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„Die Kirche ist eine Baustelle“

Vom Lehrer zum Priester: Max Georg Böckl-Bichler ist der neue Kaplan der Wasserburger Stadtkirche

„Kirche ist eine Baustelle“, sagt Kaplan Max Georg Böckl-Bichler, in Wasserburg im wörtlichen und metaphorischen Sinn.
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„Kirche ist eine Baustelle“, sagt Kaplan Max Georg Böckl-Bichler, in Wasserburg im wörtlichen und metaphorischen Sinn.
  • Sophia Huber
    VonSophia Huber
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Das Fotomotiv hat sich Max Georg Böckl-Bichler selbst ausgesucht, vor der derzeit im Baugerüst eingekleideten St. Jakobskirche wollte er abgelichtet werden. Das symbolträchtige Motiv in Wasserburg sei passend, meint er, denn: „Kirche ist eine Baustelle.“ Der 35-Jährige ist der neue Kaplan.

Wasserburg – Vor Kurzem hat sich der 35-jährige Böckl-Bichler für einen Beruf entschieden, den nicht viele machen: Priester, mitten in den Krisenzeiten der katholischen Kirche. Seit Kurzem ist er als Kaplan in der neugegründeten Wasserburger Stadtkirche tätig.

In die katholische Kirche ist er hineingewachsen, sagt er. Bereits in jungen Jahren begann er zu ministrieren. „Das haben meine Geschwister auch gemacht, das war einfach so in der Familie.“

„Berufung ist ein Weg“

Während der Schulzeit wurde seine Verbindung zur Kirche gestärkt. Böckl-Bichler besuchte das Studienseminar St. Michael in Traunstein. „Dort war der Glaube einfach teil von unserem Alltag.“ Auch hier war er Ministrant, zeitweise sogar als Mesner tätig. Der Wunsch, Priester zu werden, kam jedoch erst später auf.

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„Berufung ist ein Weg“, stellt Böckl-Bichler fest, der auch nicht immer ganz gerade verläuft. Auch bei Böckl-Bichler nicht, denn er entschied sich nach dem Abitur 2006 zunächst dazu, Lehramt zu studieren: in den Fächern Deutsch und Geschichte. Katholische Religionslehre nahm er als drittes Fach dazu. Eigentlich wegen der Jobaussichten. „Deutsch und Geschichte ist ja diese Horrorkombination, weil das so viele machen“, erklärt Böckl-Bilcher, mit Religion erhoffte er sich mehr Anstellungsmöglichkeiten. Irgendwann habe er dann aber festgestellt, dass Religion ihm mehr Spaß machte, als Deutsch.

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„Im Referendariat habe ich dann auch Gemeindearbeit geleistet und dort gemerkt, dass ich lieber die Arbeit der Pfarrei erledigte, als die Korrekturen.“ Böckl-Bichler entschied sich, ins Priesterseminar einzutreten. Nach der Weihe zum Diakon folgte nun ein Jahr später die Weihe zum Priester. Das Zölibat sei dabei natürlich eine Herausforderung. „Aber ich glaube auch, dass die Ehe eine Herausforderung ist.“ Zudem habe ihn eine Aussage von Kardinal Marx geprägt: „Zölibatär leben, heißt nicht, beziehungslos leben.“ Dem stimme er zu: „Ich habe meine Familie, meine Freunde – also alle Beziehungen, die ich brauche.“

Seine Ausrichtung, wenn es um andere Streitthemen der katholischen Kirche, wie, Frauen im Priesteramt und den Missbrauchskandal geht, bezeichnet er weder als konservativ noch als liberal. Im Gegenteil, Böckl-Bichler findet solche Zuschreibungen nicht zielführend. „Natürlich müssen wir über diese Themen reden“, sagt er, vor allem bei der Aufklärung rund um die Missbrauchsskandale müsse es transparent zugehen. Aber es schade der Kirche und der Glaubensgemeinschaft, sich auf diese Themen zu fokussieren. „Wir sollten uns nicht darauf konzentrieren, was uns spaltet, sondern, was wir gemeinsam haben“, sagt Böckl-Bichler.

Keine falschen Hoffnungen

Auch schädige es die Kirche, falsche Hoffnungen zu verbreiten, beispielsweise beim Thema Frauen im Priesteramt. „Ich denke nicht, dass dies mit der katholischen Theologie vereinbar ist“, sagt Böckl-Bichler schlicht. Dies sollte auch so kommuniziert werden, anstatt immer wieder Versprechungen und Gespräche zu eröffnen. Das frustriere die Menschen nur.

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„Das heißt aber nicht, dass Frauen in der Kirche nicht willkommen sind.“ Im Gegenteil: „Ich denke, die Türen für Frauen stehen weit offen. Denn wir brauchen alle, Frauen, Männer, Kinder, Senioren.“ Jede Hand wird gebraucht in der Baustelle „Kirche“, davon ist Böckl-Bichler überzeugt.

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