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Viel mehr als eine Anlaufstelle

„An Guadn“: Ob die Kinder und Jugendlichen, um die sich die Fundación Wiphala der Internationalen Kinder- und Jugendhilfe e.V. aus Wasserburg kümmert, diese bayerische Wendung kennen, ist nicht überliefert. Aber zu schmecken scheint‘s. re
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„An Guadn“: Ob die Kinder und Jugendlichen, um die sich die Fundación Wiphala der Internationalen Kinder- und Jugendhilfe e.V. aus Wasserburg kümmert, diese bayerische Wendung kennen, ist nicht überliefert. Aber zu schmecken scheint‘s. re

Seit Anfang des Jahrtausends ist die Internationale Kinder- und Jugendhilfe Wasserburg in Bolivien aktiv. Wasserburg.

Das „Projekt Wiphala“ ist mittlerweile ein Großprojekt und eine Stiftung. Monika Stöckl, die Vorsitzende der „Fundación Wiphala“, berichtet, dass sich der bolivianische Arbeitsmarkt verändert, was auch Wiphala betrifft: „Viele unserer Jugendlichen arbeiten in zweifelhaften und möglicherweise ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen.“

– In der Tagesanlaufstelle „Casa Wiphala“ werden mehr als 70 arbeitende Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene betreut, bekommen ausgewogene Ernährung und medizinische Versorgung, es gibt Hausaufgabenbetreuung, Workshops, Freizeitangebote, Lebensorientierung und Suchtprävention.

Die Mitarbeiter gehen wöchentlich auf die Straße und suchen die Kinder und Jugendlichen dort auf, wo sie arbeiten. „Straßenarbeit dient uns auch dazu, das Projektangebot unter denjenigen bekannt zu machen, die uns noch nicht kennen“, so Monika Stöckl.

Sicheres Zuhause für Kinder und Jugendliche 34 junge Menschen lernen in den projekteigenen Werkstätten (Bäckerei, Schneiderei, Metallwerkstätte) sowie in externen Kursen. Betreutes Wohnen bietet maximal zwölf Kindern und Jugendlichen, die aus Gründen der Kindeswohlgefährdung nicht in ihrer Ursprungsfamilie wohnen können, ein neues und sicheres Zuhause. Eine Sozialpädagogin, eine Psychologin und eine Sozialarbeiterin betreuen im Wechsel die Mädchen und Jungen.

Der Jahreshaushalt aller Wiphala-Projekte lag 2015 bei über 80 000 Euro. Sinnvoll angelegtes Geld, denn irgendwas wird immer gebraucht: Manuel etwa bekam zwei Hörgeräte, neue Mitarbeiter müssen eingearbeitet werden, die verschiedenen Altersgruppen machen Ausflüge und Workshops, feiern auch mal ein Fest.

Üblicherweise alkoholfrei, denn Mitarbeiterin Janneth leistet intensive Präventionsarbeit zu Alkohol – die zu ihrer Freude Früchte zeigt: Es kam zu keinen Zwischenfällen mit betrunkenen Projektteilnehmern mehr. Und: Alle Jugendlichen bestanden heuer das Schuljahr.

Viel getan hat sich beim Ausbildungsprogramm: An den fünf Modulen im Fach Bäckerei, die jeweils zwei Monate dauerten, nahmen 15 Kinder und Jugendliche erfolgreich teil. Elf Jugend liche lernten in der Schneiderei in den einzelnen Modulen wie man Sitzkissen für die Kleinkinderbetreuung, Kopfkissen, Schals und Vorhänge herstellt. Acht Teilnehmer meldeten sich für die Metallausbildung an. Es wurden unter anderem Möbel aus dem Betreuten Wohnen repariert und ein Hand puppentheater gefertigt.

Ein spezielles Ausbildungsprogramm bietet 18 jungen Erwachsenen finanzielle Unterstützung für Studiengänge an einer Universität oder Fachschule. Bedauerlicherweise schieden heuer fünf Studierende aus dem Programm aus. Drei Teilnehme r innen haben ihr Studium Jura- beziehungsweise Medizinstudium mit Diplom abgeschlossen und Arbeit in ihrem Bereich gefunden, drei weitere Teilnehmerinnen sind dabei ihre Diplomarbeit zu schreiben. Ein Architekturstudent absolvierte eine Zusatzausbildung in Grafik und Elektroinstallationen.

Betreutes Wohnen heißt in Wiphala nicht, dass dort Senioren leben, ganz im Gegenteil: Dort leben Jugendliche. Im dritten Jahr wohnten sechs Buben von 13 bis 17 Jahren im Haus. Einer von ihnen ist schon zweieinhalb Jahre dort, die anderen fast zwei Jahre. Zwei Jugendliche brauchen eine Psychotherapie, einer von ihnen ist schwer traumatisiert, hat eventuell auch Gehirnschäden durch zu viele Schläge auf den Kopf als Kind. Alle sechs Bewohner ließen sich das Jahr über in der Bäckerei ausbilden. Sie backen jetzt ihr Brot selber.

Auftragsarbeit aus Rimsting

Die Frauenstrickgruppe Utan Phitiris, eine gemeinnützige GmbH, hat mittlerweile drei Gruppen mit rund 40 Frauen zwischen 24 und 80 Jahren. Sie stellen Strick-, Häkel- und Webwaren für den Verkauf in deutschen und Südtiroler Weltläden her, produzieren für „maloja“, eine Sportbekleidungsfirma bei Rimsting, Armbändchen. Laufend finden Schulungen statt, zum Beispiel Stricken an der Maschine, verschiedene Techniken wie Intarsien-Strick, Stricken mit Lochkarte, Stricken an der doppelten Strickmaschine, Entwicklung von neuen Modellen und Designs, Kombinieren von Farben. Neben Weltläden in Deutschland verkauft Utan Phitiris inzwischen an sieben Läden in Südtirol. Und: Monika Stöckl hat Kontakt mit der Einkäuferin der elf Trentiner Weltläden aufgenommen. re

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