Waldbaden in Wasserburg: So funktioniert Erholung im grünen Blättersee

Eintauchen ins Grün: Das entspannt. Falk
  • vonRegine Falk
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Einfach mal abtauchen – das geht nicht nur im blauen Wasser der Badeseen, sondern auch im grünen Dickicht des Waldes. Hier bietet der Wasserburger Kneippverein unter der Rubrik „Entspannung“ neuerdings auch das „Waldbaden“ an. Mitarbeiterin Regine Falk hat es ausprobiert.

Wasserburg – Waldbaden: So ist die japanische Gesundheitsbewegung „Shirin Yoku“ ins Deutsche übersetzt worden. Während man in Japan seit den 1980er Jahren regelmäßig „im Wald badet“, setzt sich der Trend auch bei uns langsam durch. Es geht um „Eintauchen in die Atmosphäre des Waldes“ und um Erholung. Aber worin unterscheidet sich Waldbaden dann von einem ganz normalen Waldspaziergang? Das fragen sich auch die sechs Teilnehmer, die sich an einem Samstagmorgen zu ihrem ersten „Waldbaden“ eingefunden haben. Ausgestattet mit Regenjacke, Mückenschutz und Sitzkissen folgen wir neugierig unserer Kursleiterin Manuela Diemand-Rath vom Parkplatz zum Waldrand (bei Hafenham).

Kraft tanken, Stress abbauen

Erst im Herbst letzten Jahres hat Manuela ihre Ausbildung zur Wald- und Gesundheitstrainerin abgeschlossen. Sie erzählt, dass es in Japan bereits „Heilwälder“ gibt und dass sich die Menschen dort wegen ihrer traditionellen Verbundenheit mit dem Wald vielleicht schon früher darauf besonnen haben, wie gut man in der Natur Kraft tanken und Stress abbauen kann. Eben auf eine sehr bewusste Art und Weise. Wie das gehen soll, möchten wir heute erfahren.

Und so treten wir ein in die „Atmosphäre des Waldes“. Dass wir uns im Wald schon immer wohl gefühlt haben, irgendwie beschützt, haben wir bereits voneinander erfahren. Nun fühlen, hören und spüren wir mit geschlossenen Augen, was sich verändert hat, seitdem wir den Forstweg verlassen haben: Die kühle Luft an der Wange, der erdig-modrige Geruch, gemischt mit Fichtennadeln, süßlichen Beeren und frischen Schwammerl.

"Wenn man in den Wald reingeht, gibt es plötzlich ein draußen"

Das Vogelzwitschern und Insektensummen ganz in der Nähe. Das Krabbeln einer Ameise am Knöchel. Der weiche, unebene Boden. „Die Luft ist besser“, stellt eine Teilnehmerin fest. „Wenn man in den Wald reingeht, gibt es plötzlich ein draußen, man hört die Geräusche vom Hof drüben viel weiter weg. Und ein drinnen, im Wald, da ist es ruhig“, sagt eine andere.

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Die nächste Übung ist, jeweils einen weißen Bilderrahmen dorthin zu legen, wo es uns gefällt: auf Moos, einen Baumstamm, auf ein paar Zweige. Wir betrachten – jeder für sich – schweigend die unterschiedlichen Strukturen, Farben und Formen.

Ich habe ein Buchenblatt ausgewählt, es liegt auf weichem Moos. Bis Manuela uns mit einem Glöckchen „zurück holt“ und wir unsere Beobachtungen austauschen.

Da kommt ein Waldarbeiter auf uns zu. Er scheint neugierig zu sein und will wissen, was wir da machen. Für ihn ist es sicherlich merkwürdig, uns so vereinzelt im Wald stehen, sitzen oder liegen zu sehen. Wir erklären es ihm, er nickt freundlich und geht seiner Wege.

Die Luft ist gut für die Lunge

Wir üben uns weiter in unseren Sinneswahrnehmungen, jetzt Tasten und Riechen. „Ich war überrascht, wie weich eine einzelne Rindenschuppe in der Mitte ist, und wie spitz dann ihr Rand“, berichtet eine Teilnehmerin. „Der Geruch nach Erdboden hat mich fast umgehauen, das war zu stark“, meint eine andere.

Bevor wir zu frieren beginnen, führt uns Manuela weiter durch den Wald. Wir atmen und genießen die Luft. „Der Wald filtert die Staubpartikel“, erklärt mir Manuela. „Deswegen tut das Waldbaden besonders der Lunge gut.“

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Das ist natürlich nichts Neues, aber wenn man sich auf die Atmung konzentriert, spürt man den wohltuenden Effekt. Nachdem wir von fast überreifen Waldhimbeeren genascht haben, wartet noch eine kleine Überraschung auf uns: Das nahe Plätschern verrät einen kleinen Bach. Also doch Baden? Aber nur mit den Füßen – ganz nach Pfarrer Kneipp.

Beim Waldbaden den Wald und sich selbst erkundet

Es ist warm genug, um anschließend barfuß zu laufen. Der Waldboden ist kühl, feucht und nachgebend. Der Forstweg dann trocken und spitz. Zum Abschluss dürfen wir ein paar Gegenstände sammeln, die wir im Wald gefunden haben und legen diese nacheinander mit Bedacht an einen Baumstamm. Drei Stunden haben wir den Wald erkundet und uns selbst. „Ich fühle mich wirklich entspannt“: Darin sind sich alle einig.

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