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Die Angst bleibt am Beckenrand

„Vielen ist es peinlich“: Wie Erwachsene in Wasserburg und Rosenheim schwimmen lernen

Laut DLRG können viele Erwachsene schlecht oder gar nicht schwimmen. Unter anderem bietet die Vhs Wasserburg Kurse an.
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Laut DLRG können viele Erwachsene schlecht oder gar nicht schwimmen. Unter anderem bietet die Vhs Wasserburg Kurse an.
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  • Petra Maier
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  • Sophia Huber
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  • Anja Leitner
    Anja Leitner

50 Prozent der Erwachsenen können laut DLRG nicht richtig schwimmen. In Wasserburg gibt es Kurse für erwachsene Nicht-Schwimmer, die Schwimmsportschule Rosenheim richtet ihr Angebot an Erwachsene, die ihre Fähigkeiten verbessern wollen. Die Trainerinnen erzählen über besondere Herausforderungen und die Motivation der Teilnehmer.

Wasserburg - Jedes Jahr lernen in den Wintermonaten hunderte Grundschüler schwimmen. Auch in Wasserburg sind die Becken im Badria und in Reitmehring voll, aber nicht nur mit plantschenden Kindern - sondern auch mit Erwachsenen, die nicht schwimmen können. Den Kurs bietet Schwimmlehrerin Svenja Pleyer in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule (Vhs) Wasserburg das erste Mal an.

Bisher waren es hauptsächlich Kinder, die sie unterrichtet hat. Sie ist selbst bei der Wasserwacht, weiß also, wie wichtig es ist, richtig schwimmen zu können. Ihr Kurs ist gut besucht. Acht Plätze für erwachsene Nicht-Schwimmer würde sie anbieten, fünf Teilnehmer habe sie derzeit. Alle seien hochmotiviert, erzählt Pleyer.

Ansporn für Teilnehmer sehr unterschiedlich

Dabei sei der Ansporn ganz unterschiedlich. „Zwei Teilnehmer sind Geflüchtete“, sagt sie. In ihrem Heimatland sei Schwimmen schlicht kein Bestandteil der Kultur. Nun in Deutschland würden sie von ihren Flüchtlingshelfern dazu ermutigt, den Unterricht zu besuchen. Eine andere Teilnehmerin würde wegen ihrer Kinder schwimmen üben. „Die Töchter lernen es gerade selbst und sie möchte mit ihnen an den See gehen können“, so Pleyer. „Die Teilnehmer sollen keine Leitungssportler werden“, sagt sie. „Mir ist es wichtig, dass sie, wenn sie ins Wasser fallen oder wenn sie zu weit reingehen, auch sicher wieder herauskommen“, erklärt die Trainerin. Doch ein Schwimmkurs für Erwachsene bietet auch Herausforderungen. „Die Angst ist viel größer als bei den Kindern“, erklärt Pleyer. Für die Wassereingewöhnung müsse sie deshalb mehr Zeit aufwenden. „Für manche Teilnehmer ist es schon eine Herausforderung, den Kopf unter Wasser zu halten“, berichtet Pleyer.

Wie wichtig Schwimmkurse für Erwachsene sind, zeigen auch Aussagen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und der Wasserwacht. 50 Prozent der Erwachsenen in Deutschland können laut DLRG „nicht ausreichend schwimmen“. Das heißt, sie können die Ansprüche des bronzenen Abzeichens - früher auch Freischwimmer genannt - nicht erfüllen. 400 Meter schwimmen, zwei Meter tief tauchen ist für sie eine Herausforderung.

Das weiß auch Sabine Petrini-Monteferri, Trainerin in der Schwimmsportschule Rosenheim. Ihre Kursteilnehmer könnten zwar alle schwimmen, doch viele nur mehr schlecht als recht. „Ich habe Leute, die unsicher sind, ob sie an den gegenüberliegenden Beckenrand kommen, manche wollen ihren Schwimmstil verbessern, andere wollen schneller werden. Es ist ein breites Feld“, berichtet sie. Dabei seien im Wasser viele Dinge zu beachten: Wasserlage, Körperspannung, Verbesserung der Beinbewegung und des Armzugs. Die Nachfrage nach Kursen sei groß, gerade nach Corona. „Viele sind seit Jahren nicht geschwommen“, erklärt Petrini-Monteferri.

Sabine Petrini-Monteferri, Trainerin in der Schwimmsportschule Rosenheim.

Auch Evi Winkler vom Badria gibt seit 50 Jahren Kurse. Unzählige Kinder und Erwachsene haben bei der 64-Jährigen das Schwimmen gelernt. Mit 14 Jahren hat sie als Übungsleiterin in der damaligen DDR ihre ersten Trainingseinheiten gegeben. Ihre Leidenschaft für das Element Wasser hat sie sich über all die Jahre bewahrt und gibt sie auch gern weiter.

Der Unterricht für Erwachsene sei eine besondere Herausforderung, weiß sie aus Erfahrung und setzt deshalb am liebsten auf Einzelkurse. „Oft herrscht große Angst. Einige verbinden negative Erfahrungen mit Wasser, andere denken an Berichte über Badeunfälle und vielen ist es einfach peinlich, dass sie nicht schwimmen können“, beschreibt die Trainerin. Sie gehe deshalb ganz individuell auf die einzelnen Schüler ein, um die Panik durch ruhiges Atmen und Entspannung zu durchbrechen. „Wenn sich der Erwachsene mit seinen Ohren unter die Wasseroberfläche traut, dann ist schon viel gewonnen“, erklärt Winkler. Ist das Vertrauen zum Wasser und zur Trainerin aufgebaut, dann ergibt sich der Rest fast von allein, stellt sie immer wieder fest. „Und wenn ich dann die erstaunten Augen sehe, dann weiß ich, jetzt ist das Gefühl für das Element Wasser geweckt“, schildert sie weiter.

Nachfrage enorm

Die Nachfrage nach Schwimmkursen sei auch im Badria enorm. Es gebe aber gerade für Erwachsene einfach zu wenig kompetente Schwimmlehrer, fürchtet sie. „Wir tun unser Möglichstes“, erklärt sie, aber es stünden auch noch so viele Kinder auf der Warteliste, die hätten momentan im Badria Vorrang. Unverständlich ist für die passionierte Schwimmerin, dass immer weniger Heranwachsende von ihren Eltern das Schwimmen lernen. Dabei sei es so wichtig. Nicht nur wegen der Sicherheit, sondern einfach, weil das Element Wasser so besonders sei. „Man bringt seinem Kind doch auch das Radfahren selbst bei und braucht dazu keinen speziellen Lehrer“, meint Winkler. „Wer nicht schwimmen kann, dem fehlt ein Stück Lebensqualität“, verdeutlicht sie.

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