Vhs Wasserburg startet ohne Kurspreiserhöhung und mit viel Engagement

Vhs-Leiterin Agnes Matrai wirbt für ihr neues Programm: „Hinter jedem Kurs stehen eine pädagogische Planung, eine gute Dozentin oder guter Dozent und ein engagiertes Team. Die Breite unseres Programms ist gerade das, was die Vvhs ausmacht. Es gibt viel Altes und viel Neues.“
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Vhs-Leiterin Agnes Matrai wirbt für ihr neues Programm: „Hinter jedem Kurs stehen eine pädagogische Planung, eine gute Dozentin oder guter Dozent und ein engagiertes Team. Die Breite unseres Programms ist gerade das, was die Vvhs ausmacht. Es gibt viel Altes und viel Neues.“
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Nach einem nahezu ausgefallenen Sommersemester start die Volkshochschule Wasserburg das neue Programm. Corona prägt es – nicht nur konzeptionell, sondern auch inhaltlich.

Wasserburg – Corona hat die Volkshochschule (Vhs) Wasserburg weiter fest im Griff. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen. Das neue Programm ist fertig, die Anmeldungen hat begonnen. Wie sich die Vhs auf ein Wintersemester unter Hygieneregeln einstellt und warum Bildung jetzt besonders wichtig ist, erläutert Vhs-Leiterin Agnes Matrai im Interview.

Das zurückliegende Vhs-Semester war durch den Lockdown und die Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in ein weiteres sicherlich ebefalls herausforderndes Semester?

Agnes Matrai: Wir haben selbstverständlich ein Hygiene-Konzept entwickelt, das wir fortlaufend aktualisieren. Wir haben unsere beiden Häuser, Salzburger Straße 19 und Kaspar-Aiblinger-Platz 7 Erdgeschoss, den aktuellen Auflagen entsprechend eingerichtet: 1,5-Meter-Abstände hergestellt, zusätzliche Desinfektionsmittel- und Seifenspende angebracht, zahlreiche Aushänge angefertigt. Wir haben außerdem eine komplette neue Nutzungseinteilung entwickeln müssen, Bewegungskurse zum Beispiel finden ab September im Kaspar-Aiblinger-Platz 7 statt und Vorträge überwiegend im Kulturraum in der Salzburgerstraße, wo wir derzeit 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Sicherheitsabstand empfangen können. Es bleibt trotzdem abzuwarten, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unser neues Programm aufnehmen. Werden sie kommen, weil sie ihren Kurs vermissen, die Gemeinschaft, den Dozenten oder die Dozentin und das gemeinsame Lernen? Oder bleiben sie fern und verzichten aus Angst vor einer Ansteckung auf das soziale Miteinander und auf unsere Kurse? Ich hoffe natürlich auf Ersteres.

Bereitet die Erfüllung der Hygieneauflagen große Schwierigkeiten? Wie wirken sie sich auf die Programmgestaltung für das neue Semester aus?

Matrai: Die schwierigste Einschränkung ist, dass wir in unseren Räumen die maximale Teilnehmerzahl pro Kurs/Vortrag deutlich heruntersetzen mussten. Unsere räumliche Situation war bis Corona auch schon angespannt, mit der Pandemie ist es alles noch schlimmer geworden. Wir werden im kommenden Semester praktisch nur in Kleingruppengröße arbeiten. Es kann dadurch passieren, dass nicht alle einen Platz bekommen. In solchen Fällen nehmen wir diese Interessenten auf die Warteliste und versuchen einen größeren Kursraum durch interne Umorganisation zu finden oder einen zusätzlichen Kurs aufzulegen.

Aufgrund der Abstandsregeln benötigen Sie mehr Platz. Haben Sie zusätzliche Räumlichkeiten gefunden?

Matrai: Das ist sehr schwierig, obwohl wir mit den Schulleiterinnen und Schulleitern in Wasserburg sehr gute Beziehungen pflegen. Die letzte Entscheidung über die Drittnutzung hat immer der Sachaufwandsträger. In den Einrichtungen, bei denen die Stadt die Trägerschaft hat, funktioniert die Zusammenarbeit gut. In der Mittelschule haben wir mit einer Gruppe schon im Juni den Unterricht aufnehmen können. Mit den Landratsamtschulen sind wir in ständigem Kontakt, sowohl mit den Schulleitern als auch mit dem Schulamt. Das Schulamt hat unser Hygiene-Konzept für gut befunden, die Schulen selber, in Wasserburg die Berufsschule und die Schule im Englischen Institut, sind aufgeschlossen, sodass ich guter Hoffnung bin, dass alle Kurse anlaufen können, aber es ist noch nicht mit 100-prozentiger Sicherheit geklärt.

Große Probleme haben wir im Schwimm- und Aquabereich. Manche Kurse können wir in der Grundschule in Reithmehring durchführen, die Kurse im Badria wurden aber bis auf Weiteres nicht erlaubt. Kurs und Traing haben eine sehr große gesellschaftliche Relevanz, die Anfragen sind da, die Kursleiter stehen bereit. Ob wir die Kurse ab Oktober im Badria starten können, ist ungewiss.

Wir haben außerdem große Raumprobleme in unseren Außenstellen. In manchen Mitgliedsgemeinden bekommen wir die Räume in den Schulen und Kindergärten, in anderen Gemeinden nicht. Generell wäre es unser Wunsch, dass die Raumbedarfe der Erwachsenenbildung nicht wie jeder andere Drittnutzungsantrag betrachtet werden. Die Volkshochschulen erfüllen eine kommunale Pflichtaufgabe, indem sie ein Bildungsangebot für Erwachsene erstellen.

Wie ist die Stimmung bei den Kursleitern?

Matrai: Die überwiegende Mehrheit hält durch und geht mit uns durch diese Krise. Viele haben Fortbildungen absolviert, um ihre Kursangebote online durchführen zu können, die meisten hielten und halten mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Kontakt und arbeiten mit daran, dass wir das kommende Semester erfolgreich starten können. An dieser Stelle möchte ich mich bei unseren Dozentinnen und Dozenten und auch bei den Mitarbeiterinnen bedanken, dass in Zeiten der Schließung und des Neustarts alle kräftig mitgewirkt haben, damit es mit der Volkshochschule Wasserburg weitergeht.

Kann die Vhs die Pandemie und ihre Auswirkungen finanziell stemmen?

Matrai: Das Frühjahressemester wurde praktisch abgesagt, wir haben die Kursgebühren rückerstattet. Viele Teilnehmer haben die Beträge als Spende stehengelassen. Das hat uns sehr überrascht und wirklich berührt, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer so vorgegangen sind. Als staatliche Hilfe haben wir im April die Soforthilfe in Anspruch genommen, außerdem bekommen wir Unterstützung vom Rettungsschirm, der für die bayerische Erwachsenenbildung eingerichtet wurde. Dieser Rettungsschirm ermöglicht uns, unsere Dozentinnen und Dozenten finanziell zu unterstützen, die ihren Lebensunterhalt aus der Unterrichtstätigkeit als freiberufliche Dozentin oder freiberuflicher Dozent bestreiten. Außerdem hat uns die Stadt drei Monate Mietstundung im Kaspar-Aiblinger-Platz gewährt. Alles in allem sind wir finanziell stabil. Wir haben beschlossen, dass wir keine generelle Kurspreiserhöhung im kommenden Semester durchführen, obwohl wir weniger Teilnehmende in den Kursen haben werden. Wir sind der Meinung, dass das falsche Signal auf dem Weg zur (neuen) Normalität wäre. Ob diese Strategie mittelfristig durchzuhalten ist, wird das Semester zeigen.

Welches Schwerpunktthema gibt es im neuen Wintersemester?

Matrai: Das Schwerpunkt-Thema ist „Deutschland entdecken“. Es stand übrigens schon vor Corona fest – wegen des 30-jährigen Jubiläums der Wiedervereinigung. Die Programmentwicklung hat wegen Corona eine andere Ausrichtung bekommen. In der Auftaktveranstaltung beschäftigen wir uns zum Beispiel mit den ethischen Verteilungsfragen eines potenziellen Corona-Impfstoffes.

Das ist neu im Herbst- und Winterprogramm der Vhs Wasserburg

Laut Vhs-Leiterin Agnes Matrai ist das Vortragskarten-Programm erweitert worden. Statt 20 sind jetzt 40 Vorträge enthalten. Der Preis bleibt bei 18 Euro pro Karte. Nur bittet die Vhs um eine Anmeldung vorab. Das Fremdsprachenangebot bleibt weiterhin breit gefächert, man kann 18 Fremdsprachen lernen. Ab kommenden Semester werde die Volkshochschule Wasserburg in Kooperation mit der Vhs Augsburg Cambridge-Sprachprüfungen in Englisch abnehmen. Im Bereich Beruf und EDV zeige die Corona-Krise gerade am markantesten, dass im Thema Digitalisierung noch große Lernbedarfe bestehen würden, deswegen sei das Angebot hier ebenfalls erweitert worden, so Matrai.

Die Bewegungskurse erfreuen sich nach ihrer Erfahrung einer sehr großen Nachfrage, die Vhs hoffe, hier alle Bedarfe befriedigen zu können. „In den gesundheitsbezogenen Vorträgen und Workshops möchten wir Inhalte und Kenntnisse vermitteln, damit die Teilnehmer gestärkt und gesund durch die zweite, wohl wahrscheinlich noch immer von Corona dominierte Jahreshälfte kommen“, so Matrei.

Online-Angebote für Schüler und Eltern

Im Programmbereich Grundbildung und Schulabschlüsse habe die Vhs schnell Online-Angebote gestartet, um Schüler und ihre Eltern zu unterstützen. Die Angebote hier werden sowohl in Präsenz- als auch in Online-Nachhilfe ausgebaut.

Im Bereich Kunst und Kultur gibt es neue Kunsthandwerkkurse, wie Puppen-Bauen, Gipsen oder Glasfusing, aber auch viel Neues im Musikbereich wie Jodeln oder Ukulele. Der Literatur-Club beschäftigt sich mit „Europa als geistigem Raum“, die Vhs biete eine Lesungsreihe mit dem Theater Wasserburg an: Schauspieler des Theaters lesen aus verbrannten Büchern an vier Abenden. Diese beiden letztgenannten Projekte werden vom Staatsministerium für Unterricht und Kultus gefördert und sind kostenlos.

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