Nicht nur für Kinder

In Wasserburg öffnet sich die glänzende Welt des Spielzeugs im kleinen Puppenmuseum

Diese weihnachtliche Szene konnten Wasserburger in den vergangenen Wochen im Schaufenster des Puppenmuseums bestaunen. Hinter den Vorhängen verbirgt sich noch viel mehr.
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Diese weihnachtliche Szene konnten Wasserburger in den vergangenen Wochen im Schaufenster des Puppenmuseums bestaunen. Hinter den Vorhängen verbirgt sich noch viel mehr.
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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„Das kleine Puppenmuseum“ in Wasserburg lässt seine Besucher staunen und lernen. Die unterschiedlichsten Epochen in Form von Puppen, Bären und kleinen Stuben oder Küchen sind hier zu entdecken. Die meisten Gegenstände sind etwa 100 Jahre alt, erklärt Inhaberin Brigitte Fichtner.

Wasserburg – Heiligabend. Ein kleiner Kaufmannsladen steht schon als Geschenk bereit. Er wartet nur darauf, von den Kindern in Empfang genommen zu werden. Doch, einen Augenblick, der Christbaum muss noch geschmückt werden. Schnell schweben 2 Engel herein und hängen mit liebevoller Sorgfalt die Kugeln an die Tanne. Weihnachten steht nichts mehr im Wege.

Es ist auch „Kulturgut in seiner schönsten Form“

Diese Szene konnten aufmerksame Wasserburger in den vergangenen Wochen in den Schaufenstern des „kleinen Puppenmuseums“ in der Frauengasse entdecken. Es ist ein winziger Vorgeschmack auf das, was sich hinter dem Vorhang des Museums verbirgt. Wenn dieser von Inhaberin Brigitte Fichtner geöffnet wird, ist es beinahe so, als tauche man in eine andere Welt ein.

Eine Reise durch die Zeit anhand von Puppenstuben. Hier ein Wohnraum mit Hausdame und Bediensteter.

Eine Welt voller „Spielzeug“. Das Wort ist ganz bewusst in Anführungszeichen gesetzt, denn die Bezeichnung „Spielzeug“ trifft nicht ganz auf das zu, was Fichtner dort zur Schau stellt. „Es ist auch Kulturgut“, beschreibt Fichtner ihre Sammlung treffend, „Kulturgut in seiner schönsten Form.“ In Form von Spielzeug.

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Wasserburger Puppenmuseum seit 2009

„Das kleine Puppenmuseum“ existiert seit 2009 und lässt seine Besucher staunen und lernen. Hier sind die unterschiedlichsten Epochen in Form von Puppen, Bären und kleinen Stuben oder Küchen zu entdecken. Die meisten Gegenstände sind etwa 100 Jahre alt, wie Fichtner erklärt, oder älter. „Bis in die 50er sammle ich“, so Fichtner, alles was jünger ist, hat für sie noch keinen Sammelwert.

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Wer ins Puppenmuseum eintritt, kann so anhand kleinster Gegenstände erleben, wie sich die Zeiten verändert haben. Die Puppenküche aus dem 19. Jahrhundert hat beispielsweise noch einen Holzofen, der Waschzuber steht im Regal darüber. Doch mit wenigen Schritten erfolgt eine Reise durch die Zeit und plötzlich steht der Besucher einer Küche mit Gasofen und Waschbecken gegenüber. Alles voll funktionsfähig. „Es steckt sehr viel Arbeit in all den hochwertigen Gegenständen“, so Fichtner, „und das nur für Spielzeug.“

Puppen-Welt bildet echte Welt ab

Im Obergeschoss finden sich dann viel buntere und moderne Puppenküchen. Der Kunststoff hat in der Zwischenzeit Einzug gehalten und öffnet neue Möglichkeiten, auch in der Spielzeugherstellung. „Das Spielzeug ist perfekte Abbildungen seiner Zeit“, so Fichtner. Alles, was sie hier ausstellt, habe es wirklich gegeben, „nur in groß.“

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Fichtner legt großen Wert auf die kleinen Dinge, wie das Besteck – aus Sterling-Silber, mit feinsten Gravuren versehen – und auf Originalität. Die Seide darf bei ihr auch brüchig sein und die Gegenstände dürfen Spielspuren haben. „Ich mag es nicht so gerne, wenn die Dinge keine Spielspuren haben“, oft bedeute dies, dass es keine echten Antiquitäten sind.

Mädchen sollten die Haushaltsführung lernen

Trotz allem sind die meisten Puppen noch in gutem Zustand. „Es wurde einfach anders damit umgegangen.“ Denn die Puppen, Küchen und Stuben waren sehr teuer und aufwendig in der Herstellung. Sie sollten insbesondere den Mädchen Haushaltsführung beibringen, aber es gab auch Spielzeug für die Buben. Im kleinen Puppenmuseum findet sich zum Beispiel ein Altar mit Priester für „angehende Geistliche“ oder ein oder ein Pferdehof für den bäuerlichen Nachwuchs.

Als Erzieherin freut sich Fichtner besonders, wenn ganze Familien zu ihr ins Puppenmuseum finden. „Ich freue mich immer, wenn hier 3 Generationen sind. Oma, Mutter und die Enkel.“ Es sei vor allem schön, wenn die Großeltern ihren Enkeln anhand des Spielzeugs erklären könnten, wie es in ihrer Kinderzeit war. „Die wenigsten Kinder wissen heutzutage, wie vor 100 Jahren gekocht, gewaschen oder geheizt wurde“, so Fichtner. Anhand des Spielzeugs können sie es lernen.

Für Fichtner begann die Sammelleidenschaft mit einer einzelnen Puppe, die bei ihr zu Hause auf einem Stuhl saß. Schließlich wuchs die Sammlung, bis sie zu ein kleines Museum eröffnen konnte. „Alte Sachen mochte ich schon immer und die Alternative wäre gewesen, alles in Kisten zu lagern,“

Die Schublade des Schminktischchens lässt sich heute noch öffnen, obwohl er aus dem 19. Jahrhundert stammt.

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