„Vorteile gelten vor allem der Natur“: Haag schließt sich dem Landschaftspflegeverband an

Der Kiebitz  war noch vor fünfzig Jahren in Deutschland fast überall auf Feldern und Wiesen anzutreffen. Heute ist er vielerorts verschwunden und steht in einigen Regionen kurz vor dem Aussterben. Inzwischen markieren Naturschützer seine Gelege auf bewirtschafteten Flächen, um die Brut zu schützen.
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Der Kiebitz war noch vor fünfzig Jahren in Deutschland fast überall auf Feldern und Wiesen anzutreffen. Heute ist er vielerorts verschwunden und steht in einigen Regionen kurz vor dem Aussterben. Inzwischen markieren Naturschützer seine Gelege auf bewirtschafteten Flächen, um die Brut zu schützen.

Der Markt Haag tritt dem Landschaftspflegeverband Mühldorf bei. Das beschloss der Gemeinderat Haag bei seiner jüngsten Sitzung einstimmig. „Die Vorteile gelten vor allem der Natur“, resümierte Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD). Die Pflege wird pro Einwohner im Jahr 50 Cent kosten.

Von Ludwig Meindl

Haag – Klimaschutz und Klimawandel stellen nach Dr. Karl Dürner, dem Vorsitzenden des Landschaftspflegeverbands, eine Herausforderung dar. So werde die Landschaftspflege zur wichtigen Aufgabe. Die Geschäftsführerin des 2018 gegründeten Vereins, Elisabeth Knapp, fasste Praxis und Ziele zur Sitzung des Gemeinderats im Bürgersaal zusammen. 18 Gemeinden des Landkreises seien bereits angeschlossen.

Fördergelder im Topf

Die Landschaftspflege wird über Fördergelder finanziert. Dazu gehören Entbuschungen, Kopfweidepflege und Mahd, wie sie der Verein bereits am Joppenpointer Postweiher vorgenommen hat.

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Zu den Arbeiten landkreisweit gehören weiter die Samengewinnung und die Anlage und Pflege von Blühwiesen. Als Beispiel für den Artenschutz nannte die Referentin, die das Naturschutzfach studiert hat, das Markieren der Gelege für den Kiebitz auf den Feldern. So kann der Bewirtschafter, mit dessen Einverständnis die Maßnahme erfolgt, das Nest umfahren. Vorteile haben Landwirt wie Vogel: „Schlüpft ein Kiebitz, bekommt der Bewirtschafter 50 Euro.“

Besondere Schätze der Eiszeitlandschaft

Alle Ausführungen durch den Landschaftspflegeverband erfolgen nach Elisabeth Knapp freiwillig in Absprache mit den Anwohnern. Ausgleichsflächen, zu denen die Gemeinden verpflichtet sind, werden gegen Kostenrechnung geschaffen. Der Verband wirkt hier auch durch Beratung. Einen besonderen Stellenwert wird Haag mit Umgebung für das Projekt „Schätze der Eiszeitlandschaft“ mit seinen zahlreichen Toteiskesseln einnehmen. „Die gibt es nicht überall“, so Elisabeth Knapp.

Weiter bemühe man sich um das Anlegen von Pufferstreifen und Entschlammungen. Eine Besonderheit bilden im Rahmen der Aktion „Natürlich Bayern“ die „insektenreichen Lebensräume“. Für die Gestaltung von Wiesen als Lebensraum werden unter anderem Bauhofmitarbeiter auch geschult.

Wichtige Aufgabe

Dazu muss die Zusammenarbeit mit den Gemeinden funktionieren, unterstrich Klaus Breitreiner (CSU) und fragte nach, ob Haag hier an einen speziellen Ansprechpartner denke. Nach Knapp gestaltet sich die Absprache unterschiedlich von der eigenen kommunalen Stelle für Ausgleichsflächen bis hin zum Bürgermeister als Anlaufstelle. „Eine wichtige Aufgabe“, kommentierte Dritter Bürgermeister Dr. Florian Haas (PWG) und erfuhr auf Nachfrage, dass Zweckverband und Maschinenring ebenfalls mit dem Landschaftspflegeverband zusammenarbeiten.

Landwirte erhalten eine Entschädigung

Die Hauptaufgaben Landschaftspflege und Artenschutz sollen in gleichberechtigter Zusammenarbeit zwischen Verband, Landschaftspflege und Kommunen erfolgen, fasste die Referentin zusammen. Ein Großteil der umzusetzenden Arbeiten verbleibe bei den Landwirten, die für ihren Einsatz eine Entschädigung erhielten.

Die Vorteile des Landschaftspflegeverbands seien deutlich herausgestellt, betonte Bürgermeisterin Sissi Schätz. Sie gelten vor allem der heimischen Natur. Auch im Gemeindegebiet Haag gäbe es ökologisch wertvolle Flächen, die „zum Erhalt ihrer Wertigkeit“ regelmäßiger Pflege bedürfen, darunter natürlich auch die bereits genannten Toteiskessel, die eine regionale Besonderheit darstellten.

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