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Neues zum berühmten Skelett

Vergissmeinnicht: Warum der „Fletzi“ ein Grab im Wasserburger Ganserhaus bekommen hat

Der „Fletzi“ bei seiner Ausgrabung im Jahr 2013.
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Der „Fletzi“ bei seiner Ausgrabung im Jahr 2013.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Die Südtiroler haben ihren „Ötzi“, die Wasserburger ihren „Fletzi“. Doch dieses Skelett ist anders als die Mumie aus den Alpen etwas in Vergessenheit geraten. Warum eine Kunststudentin die Wasserburger ermahnt: „Vergissmeinnicht!“

Wasserburg - Er ist der älteste bekannte Wasserburger: „Fletzi“, ein für seine Zeit mit 1,80 Metern ungewöhnlich großer Mann, der vermutlich im neunten Jahrhundert in Wasserburg verstorben ist. 2013 wurde sein gut erhaltenes Skelett bei Ausgrabungen in der Nähe des Hotels Fletzinger entdeckt. Es war eine Sensation, denn die Geschichte von Wasserburg musste zwar nicht neu geschrieben, aber nach hinten verlängert werden.

Doch in den vergangenen Jahren wurde es ruhig um den „Fletzi“. Er ist für weitere Forschungen in die Anthropologische Staatssammlung in München überführt worden. Seitdem wart er nicht mehr gesehen. Viele Wasserburger bedauern dies. Sie hätten den „Fletzi“ gerne zurückgeholt nach Wasserburg und hier beispielsweise im städtischen Museum gezeigt.

Das Werk: ein symbolisches Grabbett für den „Fletzi“, installiert von Mira Schienagel.

Ein magischer Moment

Mira Schienagel, Studentin an der Akademie der Bildenden Künste München, kann dies gut nachempfinden. Sie hatte als Mitglied der Klasse von Professorin Katharina Gaenssler, die noch bis einschließlich Sonntag, 12. März, die Ausstellung „solitary/solidary“ im Ganserhaus bestreitet, so wie ihre Mitstudierenden die Aufgabe erhalten, Wasserburg als Ausstellungsort in ihr Werk einfließen zu lassen. Die 42-Jährige, die sich künstlerisch auch „digitalen Ausgrabungen“ widmet und Installationen erstellt, tauchte in die Geschichte der ihr noch unbekannten Stadt ein. Und stieß bei ihren Recherchen im Stadtarchiv auf Berichte über das 2013 bei Bauarbeiten entdeckten Skelett. „1000 Jahre hat dieser Mann quasi im Boden geschlafen, dann wurde er brutal von Baggerschaufeln aus seiner Totenruhe gerissen“, so empfindet sie es. Emotional dockte die Künstlerin sofort an am Thema der Ausgrabung. Ein Foto, das zeigt, wie der Hals des Skeletts auf dem Tuffstein gebettet ist, so als schlafe der Mann, berührte und inspirierte sie.

Sie baute den Halswirbel mit einem 3-D-Drucker nach und kreierte für den Toten eine Grabstelle. Die Münchenerin pflanzte weiße Lilien und Vergissmeinnicht hinzu. Ein scheinbar achtlos zurückgelassener Gartenhandschuh und gebrauchte Blumentöpfe symbolisieren die Grabpflege. „Als ich fertig war, gab es diesen einen magischen Moment“, erzählt Mira Schienagel, „als war, als lege sich jemand hinein. Fletzis Bett war fertig.“ Symbolisch gab die Künstlerin dem vor über 1200 Jahren Verstorbenen die Totenruhe zurück.

Viele Besucher der Ausstellung sind begeistert. Die Installation in einer offenen schmalen Kammer des Ganserhauses ist für viele der Höhepunkt der Präsentation der Akademieklasse. Das beweisen auch die Kommentare, die die Besucher schriftlich hinterlassen. Viele stehen andächtig an der Installation, wie zum Gebet, stellt auch Katrin Meindl, Vorsitzende der Künstlergemeinschaft AK 68 als Gastgeberin der Ausstellung fest. Mira Schienagel sieht ein emotionales Bedürfnis, dem ältesten bekannten Wasserburger eine Erinnerungsfläche zu widmen. Wie wichtig dies ist, hat sie auch in einem Gespräch mit Ivo Frankenreiter von der Katholisch-Theologischen Fakultät der LMU erfahren: Das Skelett, so habe ihr der Experte erklärt, symbolisiere das Bedürfnis nach Identifikation - der Tote schlage emotional einen Bogen in die Vergangenheit.

Freuen sich über den Erfolg der Ausstellung im Ganserhaus: Professorin Katharina Gaenssler, Künstlerin Mira Schienagel und Gastgeberin Katrin Meindl, AK-68-Vorsitzende (von links).

Das symbolische Grab mit dem gebetteten Halswirbel wird am Montag jedoch Wasserburg wieder verlassen. Die Blumen sind verwelkt, doch es gibt noch bis einschließlich Sonntag die Chance, dem „Fletzi“ die Ehre zu erweisen. Die Akademieklasse mit 16 Ausstellern und der AK 68 laden außerdem am Samstag, 11. März, ab 16 Uhr zu Künstlersprechstunden ins Ganserhaus ein. Mira Schienagel und ihre Kolleginnen sowie Kollegen erklären ihre Arbeitsweise, die Werke und laden ein zu Diskussionen. Außerdem gibt es eine Katalogpräsentation: Alle Materialien zur Ausstellung mit dem Titel „solitary/Solidary“, Besucherkommentare, Fotos und Aufkleber werden in Bänden zusammengefasst. 60 Stück gibt es laut Meindl zu kaufen. Alle Kunstwerke, die noch bis Sonntag zu sehen sind, haben einen Bezug zum Ausstellungsort, dem Ganserhaus, und zur Ausstellungsstadt Wasserburg - eine Ausstellung, die quasi von außen einen künstlerischen Blick auf die Innstadt wirft.

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