Verena Eder vom Gymnasium Wasserburg (9c) über Monotonie und Selbstdisziplin in der Corona-Zwangspause

Verena Eder, Klasse 9c am Luitpold-Gymnasium Wasserburg, hat gelernt, auch daheim zu lernen – doch die SChule kann das Homeschooling nicht ersetzen, findet sie. privat

Lernen daheim klappt lange nicht so gut wie in der Schule. Verena Eder, Klasse 9c am Luitpold-Gymnasium Wasserburg, hat uns einen Bericht über ihre Zeit während des Corona-Schulausfalls geschrieben. „Wäre ich dazu aufgerufen, meine letzten drei Wochen mit einem Zitat zu beschreiben, so würde ich folgendes wählen: ,Eat, sleep, study, repeat‘.

Wasserburg – Homeoffice und Homeschooling: Das sind Wörter, die vor der Corona-Krise kaum Beachtung fanden. Nicht nur Berufstätige haben in den vergangenen Wochen der Ausgangsbeschränkungen und Kontaktsperren festgestellt, dass Arbeiten am Küchentisch ohne direkte Kommunikation mit Kollegen auch seine Schattenseiten hat. Auch Schüler haben bemerkt: Lernen daheim klappt lange nicht so gut wie in der Schule. Verena Eder, Klasse 9c am Luitpold-Gymnasium Wasserburg, hat uns einen Bericht über ihre Zeit während des Corona-Schulausfalls geschrieben.

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„Wäre ich dazu aufgerufen, meine letzten drei Wochen mit einem Zitat zu beschreiben, so würde ich folgendes wählen: „eat, sleep, study, repeat“, da es meiner Meinung nach die Monotonie der vergangenen Tage hervorragend zusammenfasst. Obwohl es daher eigentlich einfach sein müsste zu erläutern, was man in dieser Zeit empfand, ist es das ganz und gar nicht.

Als die Schließung aller bayerischen Schulen am Freitag, 13. März, bekannt gegeben wurde, wusste ich zunächst überhaupt nicht, was ich davon halten sollte. Eigentlich bin ich nicht abergläubisch, aber dass dies ausgerechnet an einem Freitag, den 13., beschlossen wurde, verunsicherte mich dann doch. Einerseits wurde man von der Euphorie vieler Mitschüler angesteckt, sodass ich mich freute, andererseits verblasste dieses Gefühl sofort wieder, als mir wieder bewusst wurde, was der Grund des Schulausfalls war. Ich empfand den letzten Schultag als sehr hektisch, irgendwie zerstreut und so startete ich auch in die „Coronaferien“ hinein.

Die ersten Tage empfand ich als relativ entspannt. Die Lernplattform Mebis funktionierte erstmal nicht, weshalb ich mich zurücklehnte und anfing, die Zeit daheim zu genießen.

Als dann die ersten E-Mails der Lehrer eintrafen und die Lernplattform wieder funktionierte, war ich anfangs total überfordert. Mich überforderte die gesamte neue Situation, das Lernen mit dem Laptop anstelle eines Buches, das selbstständige Einteilen der Arbeit und die Hürde, den Überblick darüber zu bewahren.

Negative Nachrichten von außen schwer auszublenden

Außerdem mangelte es mir an Konzentration. Zum einen lag das natürlich daran, dass man die Geschehnisse im unmittelbaren Umfeld, wie Kontaktsperre und sämtliche weitere Sicherheitsmaßnahmen sowie täglich neue, meist negative Nachrichten nicht einfach so ausblenden konnte: Zum anderen wurde man auch noch damit konfrontiert, dass der Lernplatz nun halt nicht mehr das Klassenzimmer mit der gewohnten Schulbank war, sondern nur noch der eigene Schreibtisch.

Die erste Woche gelang mir das Lernen daheim daher nicht. Jegliche Ablenkung war mir mehr als willkommen und ich bearbeitete viele der Aufgaben nur ungenau, eben nur damit sie erledigt waren. Nachdem ich aber nach dieser Woche realisiert hatte, dass das so keinen Sinn macht, suchte ich nach einem Weg, der für mich besser funktionierte.

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Meine Lösung lag darin, eine Routine zu erstellen. Der erste Schritt war es, eine Übersicht anzulegen, mittels welcher ich alle schulischen Aufgaben, die ich zu erledigen hatte, festhielt. Das half mir dabei den Überblick zu bewahren, was gar nicht so einfach war, da ein Teil der Lehrer den Kontakt über Mail und der andere Teil den Kontakt über Mebis suchte.

Schulbeginn um 10 Uhr: Das ist am produktivsten

Mein „Schultag“ begann jeden Tag um etwa 10 Uhr. Ich entschied mich bewusst für diese Uhrzeit, weil ich festgestellt habe, dass ich so am produktivsten bin. Mein erster Punkt war es dann, beide Portale, das heißt Mail und Mebis, zu kontrollieren und die Übersicht gegebenenfalls zu erweitern. Anschließend markierte ich fünf bis acht Aufgaben, die ich an diesem Tag erledigen wollte. Um beim Bearbeiten der Aufgaben nicht abgelenkt zu werden, was daheim wirklich einfach gewesen wäre, zumal meine Eltern berufsbedingt außer Haus waren, legte ich mein Handy solange weg, bis ich mit den Aufgaben fertig war.

Durch diese Maßnahmen fing ich sogar an, Gefallen am Lernen daheim zu finden. Ich mochte, dass der Druck, den man oftmals durch Vergleiche mit Mitschülern zu spüren bekommt, und die Nervosität beim Benoten komplett wegfielen. Außerdem konnte man den gesamten Tag im Schlafanzug verbringen.

Trotz alldem vermisste ich die Schule. Durch die entspannte Atmosphäre brauchte ich für viele Aufgaben um einiges mehr Zeit als während der Schulzeit. Außerdem fehlten die persönlichen Kontakte untereinander und das gesamte Umfeld. Zwar gaben uns alle Lehrer die Möglichkeit bei Problemen oder Fragen auf sie zuzukommen, allerdings war das, wie auch das Kommunizieren mit Freunden über Videoanrufe, nicht dasselbe. Ich hatte gewisse Hemmungen, eine Mail an meine Lehrer zu schicken, da man keine unnötige Arbeit bereiten wollte und weil mir die Rückmeldung meiner Mitschüler fehlte, anhand welcher ich während der Schulzeit erkennen kann, ob meine Frage selbsterklärend und damit unnötig ist. Nachdem ich anfangs die Mails an meine Lehrer zehnmal nach Rechtschreib- und Grammatikfehlern kontrolliert hatte, wurde aber auch das mit der Zeit besser.

Die Arbeitsaufträge, die uns die Lehrer zukommen haben lassen, waren generell gut machbar. Ich hätte es jedoch sehr hilfreich gefunden, wenn die Lehrer uns zu jedem Arbeitsauftrag eine Zeitspanne genannt hätten, welche maximal für die Bearbeitung benötigt werden sollte. Im Großen und Ganzen war ich aber doch überrascht, wie gut alles geklappt hat.

Jedes Gefühl für Zeit und Normalität verschwand

Es war eine ziemlich intensive Zeit, in welcher durch den stets gleichen Ablauf der Tage, wie in meinem einleitenden Zitat bereits angesprochen, jedes Gefühl für Zeit und Normalität verschwand. Auch wenn die vergangenen Wochen eine Menge Selbstdisziplin forderten und in den nächsten Monaten mit Sicherheit noch einiges verlangt werden wird, wurde einem doch mal wieder bewusst, wie viel mehr man die Schule schätzen und genießen sollte.“

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