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Mit Kreativität durch die Pandemie

Vom Festzelt zur Hütte: Gastronomen aus Reichertsheim trotzen Corona-Krise

Bis vor der Pandemie war ihr Hauptgeschäft der Partyservice, nun konzentrieren sich Susanne und Peter Mayer ausschließlich auf ihre Schmankerlhütte.
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Bis vor der Pandemie war ihr Hauptgeschäft der Partyservice, nun konzentrieren sich Susanne und Peter Mayer ausschließlich auf ihre Schmankerlhütte.

Ein kleiner Kramerladen ohne Personal, wo sich jeder selbst bedienen kann und bezahlt wird auf Vertrauensbasis? Kann das funktionieren? Kann es, sagen Susanne und Peter Mayer aus Reichertsheim über ihre „Schmankerlhütte“.

von Jessica von Ahn und Sophia Huber

Reichertsheim – Bis zur Pandemie betrieben die Mayers einen Partyservice. Der Metzgermeister und die Einzelhandelskauffrau deckten den Bedarf an Speisen und Getränken in vollen Festzelten. Rund 400 Veranstaltungen mit jeweils mehreren hundert Gästen haben die Mayers jährlich ausgerichtet.

Über den Landkreis hinaus ist der Betrieb bekannt. Zehn Mitarbeiter zählte er. Überstunden, Nacht und Wochenendarbeit waren für das Paar keine Seltenheit.

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Doch mit dem ersten Lockdown im März 2020 fielen alle Veranstaltungen aus und sämtliche Aufträge weg. Der Betrieb ist auf Großveranstaltungen spezialisiert, deshalb verzeichnete das Unternehmen auch in den Sommermonaten, als kleinere Veranstaltungen gestattet waren, keinerlei Aufträge.

Einzig die schon 2018 errichtete „Schmankerlhütte“ blieb als Erwerbsmöglichkeit.

Selbstbedienung – Bezahlen auf Vertrauensbasis

Sie war schon vor der Pandemie entstanden, weil im Betrieb immer wieder Leute vorbeigekommen waren, „die rasch eine Leberkässemmel oder ein Steak wünschten“, erläutert der Metzgermeister und Wurstsommelier Peter Mayer die damalige Situation. „Das haben wir natürlich gerne ausgegeben.

Aber es hat den Betrieb sehr aufgehalten.“ Und so suchte das Paar nach einer Lösung, wie es seine Speisen ohne großen Personalaufwand verkaufen kann.

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Die Mayers fanden eine Holzhütte, in der sie rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche ihre Lebensmittel anbieten – ohne Personal an der Verkaufstheke im Selbstbedienungsmodus. Zu Beginn ging es vor allem um Würstl und Fleisch, die Kunden in der Hütte für einen spontanen Grillabend abholten.

Die Pandemie hat dafür gesorgt, dass die Palette vergrößert wurde. „Vieles, was ein kleiner Dorfkrämer hat, gibt es jetzt auch.“ Die Kunden scannen ihre Produkte ein. Sie bezahlen bar und auf Vertrauensbasis.

Ein weiterer Verkaufsstandort in Unterreit geplant

Von der Pandemie lassen sich die Mayers auch angesichts ihrer neuen Geschäftsidee nicht entmutigen. Sie planen einen zweiten Verkaufsstandort: Um Ostern will das Paar eine Hütte in Unterreit eröffnen. „Sofern die Lieferzeiten der Kühlgeräte und des Kassensystems eingehalten werden“, sagt Susanne Mayer.

Hotel- und Gaststättenverband appelliert für mehr Toleranz

Holger Nagl, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands im Landkreis Mühldorf, wünscht Ehepaar Mayer viel Erfolg. „Wir haben viele Gastronomen, die in solchen Zeiten kreativ werden.“ Das sei auch zu begrüßen, gleichzeitig müsse festgestellt werden, dass nicht jeder eine solch kreative Lösung realisieren könne.

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„Wir sind eine der am stärksten betroffenen Branchen“, erklärt Nagl. Für viele sei es deshalb kostentechnisch unmöglich, Ideen, wie die Schmankerlhütte umzusetzen – „auch wenn die Ideen vielleicht da sind“. Zum Teil würden sich auch die Kommunen im Genehmigungsverfahren sperren. „Gerade jetzt wenn der Frühling kommt, brauchen wir deshalb mehr Toleranz gegenüber alternativen Lösungen – etwa größere Außenflächen.“

Vereinswochen: Spenden für das Ehrenamt

Mit der Schmankerlhütte helfen die Mayers nicht nur sich selbst, sondern auch den Vereinen der Region – selbst jetzt in Pandemie-Zeiten. Im vergangenen Jahr hatte Peter Mayer 16 Vereinen Spenden zugesagt: zehn Prozent des Umsatzes aus dem Verkauf der Schmankerlhütte. „Einige Vereine wollten das Geld in der aktuellen Krise gar nicht annehmen“, berichtet Mayer: „Aber was ich versprochen habe, das halte ich.“ Über 5000 Euro an Spenden seien 2020 zusammengekommen. Auch im laufenden Jahr veranstalten die Mayers wieder ihre Vereinswochen: Von Anfang Januar bis Ende April geben sie zehn Prozent ihres Umsatzes ab. Jede Kalenderwoche ist ein anderer von zwölf Vereinen dran – Sportvereine, Blaskapellen, Feuerwehren.

In der ersten Märzwoche wurden etwa die Einradfahrer des TSV Gars berücksichtigt. Trainerin Heike Höhne betont, dass die Spenden allen Einradfahrern des Vereins zugutekommen sollen. Wahrscheinlich werde das Geld für die Weihnachtskür genutzt, an der alle Einradfahrer mitwirken. Kostüme sind zu kaufen, Kulissen zu bauen sowie Technik für Beleuchtung, Bild- und Audiowiedergabe zu leihen.

Und eine Woche darauf bekam die Feuerwehr Ramsau ein Zehntel des Umsatzes. Georg Haslberger, Vorstandsvorsitzender, sagt: „ Der Erlös aus der Vereinswoche kommt der Jugend zugute.“ Denn hier würden die Einnahmen der Feste aus dem vergangenen Jahr fehlen.

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