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„Viel zu lange herrschte ein Sparwahn“

Sonja Eckardt, Pflegedienstleiterin am Betreuungszentrum in Wasserburg: Wir hier in Wasserburg sind Gott sei Dank nicht so extrem unterbesetzt, was sicherlich auch etwas mit der Unternehmensphilosophie zu tun hat“.
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Sonja Eckardt, Pflegedienstleiterin am Betreuungszentrum in Wasserburg: Wir hier in Wasserburg sind Gott sei Dank nicht so extrem unterbesetzt, was sicherlich auch etwas mit der Unternehmensphilosophie zu tun hat“.

Wasserburg – Seit Herbst 2017 ist Sonja Eckardt Pflegedienstleiterin am Betreuungszentrum in Wasserburg mit dem Schwerpunkt Fort- und Weiterbildung.

Vormals war sie Leiterin im Bereich Pflege- und Servicemanagement im Klinikum Harlaching. Wir sprachen mit ihr über die aktuellen Herausforderungen in der Pflege.

Wieviele Bewohner gibt es hier im Betreuungszentrum?

Im Moment sind es 170 Bewohner, das ist eine ganze Menge. Etwa 90 Pflegekräfte kümmern sich um sie. Wir haben eine hohe Nachfrage nach Plätzen.

Gibt es in Wasserburg einen Pflegenotstand?

Ja, sicherlich aber nicht so extrem wie beispielsweise in München. Er zeigt sich darin, dass es lange dauert, bis eine frei gewordene Stelle nachbesetzt werden kann. Wir müssen nach Schaltung einer Stellenanzeige zum Teil mehr als 200 Tage warten. Das ist extrem lang.

Das heißt, dass die Fachkräfte heiß begehrt sind.

So ist es. Wir hier in Wasserburg sind Gott sei Dank nicht so extrem unterbesetzt, was sicherlich auch etwas mit der Unternehmensphilosophie zu tun hat.

Und wie sieht die aus?

Das Gesamtpaket stimmt hier. Ein gutes Gehalt ist zwar wichtig, aber wenn man nicht gern zur Arbeit geht, wenn man sich quälen muss oder einen blöden Chef hat oder eine schlechte Kommunikationskultur, dann nützt das ganze Geld nichts. Der Pfleger, die Pflegerin muss sich wohlfühlen, um gute Arbeitsergebnisse abzuliefern. Dieses Haus ist gut aufgestellt, ich habe es als extrem mitarbeiterorientiert wahrgenommen.

Der Personalbestand bleibt also einigermaßen stabil?

Wir haben jedenfalls nicht diese wahnsinnige Fluktuation wie in anderen Häusern. Aber auch bei uns werden Kolleginnen schwanger oder ziehen weg, und in den nächsten Jahren werden viele in den wohlverdienten Ruhestand gehen.

Die Pflegekräfte kommen aus den unterschiedlichsten Ländern – richtig?

Ja. 20 Nationalitäten sind hier im Haus vertreten – mit den unterschiedlichsten Sprachen, Kulturen und Werten. Der Ausländeranteil in der Pflege beträgt gut 45 Prozent. Die meisten kommen aus dem osteuropäischen Bereich, aus Polen, Kroatien und aus der Slowakei. Wir haben jetzt aber auch Kollegen aus Afrika, von den Philippinen und aus Kasachstan. Eine bunte Mischung. Für sie ein einheitliches Weiterbildungskonzept zu entwerfen, ist eine große Herausforderung.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat ein Programm aufgelegt, das 13 000 zusätzliche Kräfte in der Pflege vorsieht. Kommt das auch Ihnen zugute?

Theoretisch ja. Die Finanzierung ist zwar sichergestellt, aber die geeigneten Bewerber gibt es nicht. Das Programm kommt viel zu spät. Viel zu lang hat ein Sparwahn geherrscht.

Worunter auch die Angehörigen leiden.

Sie kriegen das System ganz geballt mit. Viele, mit denen ich spreche, sind sehr verzweifelt. Es übersteigt auch ihre finanziellen Möglichkeiten. Rund 70 Prozent unserer Bewohner hier erhalten staatliche Unterstützung.

In Deutschland gibt es 1,7 Millionen Demenzkranke. Was tut man für sie?

Wir brauchen im Betreuungsbereich deutlich mehr Personal, weil die Menschen länger leben. Wegen der zunehmenden Zahl von Demenzkranken wird der Bedarf an qualifizierten Kräften signifikant steigen.

Was sind Ihre Forderungen an die Politik?

Es darf einfach nicht passieren, dass die Politik sich für eine Senkung der Qualität bei der Ausbildung entscheidet, weil sie die Quantität nicht in den Griff bekommt.

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