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HEUTE HAAGER ORTSTEIL

Vor 60 Jahren: Bürgermeister Josef Göschl war ein Pionier des Einheimischenmodells

Eine Heimat für Heimatvertriebene und Jungverheiratete: Rosenberg als eigenständige Gemeinde entstand vor 60 Jahren. Heute ist die Siedlung auf der ehemaligen Schafweide Ortsteil von Haag.
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Eine Heimat für Heimatvertriebene und Jungverheiratete: Rosenberg als eigenständige Gemeinde entstand vor 60 Jahren. Heute ist die Siedlung auf der ehemaligen Schafweide Ortsteil von Haag.
  • VonLudwig Meindl
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Rosenberg wird heuer 60 Jahre alt. Der größte Ortsteil von Haag, der heute 785 Anwohner zählt, wurde 1961 gegründet und bald als eine der schönsten Siedlungen gelobt. Neben der Pionierleistung damals lobt Bürgermeisterin Sissi Schätz heute den Zusammenhalt der Rosenberger.

Haag – 1961 schaffte die damals noch eigenständige Gemeinde, die heute ein Ortsteil von Haag ist, mit allseits bewunderter Energie ein Wohnungsbauprojekt am Bergkopfgelände, das weitum seinesgleichen suchte.

Wohnungsnot lindern

Der bereits verstorbene Bürgermeister von Rosenberg, Josef Göschl, zeichnete den Ursprung der Siedlung auf: „Die enorme Wohnungsnot zu lindern, den Heimatvertriebenen und Jungverheirateten helfen, ein Zuhause zu schaffen, das waren hauptsächlich die Beweggründe für mich als Ersten Bürgermeister und für den ganzen Gemeinderat, das ehemalige Bergkopfgelände anzukaufen und nach einem Bebauungsplan erschließen zu lassen.“

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Trotz „fantastischen wirtschaftlichen Aufschwungs“ hielt Göschl fest, habe damals noch „Wohnungszwangswirtschaft“ geherrscht. „Gewaltige Schwierigkeiten“ hätten sich ihm und dem Gemeinderat entgegengestellt. Doch die Aufsichtsbehörde „bis hinauf zu den höchsten Regierungsstellen“ sei diesem Projekt von Anfang an „äußerst wohlwollend“ gegenüber gestanden.

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1958 schon hatten die Rosenberger probiert, den bis dahin als Schafweide dienenden Bergkopf als Siedlungsgelände anzukaufen. Erst ein Jahr später konnte man auch die Ortsplanungsstelle auf dieses „idyllisch gelegene Baugebiet“ aufmerksam machen, das nach dem bereits verstorbenen Ehrenbürger Florian Trautbeck die „schönste Siedlung zwischen München und Mühldorf“ ist.

Über 100 Bauwillige

1961 ging der Rosenberger Gemeinderat zu Kaufverhandlungen über, weit über 100 Bauinteressenten gab es schon.

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Eine Bürgerversammlung in Blümöd protestierte nach „zeitweilig tumultartiger Debatte“ gegen dieses Vorhaben. Doch der Beschluss zum 45 Tagwerk großen Baugelände mit zehn Tagwerk für gewerbliche Grundstücke und 35 für die Siedlung stand fest. Die Marktgemeinde Haag willigte in den Anschluss an die Wasserversorgungsanlage ein.

Den Kaufpreis für die 102.110 Quadratmeter konnte man auf 400.000 Mark drücken und eine Bezahlung in vier Raten aushandeln. Hauptstraße des „neuen Ortes Rosenberg“ wurde die Mühlstraße. Der Gemeinderat mit Bürgermeister unterzeichnete einstimmig. Ein Stück um den „Königssee“ – heute Spielplatz -, ließ man dem Skiclub für die Sprungschanze, dann ging die Bebauung unaufhaltsam voran.

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Probleme stellten sich mit der Kanalisierung ein, man musste durch den Stiftungswald, um vorbei am Haager Bad den Anschluss an Haag zu finden. Auch die Debatte, ob Stromversorgung durch E-Werk Kern oder Kraftwerke Haag, stellte sich als „heikle Angelegenheit“ heraus. 1962 war trotz strengen Winters das Abwassernetz fertig. Man meldete den Baubeginn mit Aushubhöhen bis über fünf Meter. Am Königssee mussten sieben Meter aufgefüllt werden. Im August setzten die Bauherren die ersten Firstbäume. Für 1500 Wohnungen konnte im November Richtfest gefeiert werden.

Einwohnerstand verdreifachte sich

Die fleißigen Gemeindearbeiter bekamen einen Aufschlag des Stundenlohns von 2,40 auf 2,60 Mark und bezogen ein Weihnachtsgeld von 50 Mark. Zum Jahresende hieß es: „Eine vorbildliche Leistung ist am Bergkopf vollbracht worden.“ 1964 kam der Dank des Abgeordneten Dr. Josef Kriegisch an Bürgermeister Göschl und Gemeinderäte für „uneigennützige und weitschauende Tätigkeit“. In Deutschland gab es keine zweite Landgemeinde, die ihren Einwohnerstand von 500 Bürgern in so kurzer Zeit verdreifacht hatte. Und ein „Gemeindezentrum“ blühte auf, das damals noch seine eigene Kirche, Schule und Kindergarten plante.

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Das sagt Bürgermeisterin Sissi Schätz:

„Interessant ist auch die Lebensgeschichte der Rosenberger Frauen“, betont Bürgermeisterin Sissi Schätz im Gespräch mit der Wasserburger Zeitung. Ganz oft waren sie selbst berufstätig – sogar ganztags -, ob bei Handschuh Fischer, Neuberger oder Rad Liebigt. Auf die Kinder passten Großmütter auf, die mit im Haus wohnten. Die Großväter waren meist im Krieg gefallen.

„Ein Grundstück bekam man nur, wenn man verheiratet war.“ Aufgrund der vielen Arbeitnehmer habe Florian Trautbeck als damaliger Ortsvorsitzender der SPD Rosenberg viele Mitglieder gehabt.

Viele „alte“ Rosenberger könnten noch über die damalige Aufbruchsstimmung berichten, so das Ehepaar Weinbauer in der Tannenstraße, das Ehepaar Jurasek, Horst Achterling und Erhard Glaser: „Schade dass Linke Fritz, Trautbeck Flori und Zeilinger Herbert nicht mehr leben!“ Beim Hausbau habe man sich oft gegenseitig geholfen. Rosenberg habe damals mit Bürgermeister Göschl einen „absolut vorausschauenden Bürgermeister“ gehabt: „Der hat damals das erste Einheimischenmodell praktiziert, denn noch heute hat der Markt Haag eingetragene Vorkaufsrechte für Grundstücke.“ Die Idee dahinter war, der Gemeinde letztlich die Möglichkeit zu geben, bei einem Verkauf einzusteigen und wieder an Bewerber aus dem Gemeindegebiet zu verkaufen.

In Rosenberg sei heute zunehmend ein Generationenwechsel zu beobachten, an viele Häuser werde angebaut, weil die Grundstücke zum Teil recht groß sind. „Junge Familien mit Kindern sieht man wieder häufig in Rosenberg“, freut sich Schätz. Schön sei, dass das Familienzentrum dort beheimatet ist, denn es handle sich um den Ortsteil mit den meisten Einwohnern und kurzen Wegen. Schade sei, dass es kein Lebensmittelgeschäft mehr dort gibt. Den Zusammenhalt dort empfinde sie jedenfalls als sehr groß: „Das sieht man auch am Rosenberger Straßenfest.“

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