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Neues Waldsterben? Sorgen auch in unserer Region

Borkenkäfer breitet sich wegen Hitze explosiv aus - diese Baumart ist besonders bedroht

Dem Käfer im Martiniforst auf der Spur: Das typische Brutbild zeigt den mittig verlaufenden Muttergang und seitliche Larvengänge.
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Dem Käfer im Martiniforst auf der Spur: Das typische Brutbild zeigt den mittig verlaufenden Muttergang und seitliche Larvengänge.
  • VonChrista Auer
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Die Problematik Borkenkäfer kocht in unseren Wälder nach der Hitze und dem geringen Niederschlag aktuell wieder hoch. Bei einer gemeinsamen Praxisveranstaltung der Waldbesitzervereinigung (WBV) und des Amts für Ernährung, Landwirtshaft und Forsten (AELF) Traunstein tauschten sich Fachleute darüber aus, wie man befallene Bäume sicher und effizient finden kann.

Obing/Seeon – „Wie finde ich befallene Bäume sicher und effizient?“– diese Frage stellen sich ganz aktuell viele Waldbesitzer, denn die Problematik Borkenkäfer kocht gerade wieder hoch und die Suche ist herausfordernd. Die Kontrolle vom Boden aus, liefert nicht immer eine klare Diagnose. „Sicher ist man erst, wenn der Baum gefällt ist – lautet hier die ernüchternde Erkenntnis. Seit über 20 Jahren und verstärkt seit dem „Trockensommer 2018“ sorgt der „Käfer“ in den heimischen Wäldern für Verdruss und enorme wirtschaftliche Schäden. Dementsprechend groß war das Interesse an der gemeinsamen Praxisveranstaltung der Waldbesitzervereinigung (WBV) und des Amts für Ernährung, Landwirtshaft und Forsten (AELF) Traunstein.

Rund 40 Teilnehmer waren in den Martiniforst zwischen Obing und Seeon gekommen, um sich gemeinsam mit Revierförster Michael Fritz auf Käfersuche zu begeben. Schnell wurde deutlich: Die meisten Basics der sauberen Waldwirtschaft in Bezug auf Brutraumentzug durch regelmäßige Kontrollen, zügiger Aufarbeitung von befallenen Bäumen, standortgerechter und gemischter Baumartenwahl und dem Aufbau von Totholz zur Förderung von Nützlingen wird von den Teilnehmern ohnehin schon beherzigt.

Viele wollten aber den Termin zum Erfahrungsaustausch nutzen, sich Rat zu individuellen Fragen einholen oder auch ihren Ärger über angrenzende Waldbesitzer Luft machen, die sich nicht um ihren Bestand kümmern. Schließlich sei doch hinlänglich bekannt, dass nach dem Käferbefall nur wenige Wochen zum Handeln blieben und laut Gesetz alle Waldbesitzer zur regelmäßigen Kontrolle und zur zügigen Aufarbeitung der befallenen Bäume verpflichtet seien.

Wenn sich die Baumkrone verfärbt, ist es zu spät

Das Gesetz greife auch, aber bei Zuwiderhandlungen müssten vorgegebene Fristen eingehalten werden, erläuterte Sophia Vater von der Bayerischen Forstverwaltung. Deshalb könne nur an jeden Waldbesitzer appelliert werden, künftig auf eine Vielfalt von Nadel- und Laubhölzern zu setzen, um das Risiko zu streuen und dem Wald als Ökosystem gerecht zu werden. Zudem helfe nur die aktive Suche.

Befallene Bäume fielen häufig erst auf, wenn sich ihre Krone verfärbe. Das sei zu spät, denn dann sei die Brut fertig und der Käfer meistens schon zu neuen Zielen ausgeflogen.

Fichten besonders gefährdet

„Die Zeit arbeitet gegen einen“, bekräftigte Michael Fritz. Er ist seit 2007 für den Martiniforst zuständig. Ein Grundproblem sei, dass die Fichte aus dem angestammten natürlichen Vorkommen im Hochgebirge und an kühlen nassen Standorten, wegen vieler positiver wirtschaftlicher Eigenschaften großflächig in Gebieten gepflanzt worden sei, die dem natürlichen Lebensraum immer weniger entsprechen. Stressreaktionen nach Hitze und Trockenheit, ein hoher Schadholzanteil oder eingerissene Waldränder beispielsweise nach Stürmen, brächten regelmäßig einen klaren Konkurrenzvorteil für den Borkenkäfer. Auf Monokulturen könnten sich Schädlinge gut ausbreiten, erläuterte Fritz.

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Im Martiniforst hat der Förster im Gegensatz zu anderen Regionen, keine drastische Verschärfung der Borkenkäfersituation in den letzten Jahren festgestellt. Dies hängt aus seiner Sicht damit zusammen, dass im Alpenvorland immer noch vergleichsweise viel Niederschlag in den Sommermonaten falle. In seinem Revier hat Fritz heuer bisher 400 Festmeter Holz also etwa 400 Bäume mit Käferbefall geschlagen. Etwa 150 Festmeter werden aus seiner Sicht noch hinzukommen. „Das entspricht etwa 15 Prozent des regulären Hiebsatzes und für einen fichtendominierten Forstbetrieb liegen wir damit nur leicht über der Menge eines normalen Jahres“, so Fritz.

Festzuhalten sei jedoch, dass der prognostizierte Klimawandel und die häufigeren Extremwetterereignisse die Borkenkäferpopulation unterstützten und Waldbewirtschafter auch künftig vor große Herausforderungen stellen, erklärte der Förster.

Vor allem bei Fichten gerät der Borkenkäfer nämlich regelrecht ins Schwärmen. Im Frühjahr starten Buchdrucker und Kupferstecher zum Schwärmflug auf der Suche nach Brutmaterial.

Buchdrucker lockt mit Duftstoff weitere Käfer an

„Bei erfolgreichem Befall einer Fichte gibt der Buchdrucker einen Duftstoff ab, der weitere Artgenossen anlockt und signalisiert: Hier ist gutes Brutmaterial. Um eine Überbelegung der Stämme zu vermeiden, geben die bereits eingebohrten Käfer einen weiteren Duftstoff ab, der bedeutet: Hier ist besetzt, geht woanders hin“, berichtete der Förster. Die Folge: Durch den Fraß wird der Saftfluss zerstört. Die Baumstämme sterben schnell ab.

Das Bohrmehl auf der Rinde zeigt den Käferbefall.

Der Kupferstecher, der in der Region aktuell keine große Bedeutung hat, bevorzugt dagegen die Baumkronen und Äste geschwächter Bäume. Der Befall führt zwar nicht zum sofortigen Absterben, aber auch zu dauerhaften Schäden. Achtsamkeit bleibe also weiterhin geboten, um die Massenverbreitung der Borkenkäfer einzudämmen. Vor allem bei frischem Bohrmehl am Stamm und sichtbaren Harzfluss. Auch eine deutlich fahlgrüne beziehungsweise rotverfärbte Krone sei ein gut erkennbares Befallsmerkmal.

Ein Weibchen kann bis zu 100.000 Nachkommen hervorbringen

Die beiden Borkenkäferarten Buchdrucker und Kupferstecher überwintern entweder unter der Rinde befallener Bäume oder in der Bodenstreu. Eine waldschutzwirksame Aufarbeitung sollte bis Ende März erfolgen, denn ab einer Tageslänge von 14 Stunden und einer Temperatur von mindestens 16,5 Grad Celsius (gegen Ende April) schwärmen erwachsene Käfer aus und befallen weitere Fichten zur Brutanlage.

Die Entwicklungsdauer einer Borkenkäfergeneration beträgt bei warmen Temperaturen mitunter nur sechs bis sieben Wochen. In einem Jahr können bis zu drei Generationen und drei Geschwisterbruten ausbildet werden. Dadurch kann ein Borkenkäferweibchen bis zu 100.000 Nachkommen hervorbringen. Faustregel: Aus einer befallenen Fichte fliegen so viele Borkenkäfer aus, dass rund 20 weitere Bäume befallen und zum Absterben gebracht werden können. Mit der dritten Käfergeneration können es bis zu 400 Bäume werden.

Deutliche Zeichen für den Befall durch Buchdrucker oder Kupferstecher:

Zeichen für befallene Bäume außerhalb der Schwärmzeit durch Buchdrucker:

  • Einbohrlöcher
  • Spechtabschläge
  • Abfall grüner bis fahl gelber Nadeln
  • rötliche Verfärbung der Krone
  • Abfall der Rinde bei noch grüner oder roter Krone

Anzeichen für Befall durch Kupferstecher:

Frühzeitiges Erkennen am stehenden Baum ist schwer möglich. Im Kronenbereich tritt das feine Bohrmehl nur in geringer Menge aus und verteilt sich diffus am Waldboden. Auf liegendem Holz ist das Bohrmehl dagegen gut sichtbar. Typisch, allerdings erst Wochen oder

Monate nach dem Befall, ist eine rot-braune Verfärbung der Krone von oben nach unten.

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