Baum im Baum bei Schnaitsee: Naturphänomen wird Kunstobjekt

Das „Ahorngehege“ bei Kaltbrunn: In der Mitte das zerfallende Gehege mit den vier noch kraftvollen Schutzstelen im Quadrat rund um den neuen Baum, der bereits kraftvolles Grün im Frühjahr bietet. Rechts im Bild der angedeutete Schutzzaun. Unterforsthuber
  • vonJosef Unterforsthuber
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In Schnaitsee wachte ein über 200 Jahre alter Bergahorn an der Südwestseite in Kaltbrunn zunächst über die Bewohner des Hofes. Später dann, als er krank und gebrechlich wurde, dienten seine Überreste als Schutz für ein junges Ahornpflänzchen.

Schnaitsee – Der kranke Bergahorn wurde nach über 200 Jahren zur Gefahr für den Hof – wegen seiner Alterschwäche und seinen kranken Stellen. Förster Helmut Gattinger hatte dies bei einer Untersuchung festgestellt und einschneidende Maßnahmen empfohlen: „Um den Personen- und Gebäudeschutz auch weiterhin zu gewährleisten, soll der kranke Riese entfernt werden.“

Was sollte nun mit dem Altehrwürdigen geschehen? Die Familie Schönhuber aus Kaltbrunn wollte ihren ehemaligen Beschützer entsprechend würdigen. Sie suchte Kontakt zum Holz- und Steinbildhauer Hermann Dreßler aus Kirchheim bei München. Dieser war bis zum Jahr 2000 bereits über 50 Jahre lang mit solchen Aufgaben konfrontiert. Er konnte sich für den „alten Freund“ begeistern und stellte fest, dass ein stures Konzept hier nicht angebracht sei.

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„Wir wollen ein Gesamtwerk entstehen lassen, das dem Baum eine ehrwürdige Form gibt.“ Als Ergebnis entstand das „Ahorngehege“. Von vier Stelen umringt wurde in ein ausgehöhltes Stück des Stammes ein neuer Ahornbaum gepflanzt. Das Bett des neuen Baumes wurde von vier gewaltigen Stelen und einem Schutzzaun, alles aus dem Holz des alten Baumes, umhegt. Vor exakt 20 Jahren philosophierte der Künstler schon für viele Jahre voraus, die jetzt schon fast eingetreten sind: „Endlich ist der alte Freund atomisiert. Ein neuer Freund des Menschen entsteht. In welche Geschichte er hineinwächst, ist nicht vorhersehbar. Wünschen wir ihm eine gute, gesunde und friedliche Zukunft. Vielleicht erfährt er einst in weiteren Jahrhunderten auch den Beistand des Menschen.“

Holz zerfälltnun langsam

Und der Künstler, der jetzt mit seinen 85 Jahren in einem Heim bei München lebt, hatte damit mehr als recht, indem er auf eine ungewisse Zukunft hinwies. Wer hätte im Jahr 2000 die jetzige Situation auch nur im Entferntesten erahnt?

Jetzt hat der alte Baum seine Schuldigkeit getan. Der neue Baum wächst und gedeiht und entwickelt sich zu einem neuen Beschützer der Menschen. Das „Gehege“ des Künstlers und Baumverstehers Hermann Dreßler zerfällt allmählich. Das ansehnliche Hofbaumensemble mit mehreren Eichen, Eschen, Nuss- und Bergahornbäumen ist auf dem besten Weg, wieder komplett zu werden.

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