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Nahwärmenetz in Reitmehring eingeweiht

Vorzeigeprojekt in Wasserburg: Landwirtsfamilie und Stadt senken im Team CO2-Emissionen

Die Akteure des Projektes (von links): Robert Mayerhofer, Liegenschaftsamt, Rektorin Helga Block, Hausmeister Peter Kolokiejczak, Bernhard (junior, 21), Stefan (16) und Michael (21) Bürgmayr, Bürgermeister Michael Kölbl, Bernhard und Margit Bürgmayr. D
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Die Akteure des Projektes (von links): Robert Mayerhofer, Liegenschaftsamt, Rektorin Helga Block, Hausmeister Peter Kolokiejczak, Bernhard (junior, 21), Stefan (16) und Michael (21) Bürgmayr, Bürgermeister Michael Kölbl, Bernhard und Margit Bürgmayr. D
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Wasserburg ist auf dem Weg zur klimafreundlichen Kommune ein großes Stück vorangekommen: In Reitmehring spart die Stadt 70 Prozent der CO2-Emissionen bei der Heizung von Feuerwehr, Schule und Kindergarten ein – dank eines Projekts, bei dem sie mit einem privaten Investor aus der Landwirtschaft zusammenarbeitet.

Wasserburg/Reitmehring – Familie Bürgmayr aus Reitmehring wurde zum Nahwärmeversorger für kommunale Gebäude und eine Wohnsiedlung.

Legten in der Heizzentrale der Schule symbolisch den Hebel um: Bürgermeister Michael Kölbl (links) und Landwirt Bernhard Bürgmayr, der gemeinsam mit seiner Familie die Nahwärmeversorgung in Reitmehring betreibt. Sie ist bereits seit dem 23. Dezember 2020 am Netz.

Es ist ein Festtag für die Stadt und für die Landwirtsfamilie, denn das „Vorzeigeprojekt“, so Bürgermeister Michael Kölbl, sei nicht vom Himmel gefallen. Im Gegenteil: Es hat fünf Jahre gedauert, bis der Betrieb des Nahwärmenetzes Reitmehring startete – und „viele Nerven“ gekostet, wie Margit und Bernhard Bürgmayr bei der Einweihung berichteten. „Wir sind um viele Erfahrungen reicher geworden“, sagten sie. Das gilt auch für Robert Mayerhofer, Leiter des Liegenschaftsamtes, der sich federführend für die Stadt durch die bürokratischen Hürden kämpfte.

Eine alte Ölheizung wurde ersetzt

2016 ging es los mit der Projektentwicklung, nachdem feststand, dass die Stadt einen neuen Energieträger für die Immobilien von Feuerwehr, Schule, Lehrschwimmbad, Turnhalle und Kindergarten Reitmehring benötigt. Die alte Ölheizung mit ihrem 60.000-Liter-Tank und einem Energiebedarf von 420 MWh pro Jahr musste ersetzt werden.

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Die Kommune stand bereits aufgrund von anderweiten Grundverhandlungen mit der Familie Bürgmayr in engem Kontakt. Sie betreibt bereits seit 2011 auf ihrem Hof mit 50 Milchkühen eine Biogasanlage und wollte die Abwärme gerne sinnvoll nutzen.

Bevor die Verträge unterschriftsreif waren, dauerte es jedoch, berichtete Kölbl. Denn es galt auch mit weiteren privaten Grundeigentümern zu verhandeln – und mit dem Freistaat Bayern. Denn derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren für die Aufhebung des Bahnübergangs Reitmehring. Leitungen mussten unter der Bundesstraße hindurchgeführt werden.

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Doch die Akteure – darunter auch der Klimamanager der Stadt, Josef Allio, Planungs- und Ingenieurbüros sowie mehrere Abteilungen aus dem Rathaus, der Stadrat und der private Anlagenbetreiber, die Familie Bürgmayr – nahmen die Hürden. Grund für den erfolgreichen Abschluss: Alle hätten den Erfolg gewollt, angepackt, sich nicht unterkriegen lassen, betonte der Bürgermeister.

Anlage läuft seit Ende 2020 problemlos

Die Biogasanlage liegt genau in der Mitte zwischen den kommunalen Liegenschaften und der neuen Siedlung.

Seit Ende 2020 läuft die erweiterte Anlage problemlos, freute sich Kölbl, der auch den „unternehmerischen Mut“ des privaten Investors würdigte. Die Bürgmayrs waren mit der ganzen Familie zum Festakt gekommen. Bernhard Bürgmayr legte mit Kölbl in der Grundschule, die bei der Einweihung von Rektorin Helga Block und Hausmeister Peter Kolokiejczak vertreten wurde, offiziell der Hebel für die Nahwärmeversorgung im Heizraum um.

Die Schule und die Gebäude von Feuerwehr sowie Kindergarten liegen 1,1 Kilometer von der Biogasanlage entfernt. Der Hof befindet sich in der Mitte des Netzes – ebenfalls 1,1 Kilometer sind es bis zum letzten Haus der neuen Siedlung in Reitmehring Süd. Hier haben 30 Anwesen an die Nahwärmeversorgung angeschlossen. In der Endausbaustufe können es rein rechnerisch bis zu 70 sein.

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2,2 Kilometer Leitungen gegraben

Der Trassenplan Reitmehring-Süd zeigt die Anschlussbereiche. Klinger/OVB

Die Leitungen mit einer Gesamtlänge von 2,2 Kilometern haben die Bürgmayr-Söhne und der Vater eigenhändig eingegraben. Sohn Bernhard junior, der den Hof übernehmen möchte, kann in Zukunft neben der Milchviehhaltung als Land- und Energiewirt auf einen weiteren Betriebszweig bauen – Zukunftssicherung für einen Familienbetrieb, der bis ins 17. Jahrhundert zurückgeht. Die Biogasanlage wird mit Gülle, Mais und Gras gespeist, die aus der eigenen Produktion stammen – nachhaltiger geht es nicht.

Eindrucksvolle Zahlenvergleiche

Die Nahwärmeversorgung Reitmehring verrringert den CO2-Ausstoß der kommunalen Liegenschaften Feuerwehr/Schule/Kindergarten um rund 110 Tonnen im Jahr. Das entspricht nach Angaben der Stadtverwaltung rund 275.000 kWh Strom. Hierfür müsste eine rund 2500 Quadratmeter große Photovoltaik-Anlage errichtet werden.

Ein Hektar Wald speichert pro Jahr zehn bis zwölf Tonnen CO2. Für die Einsparung von 110 Tonnen CO2 müsste ein Wald von rund zehn Hektar gepflanzt werden.

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