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Entscheidung im Gemeinderat

UWR kickt den Standort Zellerreit für den neuen Fußballplatz in Ramerberg ins Aus

Der alte Standort des Ramerberger Fußballplatzes könnte auch der neue werden. Pläne dazu werden weiter geprüft.
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Der alte Standort des Ramerberger Fußballplatzes könnte auch der neue werden. Pläne dazu werden weiter geprüft.
  • Petra Maier
    VonPetra Maier
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Wo sollen die Fußballer künftig kicken? Zellerreit war lange der Favorit. Dann gab es ablehnende Stimmen der Anwohner und neue Mehrheitsverhältnisse im Gemeinderat: Mit 7:6 Stimmen besiegelte die Mehrheit (alle Unabhängige Wähler Ramerberg) nun das Aus für den anvisierten Standort.

Ramerberg – Um 22.40 Uhr fiel am Dienstag im Ramerberger Gemeinderat am Ende einer Mammutsitzung die Entscheidung: Der umstrittene Standort für einen neuen Fußballplatz in Zellereit wird nicht weiter verfolgt. Jahrelang wurde ein neuer Standort gesucht. Mit dem vorherigen Bürgermeister Georg Gäch (NRL/FWG) hatte sich der alte Gemeinderat für einen Standort in Zellerreit stark gemacht. Der SV Ramerberg war zuversichtlich, dort eine neue Bleibe zu finden. In der Bevölkerung kamen Bedenken gegen das Projekt auf. Zahlreiche Einwendungen gab es im Zuge des Bebauungsplanverfahrens.

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Zu ihrer Abwägung durch den neuen Gemeinderat mit Bürgermeister Manfred Reithmeier (UWR) kam es allerdings nicht mehr: Mit sieben zu sechs Stimmen besiegelte die Mehrheit der Gemeinderäte der UWR (Unabhängige Wähler Ramerberg) in der jüngsten Gemeinderatssitzung das Aus für den anvisierten Standort. Alle Gemeinderäte der NRL/FWG (Neue Ramerberger Liste/Freie Wählergemeinschaft) hätten die angestoßenen Pläne für diesen Standort gern weiter verfolgt. Bisher seien 75.000 Euro Planungskosten angefallen, war in der Sitzung zu hören.

Drei Standorte derzeit in Aussicht

Bürgermeister Manfred Reithmeier (UWR) nannte als Einleitung zum Thema Fußballplatz 5 weitere Standorte als Alternative zu Zellerreit. 2 seien bereits ausgeschieden, 3 wären noch möglich, so der Bürgermeister:

  1. In Sendling neben dem Gewerbegebiet gebe es 2 gesprächsbereite Grundstückseigentümer.
  2. In Unterkatzbach habe die Regierung in einem Telefongespräch signalisiert, dass sie eventuell von ihrer Anbinderegelung abrücken würde, wenn über den Standort Einigkeit bei Verein, Gemeinde und Bürgern herrsche. Ein Grundstückseigentümer würde sogar das Baumaterial für ein Vereinsheim sponsern.
  3. In Ramerberg könne man westlich vom bisherigen Standort eventuell das Gebiet überplanen und dazu auch noch einen Kreisel installieren. Der geltende Vertrag mit dem Sportverein gelte an dieser Stelle noch bis 2024, so der Bürgermeister.

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Rechtsanwalt Sebastian Heidorn und Hans Althammer, Geschäftsführer vom SAK-Planungsbüro, hatten einige Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange zum Thema mit in die Sitzung gebracht. „Doch es geht eigentlich nur um die Frage: ‚Soll der Plan zum Standort Zellerreit weitergeführt oder eingestampft werden“, so Heidorn. „Die Einwendungen der Behörden stellen keine rechtlich unüberwindbaren Hindernisse dar“, betonte er gemeinsam mit Althammer. Lange diskutierten die Gemeinderäte noch einmal das Für und Wider, nannten Bedenken und tauschten Ansichten aus – teilweise unter dem spontanen Applaus der interessierten Zuhörer im Gemeindesaal.

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Gegen 22.30 Uhr wurde ein Beschluss formuliert und mit der Mehrheit der UWR verabschiedet: Das Bauleitverfahren Zellerreit wird eingestellt.

Pacht oder Miete?

Überrascht reagierten einige Gemeinderatsmitglieder auf die Äußerung von Bürgermeister Reithmeier, dass Grundstücksbesitzer Esterer für den Standort in Zellerreit eine Miete verlangen wolle, wenn der Fußballplatz dort zustande kommen würde. Den Alternativ-Standort in Unterkatzbach würden die Grundstücksbesitzer pachtfrei bereitstellen, aber eine Miete von 900 bis 1000 Euro im Jahr verlangen, hatte der Bürgermeister bekannt gegeben und angefügt: „Kostenlos wäre Zellereit auch nicht.“

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Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigte Georg Esterer, dass er „rein aus steuerlichen Gründen“ von den Sportlern etwa 600 Euro im Jahr an Einnahmen hätte ausweisen müssen. Auch von den Tennisspielern und Stockschützen bekomme er eine eher symbolische, kleine Summe.

Die Zufahrt nach Zellerreit

Die Zufahrt zum angedachten Standort in Zellerreit spielte in den Einwendungen der Träger öffentlicher Belange keine Rolle, machten Anwalt Sebastian Heidorn und Planer Hans Althammer in der Gemeinderatssitzung deutlich. In den Einwendungen der Bürger (die nicht in der jüngsten Gemeinderatssitzung behandelt wurden) sei die Zufahrt durch das Wohngebiet allerdings problematisiert worden. „Bei den Behörden spielte das keine Rolle“, so Heidorn und Althammer.

Wunsch: Miteinander im Gemeinderat

Konrad Fuchs (NRL/FWG) hoffte in der Sitzung noch „auf eine kreative Lösung für die Verkehrsanbindung“. Dafür bräuchte man allerdings ein Miteinander im Gemeinderat, so Fuchs. Bürgermeister Reithmeier (UWR) wies darauf hin, dass Polizei und Feuerwehr zu der Verkehrssituation bisher noch nicht angehört worden seien.

Eine einvernehmliche Lösung für den Frieden in der Gemeinde

Grundsätzlich, so betonten viele Gemeinderäte, wolle man zu einer einvernehmlichen Lösung für die gesamte Gemeinde kommen. Magnus Steinmüller (UWR) betonte: „Der Verein gehört gefördert“, erinnerte aber auch an die Anwohner, die genauso gut ein Recht auf Ruhe und Erholung hätten. Beim Standort Zellerreit sei Ärger vorprogrammiert: „Jedes Wochenende würde es hier Streit geben, wegen Lärm oder der Parksituation.“

Petra Hölzle (NRL/FWG) betonte, es sei die Aufgabe der Gemeinde, die Sportkultur in der Gemeinde zu fördern.

Sophia Schuster (UWR) gab zu bedenken, man solle die Wünsche des Sportvereins nicht über die der Bürger stellen. „Ich würde es begrüßen, wenn wir flexibel beim Standort wären, damit es für alle in der Gemeinde wieder Frieden gibt.“

Das wünscht auch Fabian Tretter (UWR), der „das Pferd aber diesmal von vorne aufzäumen“ möchte und einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan wünscht.

Stefan Kurfer (NRL/FWG) sehnte eine Entscheidung herbei: „Wo kommen jetzt wieder die Bedenken her“, fragte er. „Es macht mich total müde, ich bin froh, wenn wir es zu Ende bringen. Andere Gemeinden machen einen kompletten Grunderwerb für die Sportler. Bei uns könnten die Jungen Sport treiben, die Alten könnten zuschauen und sich treffen.“ Konrad Fuchs (NRL/FWG) gab zu: „Ich liebe den Fußballplatz mitten in der Gemeinde.“ Aber er befürchte, dass es beim Ausbau des Standorts mitten in Ramerberg zu gerichtlichen Klagen gegen das Projekt kommen könnte. „Ankündigungen solcher Schritte liegen bereits vor“, warnte er.

Kritik am SV Ramerberg

Bürgermeister Reithmeier (UWR) forderte die Gemeinderäte im Nachgang an die Abstimmung auf, weiterhin gemeinsam an einer Lösung für den Sportplatz zu arbeiten. Zweiter Bürgermeister Magnus Steinmüller (UWR) ergänzte: „Wir haben um die Flächen geschaut, jetzt muss der Verein kommen.“ Dritter Bürgermeister Jürgen Zott (UWR) schimpfte: „Der Verein hat noch nie das Gespräch mit uns gesucht, immer nur den Standort Zellereit gefordert und gegen uns geschossen. Das muss sich jetzt ändern.“

Auf Nachfrage unserer Zeitung widerspricht Johann Weiderer, Verantwortlicher für das Projekt Sportplatzbau beim SV Ramerberg: „Das stimmt so nicht. Bei Bürgermeister Georg Gäch waren wir an den Planungen immer beteiligt. Seit Manfred Reithmeier Bürgermeister ist, haben wir keine Infos mehr bekommen – auch nicht zu Alternativstandorten – und waren auch nicht zu Gesprächen eingeladen. Einzig im vergangenen September kam es einmal zu einem Treffen.“

Viele Fragezeichen zur Umsetzung

Rechtsanwalt Sebastian Heidorn machte den Gemeinderat darauf aufmerksam, dass es zur Umsetzung eines neuen Fußballplatzes in Ramerberg generell noch viele offene Fragen gebe: Wer trägt die Kosten für den Bau des Vereinsheims, sei nur eine davon. Auch die Eigentumssituation sei nicht gesichert. Bisher handele es sich bei dem Projekt um einen angebotsbezogenen Bebauungsplan. „Die Gemeinde plant etwas, von dem man nicht weiß, wer es wie umsetzt“, warnte Heidorn. Anders wäre es bei einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan, bei dem der Vorhabenträger die Planungskosten zahle. Bisher habe in Ramerberg nur die Gemeinde gezahlt: 75.000 Euro insgesamt. Und die Kommune müsse derzeit auch für die nötigen Ausgleichsflächen sorgen.

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