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KLAVIERSOMMER

Verwegene Tonartwechsel, rasante Tempi

Mao Fujita war Publikumsliebling bei „Amadeus meets Domenico“ beim Klaviersommer.  Kirchgraber
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Mao Fujita war Publikumsliebling bei „Amadeus meets Domenico“ beim Klaviersommer. Kirchgraber

Jeden Abend strömt das Publikum zum Wasserburger Klaviersommer in den Festsaal in Gabersee, und auch mancher Radfahrer findet sich ein – mancher erst nach der Pause. Doch das macht nichts, die Konzerte erweisen so ihre Magnetwirkung.

Wasserburg – Auch Wolfgang Amadeus Mozart war als Reisender in Wasserburg und hat sich hier, wie er in einem Brief mitteilt, „wie ein Prinz“ gefühlt. Und um Mozart ging es beim sechsten Konzertabend, beziehungsweise um eine musikalische Begegnung mit Scarlatti. „Amadeus meets Domenico“ hieß denn auch das Programm, das Klaus Kaufmann an diesem Abend präsentierte – als Spitze eines ganzen Projektes.

Klaus Kaufmann hat eine Seelenverwandtschaft zwischen Mozart und Scarlatti entdeckt. So hatten beide einen Komponisten zum Vater – wobei Alessandro Scarlatti als Erneuerer der neapolitanischen Oper weitaus bedeutender war als Leopold Mozart. Die zweite Gemeinsamkeit: Wolfgang Amadeus und Domenico Scarlatti waren die größten Klavierspieler ihrer Zeit. Persönlich begegnet sind sich die beiden nie, denn Mozart war ein Jahr alt als Scarlatti starb.

Über Mozart weiß man sehr viel: das Klavier hat durch seine 27 Klavierkonzerte einen besonderen Stellenwert in seinem Schaffen, zu dem auch 18 Klaviersonaten gehören. Alle diese Sonaten kommen nun als Produktion des Wasserburger Klaviersommers als CD-Box heraus, gespielt von den Interpreten der Abendkonzerte.

Eine Kostprobe von acht Werken gab es am Konzertabend zu hören. Klaus Kaufmann hat vor jede Mozart- Sonate ein Werk Scarlattis vorangestellt, jeweils in der selben Tonart. Das macht ein Vergleichen einfacher und vor allem ein Hineinhören in die rasante musikalische Entwicklung.

Wenn Mozart 18 Sonaten verfasst hat, dann sind das 555 bei Scarlatti. Im selben Jahr geboren wie seine Kollegen Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel, war er der Eigenbrötler, der sich nicht groß um Polyphonie kümmerte. Er ging seinen eigenen Weg, hat Modetänze der Zeit, wie etwa das Menuett eingebaut, äußerst rhythmisch – und somit tanzbar – komponiert und schon mal verwegene Tonartwechsel vollzogen. Vor allem hat er die Spieltechnik revolutioniert und eine bis dato nie gehörte Klangfülle produziert. Ständiges Überkreuzen der Hände und Arpeggios, die alle Tasten in rasantem Tempo durchlaufen, waren sein Markenzeichen.

Wie gut Scarlatti und Mozart zu einander passen, konnte man gleich beim Auftakt mit der Sonate in B-Dur KV 281 feststellen, die Clara Siegle präsentierte. Geht es doch um Triller und absteigende Tonfolgen hier wie dort, wobei Mozart weitaus reichhaltiger klang, viele schnelle Läufe einbaute. In der folgenden F-Dur Sonate KV 533 holte dann Scarlatti sozusagen Mozart ein mit sehr schnellen virtuosen Läufen, wobei Mozart seine Themen mit mehr Variationen vorbrachte, mit den selben Mitteln, aber raffinierter und mit mehr Dramatik. Der elegische 2. Satz, in dem hohe Töne herabperlen, modulierte auch ins Moll und ließ das Thema wie eine Erinnerung heraufwehen, ehe er wieder ins heitere Dur wechselte. Besonderer Applaus für die Pianistin Dasom Woo, die zudem an diesem Konzertabend Geburtstag hatte und von Klaus Kaufmann – wie es sich für ihr Sternzeichen gehört – einen Plüschlöwen überreicht bekam.

Nach der Pause stellte sich dann Mao Fujita mit Mozarts C-Dur Sonate KV 309 vor. Der aus Tokyo kommende Künstler hat bereits mit großen Orchestern konzertiert und konnte zur technischen Brillanz seiner Mitspieler noch ein Mehr an Musikalität präsentieren. Die Musik strömte förmlich durch ihn hindurch. Alles blieb immer im Fluss, ohne den geringsten Stopp. Selbst von laut zu leise zog er übergangslos ganz große Bögen. Bei ihm hörte man förmlich den Unterschied zwischen lautem und energischem Zugriff. Dass er mitsang, wie einst Bruno Leonardo Gelber, machte ihn zusätzlich sympathisch: da stellt sich jemand ganz in den Dienst der Musik.

Am Ende gab es dann noch ein kleines Lehrstück über Variationen, vorgetragen von Lei Meng. In der Sonate in D-Dur KV 284 findet sich der längste Satz des Abends, bei dem über 20 Minuten hinweg ein Thema nach allen Regeln der Kunst bearbeitet wird. Ob Triller, Verzierungen, Geschwindigkeitsrausch oder zarter, heftiger, strahlender, lauter oder leiser Zugriff – da war alles drin. Bis am Ende dann das Thema wie ein Phönix aus der Asche wieder entsteht. Begeisterter Beifall für den ganzen Abend.

Wer sich erinnern oder überhaupt einmal reinhören will: die CD mit allen 18 Sonaten kann per E-Mail bestellen unter klaviersommer@web.de.

Der Klaviersommer endete gestern mit dem „Klaviermarathon“ aller Beteiligten.

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