Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Rund ums Rad

Von Kardan-Rädern über Bonanza bis zum E-Bike: Der Haager Bernhard Gruber kennt alle Trends

Bernhard Gruber mit zwei Fahrradraritäten: Einer „Miele“ aus den 50er Jahren (links) und dem „Bonanza-Rad“ aus den 70er-Jahren.
+
Bernhard Gruber mit zwei Fahrradraritäten: Einer „Miele“ aus den 50er Jahren (links) und dem „Bonanza-Rad“ aus den 70er-Jahren.
  • VonLudwig Meindl
    schließen

Die Haager treten gerne in die Pedale: Bernhard Gruber hat schon als Lehrbub im elterlichen Landmaschinenbetrieb Fahrräder wieder flott gemacht.

Haag – Das Rad als Freizeit- und Sportartikel erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Haag nimmt dabei einen besonderen Standort ein. Bereits vor über 100 Jahren trug hier ein Radsportverein Rennen aus. Später produzierte eine Fahrradfabrik Räder für ganz Deutschland. Heute liefert Grubers Bike Service die aktuellen Modelle.

Im letzten Jahrhundert galt es schon als ungewöhnlich, dass vier Geschäfte in Haag mit Fahrräder handelten: Ignaz Huber in der Kirchdorfer Straße, Landmaschinen Gruber in der Wasserburger Straße, Ed Ederer und Otto Ruf in der Hauptstraße.

Kettenlose Drathesel gehen in Serie

Die Firma Liebigt stellte dann in ihrem Fabrikationsgebäude an der Münchener Straße Fahrräder her und bot vielen Haagern einen Arbeitsplatz. Nachfolger 1980 war Peter Fendt, der mit seinem Studienkollegen die „Fendt & Hofgärtner“ gründete und die ersten Kardan-Räder, die keine Kette mehr hatten, mit dem FEHO STS in Haag in Serie gehen ließ.

Als Lehrbub im elterlichen Landmaschinenbetrieb richtete Bernhard Gruber bereits Fahrräder: „Mein Opa hat in den 40er Jahren Räder verkauft.“ Er selber vollzog in den 90er Jahren einen fließenden Übergang von Landmaschinen zum Verkauf von MDF-Rädern. „Damals kam der Mountainbike-Boom“, so Bernhard Gruber. Immer herrschten gewisse Trends: „In den 70er Jahren warst mit einem Bonanza-Radl der King.“

Vor 15 Jahren wurde es das E-Bike. Er bot eines an und wurde von Geschäftskollegen ausgelacht. Das werde nie was, sagten sie. Heute ist es der Trend. 80 Prozent des Handels stellen E-Bikes in der „Pedelec-Generation“.

Aktuell mangelt es also nicht an Interesse, eher an Ersatzteilen: „Wir müssen oft ein halbes Jahr darauf warten.“ Die stets große Auswahl an Rädern könne er garantieren, da er bei den ersten Anzeichen der Verknappung aufgrund der Lockdowns der Produzenten in Fernost vorgesorgt habe.

Bereits 1894 wurde der „Radfahrer-Verein Haag“ zur „Pflege des Radsports“ und Austragung von „Renn- und Vergnügungsfahrten“ gegründet. Mitglied durfte jeder „fahrkundige Velocipedist“ werden. Der lateinische Ausdruck bedeutet „mit schnellem Fuß“. Der Jahresbeitrag kostete 3,50 Reichsmark. Mitbringen sollte man einen „Sportanzug aus grüngrauem Sacco, Kniehose und Mütze mit grauen Strümpfen“. Für die Fahrstrecken war der „erste Fahrwart“ zuständig, er bestimmte auch das Tempo an der Spitze. Regeln untersagten „rasches Fahren um Straßenecken“ und geboten das Absteigen, wenn Pferde entgegenkamen. Neben der Glocke musste jeder „Velocipedist“ eine Signalpfeife führen.

Der Fahrradverein wurde weitergeführt und brachte namhafte Sportfahrer aus Haag hervor, so Josef Nagerl und Florian Trautbeck, die zu deutschen Meisterschaften quer durchs Land fuhren. Man veranstaltete Rennen durch den Markt, die beliebten Tanzkränzchen, Biergartenfeste und Wohltätigkeitskonzerte.

Gar eine Weltumradelung plante Hans Knoll, der dafür seinen Beruf als Hilfslehrer an den Nagel hängte. Von Haag aus startete er in Richtung Osten.

Weltumradelung abgebrochen

Der „Haager Bote“ brachte immer wieder Nachrichten aus Briefen oder Meldungen ausländischer Botschaften – bis Knoll auf einmal alle seine Fans mit Abbruch der „Radreise um die Welt“ enttäuschte. In Teheran hatte er den angekündigten Start nach Indien immer wieder verschoben, da meldete die „Kaiserliche Deutsche Gesandtschaft“ aus Persien, der Haager habe sein „Styria-Rad“ verkauft und befinde sich bei Teheran in fester Anstellung in einer Zuckerfabrik.

Skeptischer gegenüber dem Sport auf zwei Rädern blieben Haags Polizisten, denen nach Münchener Vorbild eine Neuorientierung drohte. Der „Haager Bote“ darüber: „Mehrere Gendarmen üben sich jetzt im Radfahren. Sie haben schon sehr gute Fortschritte gemacht. Der Patrouillendienst der reitenden Gendarmen auf den Landstraßen dürfte hierdurch wesentlich erleichtert werden.“

+++ Weitere Artikel und Nachrichten aus der Region Wasserburg finden Sie hier. +++

Mehr zum Thema