Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Dämpfer beim Vorzeigeprojekt

Wärmeversorgung zu ökologisch? Amerangs Projekt „Ortsteil Kammer“ ist seiner Zeit voraus

In Kammer soll ein Vorzeigebaugebiet unter dem Motto flächensparend, erschwinglich und ökologisch. Der Gemeinderat scheint dabei aber seiner Zeit voraus zu sein, denn nicht alle Ideen können umgesetzt werden.
+
In Kammer soll ein Vorzeigebaugebiet unter dem Motto flächensparend, erschwinglich und ökologisch entstehen. Der Gemeinderat scheint dabei aber seiner Zeit voraus zu sein, denn nicht alle Ideen können umgesetzt werden.
  • Sophia Huber
    VonSophia Huber
    schließen

Ein Vorzeigeprojekt plant Amerang im Baugebiet Kammer. Die Prämissen flächensparend, erschwinglich und ökologisch prägen die Planungen des neuen Ortsteils. Ein wenig entsteht sogar der Eindruck, dass Amerang dabei seiner Zeit voraus ist, denn während der Gemeinderat vor Ideen sprudelt, bremsen ihn – zumindest bei der Nahwärmeversorgung – Praktikabilität und die verfügbare Technik ein.

Amerang – Bereits von Beginn an hatte die Gemeinde mit einer Hackschnitzelheizung in Kammer geplant, getreu der Devise: möglichst ökologisch und nachhaltig. Im Laufe der Planungen entstand dann die Idee, auch die Abwärme des nahen Gewerbes zu nutzen und so eine noch umweltfreundlichere Variante zu ermöglichen. Franz Maier vom Ingenieurbüro Kas + Maier versetzte den Ratsmitgliedern bei der Vorstellung jedoch einen leichten Dämpfer. Denn während die Abwärmenutzung ökologischer wäre, praktikabel ist sie nicht.

Abwärme der nahen Gewerbe?

„Wir hantieren hier mit vielen Annahmen“, erklärte Maier dem Gemeinderat. Die Wichtigste davon: Die Abwärme des Gewerbes liegt konstant bei 40 Grad Celsius. Dann wäre es möglich, diese zu nutzen. „Wir würden sie über eine Heizzentrale in die Häuser leiten.“ Ankommen in den Gebäuden müsste die Abwärme mit einer Pumpe auf etwa 60 Grad hochgezeigt werden, um den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen. Als zweites Standbein seien in der Zentrale noch eine Hackschnitzelheizung und ein Kessel für Flüssiggas mit einer Leistung von je 250 Kilowatt eingeplant, um auch bei Ausfall der Abwärme und bei extremen Niedrigtemperaturen eine Wärmeversorgung sicher zu stellen.

Voraussetzung für die Variante der Niedertemperatur sei aber dennoch, dass eine durchgehende Abwärme des Gewerbes gesichert sei, sonst ergebe der Bau eines solchen Systems wenig Sinn.

Reine Hackschnitzelheizung praktikabler

Stattdessen biete sich dann eine, wie bisher geplante, Variante mit Hochtemperatur an. Hierfür würde eine Hackschnitzelheizung gebaut, die eine Wärme von 70 Grad erzeugen könne. Auch hierfür wäre ein Flüssiggaskessel für die Spitzenleistung notwendig. „Der Vorteil ist auch, dass hier keine Technik für die Häuser gebraucht wird“, erklärte Maier, also keine zusätzliche Wärmepumpe. „Allerdings müssen wir mit mehr Verlusten rechnen.“

Die geschätzten Kosten für die Variante Hochtemperatur wären jedoch geringer, statt 1,76 Millionen Euro käme die Gemeinde hier wohl auf 1,49 Million Euro. Auch die Einsparungen für die angeschlossenen Hausbesitzer würden, dank dem Wegfall der Wärmepumpe, eindeutiger ausfallen.

Dorn im Auge: der Gaskessel

Den größten Vorteil sah der Gemeinderat jedoch in der Praktikabilität. Denn mit der Hochtemperaturvariante wäre die Versorgung rein in gemeindlicher Hand und es würde keine Abhängigkeit vom Gewerbe entstehen.

Hundertprozentig glücklich darüber waren die Ratsmitglieder aber nicht, wie die Diskussion deutlich zeigte. „Auf der einen Seite haben wir eine Abwärme, die nicht genutzt wird. Auf der anderen Seite begeben wir uns wieder in eine Abhängigkeit“, stellte Christine Kerstens (GLA) fest. Nur schwer könne sie sich deshalb für die Hochtemperaturvariante aussprechen.

Hier war ihr aber der geplante Gaskessel ein Dorn im Auge. „Um den kommen wir nicht herum?“, fragte sie.

Ingenieur Maier erklärte zwar, dass es durchaus die Möglichkeit gäbe, eine zweite Hackschnitzelheizung zu installieren. Geschäftsleiter Helmut Stadler gab jedoch zu bedenken, dass es zu Problemen kommen könnte, wenn aus irgendeinem Grund die Hackschnitzellieferung ausfallen würde. „Dann haben wir keine Absicherung.“ Besser sei es, zwei verschiedene Systeme zu verwenden.

Erneute Prüfung bei mehr Gewerbe

Auch Dritte Bürgermeisterin Lena Jarczyk (FWK) konnte sich nur schwer für die Hochtemperaturvariante begeistern. „Aus einem ökologischen Gesichtspunkt betrachtet, tut es mir schon weh, die vorhandene Wärme nicht zu nutzen.“ Ob es die Möglichkeit gäbe die Abwärme mithilfe von Booster-Leitungen zu nutzen, fragte sie. Maier zeigte sich von dieser Idee überrascht. „Ich weiß gar nicht, ob das technisch möglich ist. Das wäre dann ein absolutes Pilotprojekt.“

Markus Keller (CSU) schlug vor, die Möglichkeit der Abwärme erneut zu diskutieren, wenn sich mehr Gewerbe ansiedeln sollte. Parteikollege Simon Strell sah dies ähnlich und sprach sich dafür aus, einen Ausbau der Versorgung mit Niedrigwärme auch dann zu prüfen, wenn es zu einer weiteren Bebauung in der Region Kammer kommen sollte.

Einstimmig entschied sich der Gemeinderat dafür, bei der weiteren Planung die Hochtemperaturvariante zu verfolgen.

Wohin mit der Hackschnitzelheizung?

Neben der Umsetzung war auch der Standort der Hackschnitzelheizung ein weiterer Diskussionspunkt im Gemeinderat. Angestoßen wurde er von Zweitem Bürgermeister Werner Fröwis (CSU), der die Platzierung der Heizzentrale in Süden infrage stelle. „Bei so einer langen Leitung verlieren wir doch viel Wärme“, gab Fröwis zu Bedenken. Ob es die Möglichkeit gäbe, die Zentrale ins Baugebiet selbst zu verlegen.

Ingenieur Franz Maier erklärte, dass die Möglichkeit vorhanden wäre. „Im Ort sparen wir Wärme“, sagte Maier, zudem würde sich die Gemeinde wohl Kosten im sechsstelligen Bereich einsparen. „Allerdings haben wir dann Feinstaub und Rauch im Ort.“

Geschäftsleiter Helmut Stadler gab außerdem zu Bedenken, dass mit dem Standort im Süden auch die bereits bestehenden Bebauung in Kammer versorgt werden.

Doch nicht nur die bestehende Bebauung, sondern auch die zukünftige sei zu berücksichtigen, gab Matthias Schmid (GLA) zu Bedenken. „Wir kennen den Ort und wissen, dass dort etwas entstehen wird.“ Er sei deshalb für den südlichen Standort.

Franz Oberloher sprach sich dafür aus, die Heizkraft des Hackschnitzelwerkes von 250 Kilowatt auf 300 zu erhöhen, „wenn das im Süden bleiben und noch mehr versorgen soll.“

Mit einer Gegenstimme von Markus Keller (CSU) entschied sich der Gemeinderat dafür, die Hackschnitzelheizung im Süden des Gebietes zu planen.

Mehr zum Thema

Kommentare