete Plätze belegt, im nächsten Betreuungsjahr wären es 87. „Deutlich mehr Anmeldungen als erwartet“, sagt Christian Schneider. Geburtenzahlen und Geschwisterkinder seien zwar Orientierungspunkte, doch letztendlich sei schwer vorhersehbar, welchen Betreuungsbedarf die Eltern haben.

Waldtage sind bereits beliebt

Um die Raumsituation zu entspannen, kam die Idee einer Waldkindergartengruppe ins Spiel. Ganz neu ist dieser Ansatz nicht, denn es gibt bereits wöchentliche Waldtage, die von Kindern und Eltern gleichermaßen positiv angenommen werden.

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Nun soll das pädagogisch wertvolle Angebot auf eine Waldkindergartengruppe ausgebaut werden. Der Kindergartenalltag findet dabei bei fast jedem Wetter in der Natur statt. Eine zentrale Rolle übernimmt der Waldschutzraum, der die Basis der Gruppe darstellt. Um ausreichend Platz zu bieten, ist eine neu zu errichtende und im Winter beheizbare Blockhütte nötig. Der Bauwagen, der mit großer Unterstützung des Fördervereins und vielen ehrenamtlichen Helfern aus der Elternschaft gerade saniert wird, dient als Außenerweiterung. Er alleine reicht größenmäßig nicht aus und war ursprünglich nur für die Waldtage gedacht.

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Die Naturgruppe begibt sich künftig zu verschiedenen Spielbereichen im Wald, so ist geplant. Hier ist besonders ein weitläufiges Waldgebiet interessant mit vielen unterschiedlichen Spielbereichen, die je nach Wetterlage genutzt werden sollen. Außerdem sei dadurch sichergestellt, dass die Kinder in den einzelnen Spielbereichen nicht zu stark in die Natur eingreifen würden und man beispielsweise bei Holzarbeiten in einen anderen Bereich wechseln könne.

Motorik und Kreativität wird gefördert

Die Spielzeit sei geprägt durch die Einflüsse und Vorgaben der Natur, durch stetige Veränderung des Naturspielmaterials und weitläufige Spielflächen. Dies fördere in besonderem Maße die Motorik und Kreativität der Kinder und ihre soziale Entwicklung. Neben diesem freien Spiel finden ebenso wie in den klassischen Gruppen Angebote und Aktionen statt. Material, das die Kinder unterwegs brauchen, wird in einem Rucksack und einem Bollerwagen mitgenommen. „Internationale Studien zeigen neben den positiven Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder, dass Waldkindergartenkinder in gleichem Maße schulfähig sind, aber etwa auf dem Gebiet der Motorik, Konzentrationsfähigkeit, Kreativität und Sozialkompetenz ihren Altersgenossen voraus sind“, betont Schneider.

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Für Träger und Einrichtungsleitung war es wichtig, auch während der Corona-Krise in Vorleistung gegenüber der Gemeinde zu gehen und den Weg für die Waldgruppe zu ebnen. „Das von uns vorgeschlagene Grundstück wäre ein Glücksfall: Es ist in Fußnähe zur Einrichtung, für Rettungskräfte erreichbar, erschlossen und bietet ausreichend Platz.“

Zustimmung wurde signalisiert

Nun bleibe nur noch zu hoffen, dass eine Einigung mit den Eigentümern und Waldbesitzern erzielt werde, so Schneider. In Vorgesprächen sei von beteiligten Seiten bereits Zustimmung signalisiert worden. Beispielsweise auch vom Landratsamt, als Genehmigungsbehörde.

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Die katholische Pfarrkirchenstiftung St. Rupert steht langfristig zur Übernahme der Trägerschaft zur Verfügung. Für die Schaffung der Rahmenbedingungen ist die Gemeinde zuständig. Aus Sicht des Gemeinderats, der noch keine Entscheidung zu treffen hatte, könnte die Waldkindergartengruppe eine schnelle, praktikable und erzieherisch wertvolle Lösung darstellen, wie aus den Wortmeldungen von Christl Kerstens und Matthias Schmid (beide GLA) deutlich wurde. Sie unterstützten die Planungen, die nun weiter konkretisiert werden sollen.

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