Vor 25 Jahren wollte man mit Rechtsabbiegegebot Autos aus Wasserburger Altstadt aussperren

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Ein Rechtsabbiegegebot sollte in Wasserburg die Autos aus der Altstadt aussperren – doch es fehlte der Platz für die nötige Verkehrsinsel. Gewünscht war touristischer Durchgangsverkehr hingegen bei Radfahrern: Ein neuer Radrundweg sollte den Landwirten durch Kurzurlauber eine weitere Möglichkeit zur Existenzsicherung geben. Dies und mehr stand vor 25 Jahren in der Wasserburger Zeitung. Aus unserer Serie.

Von Laura Hofner

Wasserburg – Wenn Anfang November 1995 das neue Parkhaus in der Kellerstraße eröffnet wird, dann soll gleichzeitig der Durchgangsverkehr wirksam aus der Altstadt ausgesperrt werden. So stand es vor 25 Jahren in der Wasserburger Zeitung.

Das hatte die Stadt jedenfalls noch im Mai nach stundenlangen Debatten und Anhörungen beschlossen und so sah es auch das langfristige Verkehrskonzept vor. Doch nun kommt alles anders: Der Beschluss wurde wieder aufgehoben, es bleibt alles beim Alten. Anlass war, dass eine vorgesehene Verkehrsinsel doch nicht gebaut werden kann. Der Stadtrat wollte die Route vom Marienplatz über den Aiblinger Platz zur Rampe unterbrechen – und zwar durch ein Rechtsabbiegegebot beim alten Parkhaus in der Überfuhrstraße. Dort aber ist die Straße Im Hag zu eng, um noch eine Insel mit einem entsprechenden Hinweisschild unterzubringen. Festgestellt hatte man die Platznot im Zuge von Vermessungsarbeiten. Wenn auch noch Lkws mit Anhänger um die Kurve kommen sollen, müsste man erst Grund von der Post erwerben und die Kreuzung erweitern. „Klassenziel nicht erreicht“, kommentierte Michael Kölbl die Situation und war „maßlos enttäuscht“, dass selbst die „Minimallösung“ für die Aussperrung des Durchgangsverkehrs nun wieder fallen sollte.

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Um den Landwirten rund um Wasserburg eine weitere Möglichkeit, zur Existenzsicherung zu schaffen, schwangen sich die Mitarbeiter des Amtes für Landwirtschaft und Ernährung Wasserburg auf die Räder. Anlass für die sportliche Übung: Im Landkreis Rosenheim soll so bald wie möglich ein etwa 100 Kilometer langer Radrundweg entstehen. Zielgruppe dafür sind Kurzurlauber aus München oder der näheren Umgebung. Jetzt sucht das Amt interessierte Bauern, die den Radlern Übernachtungs- oder Brotzeitmöglichkeiten bieten. Mit dem Radweg sieht der Leiter der Landwirtschaftsschule Wasserburg, Alfons Bruckmaier, Chancen für die Landwirte kommen. „Schließlich hat Urlaub auf dem Bauernhof inzwischen eine lange Tradition“. Damit sich das aber lohnt, muss die Fremdenverkehrssaison lang genug sein. Die derzeitige Lücke in der Vor- und Nachsaison soll der Radweg auffüllen.

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Weitere Meldungen in der Woche vom 5. bis zum 11. Oktober 1995:

Berlin – Der Präsident des Europäischen Währungsinstituts, Alexandre Lamfalussy, hat einen Zeitplan für die Einführung des Eurogeldes vorgestellt. Danach soll es die einheitliche Währung ab Sommer 2002 in den EU-Staaten geben, welche die Stabilitätskriterien erfüllen. Zunächst sollen nur Banken untereinander mit der neuen Währung abrechnen müssen. Die Bundesbürger sind dabei laut Umfragen skeptisch: 73 Prozent glauben, dass das Eurogeld anfälliger für Inflation sein wird.

Stockholm – Als erste deutsche Wissenschaftlerin wird die Tübinger Entwicklungsbiologin Christiane Nüsslein-Volhard mit einem Nobelpreis für Medizin geehrt. Sie teilt sich die Auszeichnung mit dem Amerikanern Wieschaus und Lewis. Der Preis, der ihr für die Erforschung der Erbanlagen der Drosophila-Fliege verliehen wird, ist in diesem Jahr mit 1,4 Millionen Mark dotiert.

Paris – Bei der Explosion eines Sprengsatzes sind in Paris 13 Menschen verletzt worden. Bei dem Anschlag wurde, wie schon bei früheren Attentaten, ein als Splitterbombe präparierter Gasbehälter verwendet, der in einem Abfallkorb deponiert war. Die Zahl der Opfer hätte höher sein können, wenn nicht ein Postbote das verdächtige Paket entdeckt und die Polizei alarmiert hätte. Der Sprengsatz detonierte jedoch, bevor Bombenexperten eintrafen.

München – Die bundesweit erste öffentliche Erdgas-Straßentankstelle ist in München eröffnet worden. Erdgasfahrzeuge könnten wesentlich zur Luftverbesserung in den Städten beitragen, meint Bayerns Umweltminister Thomas Goppel. Sie würden weder Ruß noch Benzol ausstoßen und seien mit einem geregelten Katalysator ausgestattet. Die Pilot-Tankstelle wurde mit einem Kostenaufwand von 800 000 Mark eingerichtet.

Bombay – Nach den ungewöhnlich heftigen Monsunregenfällen in diesem Jahr leidet der Westen Indiens unter einer Mottenplage. Wie Umweltschützer berichteten, fraßen Milliarden Motten sechs Quadratkilometer eines Mangrovenwaldes in der Nähe von Bombay kahl.

Auch vor einer nahegelegenen Fabrik machten die zwei Zentimeter langen Raupen, aus denen die Motten schlüpfen, nicht Halt. „Die Larven fielen von der Decke wie Regen“, berichtete ein Angestellter.

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