Lesen im Lockdown

Verhilft Corona dem Buch zum Höhenflug? Das sagt man in Wasserburger Buchhandlungen und Büchereien

Seit Corona stapeln sich in vielen Häusern wieder Bücher, viele sind der Meinung, dies sei der Pandemie zu verdanken, doch die Wasserburger Buchhandlungen sind überzeugt: „Das Buch war nie out.“
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Seit Corona stapeln sich in vielen Häusern wieder Bücher, viele sind der Meinung, dies sei der Pandemie zu verdanken, doch die Wasserburger Buchhandlungen sind überzeugt: „Das Buch war nie out.“
  • Sophia Huber
    vonSophia Huber
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Haben aufgrund der Corona-Pandemie die Menschen mehr Zeit zum lesen? In den Buchhandlungen in und um Wasserburg ist man sich nicht so sicher, ob Corona wirklich etwas verändert hat. „Das Buch war nie out“, heißt es. Trotzdem sind in der Wasserburger Bücherei die Ausleihzahlen zurückgegangen.

Wasserburg/Haag – Von Reisen in andere Länder wird derzeit abgeraten. Viel zu gefährlich, zu wenig Infektionsschutz und zu viel Kontakt zu anderen Personen. „Bleiben Sie zuhause!“, heißt die Devise. Aber nichts hindert uns daran in der Fantasie zu reisen, Ausflüge zu machen, Neues zu lernen und Altes wieder zu entdecken. Lesend können wir weiterhin die Welt erkunden und das völlig ohne Gefahr.

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Das Buch ist so beliebt wie nie, davon sind viele überzeugt. Trotz Corona. Oder vielleicht sogar dank Corona?

„Das Buch war niemals unbeliebt“

Michael Lehmann, Inhaber der Wasserburger Bücherstube, sieht das anders. „Das Buch war nie out“, erklärt er entschieden. Corona habe nichts am Status des Buches geändert. „Dass Bücher jemals unbeliebt waren, ist ein Mythos.“ Er jedenfalls habe auch in Corona-Zeiten nicht mehr Bücher als sonst verkauft. „Ich habe generell genügend Kunden.“ Vor allem Kunden, die physische Bücher bevorzugen. „Es gibt zwar E-Book Leser, aber ein echtes Buch ist doch immer noch etwas anderes.“

Trotzdem auch er habe festgestellt, dass zu Corona-Zeiten andere Bücher beliebt seien, als sonst. „Die Leute kaufen eher etwas, das entspannt.“ Viele seien auf der Suche nach Bücher, mit denen sie den Corona-Zahlen und Statistiken entkommen könnten. Das Buch der Stunde sei seiner Meinung nach aus diesem Grunde „Aus dem Leben eines Taugenichts“ von Joseph von Eichendorff. „Die Geschichte hat einfach etwas an sich“, sagt er. Insbesondere jetzt könne man viel neues in dem Klassiker entdecken und: „Man kann den Nachrichten sehr gut entfliehen“.

Das Kaufverhalten hat sich verändert.

Die Buchhandlung Libretto in Haag stellt ebenfalls keinen sonderlich erhöhten Absatz fest, aber auch hier habe sich das Kaufverhalten der Kunden verändert. „Interessanterweise verkaufen wir viele Bücher über gesunde Ernährung“, erklärt die Angestellte Sandra Raupach. Auch Kochbücher seien dabei. „Während der Urlaubszeit hatten wir ein Schaufester mit Kochbücher aus der internationalen Küche.“ Der Gedanke dahinter: „Wenn die Leute schon nicht wegfahren können, können sie sich wenigstens das Essen nach Hause holen.“ In der ersten Phase des Lockdowns seien haben sich vor allem Beschäftigungsbücher für Kinder gut verkauft. „Zum Beispiel Rätselbücher“. In Sachen Beliebtheit des Buches stimmt Raupach der Wasserburger Bücherstube zu. „Wir hatten nie weniger Kunden. Das Buch ist immer noch beliebt.“

„Neuleser gewinnen wir nicht. Zumindest nicht in Massen“

Hildegard Wimmer, Inhaberin der Buchhandlung Fabula in Wasserburg beantwortet die Frage, ob Bücher in Corona-Zeiten beliebter sind mit ja und nein. „Ich habe den Eindruck, dass Menschen, die dem Lesen zuvor schon nahe waren jetzt mehr lesen. Aber wir gewinnen keine Neuleser. Zumindest nicht in Massen.“

Das Genre, das ihrer Meinung nach im Moment besonders beliebt ist, sei das Sachbuch. „Die Leute kaufen viele Bücher über sachliche Themen, zum Beispiel Corona, aber auch Politik. Sie wollen einfach Bescheid wissen.“

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Kochbücher habe sie auch mehr verkauft. „Vor allem Bücher mit ausgefallenen Rezepten und Rezepten aus aller Welt.“ Aber auch Wanderbücher, vor allem über Wanderziele in der Region, seien in den letzten Monaten beliebter gewesen, als sonst.

Auch Kinderbücher seine populär gewesen„Bücher für Erstleser haben wir sehr viele verkauft.“ Als Gründe hierfür könne sie sich zweierlei vorstellen. „Einerseits zur Beschäftigung, andererseits könnte es sein, dass die Eltern durch das Homeschooling Lesedefizite bei ihren Kindern eher feststellen konnten.“

Buchhandlungen erfahren Zuspruch

Wimmer hat aber nicht nur den Eindruck, dass Bücher bei manchen Leuten beliebter sind, auch die Buchhandlung selbst erfahre wieder mehr Zuspruch. „Viele Menschen genießen das Schmökern. Durch den Lockdown im März haben einige festgestellt, dass das nicht so selbstverständlich ist, wie sie angenommen haben.“ Einige Kunden kämen nun extra zu ihr und würden nicht mehr über die Internetriesen wie Amazon bestellen, um sicherzustellen, dass es auch in der Zukunft noch Buchhandlungen gibt. „Natürlich kann man online bestellen, aber das ist dann doch nicht dasselbe, wie im Laden.“

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Ausleihzahlen der Bibliothek gesunken

Während die Verkaufszahlen steigen, sind jedoch die Ausleihzahlen der Bibliothek Wasserburg gesunken. „Unser Hauptgeschäft sind die Schüler“, erklärt Leiterin Elke Fleischer, „diese dürfen aber im Moment nicht kommen.“

Bei Privatkunden habe aber auch sie die Beobachtung gemacht, dass mehr gelesen wird. „Wir haben mehr Kunden am Nachmittag, diese nehmen auch mehr mit.“ Immer öfter würde die Höchstgrenze von 20 Ausleihstücke erreicht werden. „Ich glaube, dass viele Menschen Bücher horten, aus Angst die Bibliothek muss zu machen.“

Außerdem sei das Lesen für viele eine willkommene Abwechslung zu den Nachrichten. „Bei einem guten Roman kann man alles vergessen.“

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