Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


HIN UND HER IN DER PANDEMIE

„Unmotiviert und frustriert“ beschreibt eine Wasserburger Schülersprecherin die Situation im Wechselunterricht

Schulersprecherin Verena Eder vom Luitpold-Gymnasium Wasserburg findet klare Worte, um die Situation der Schüler und Schülerinnen zu beschreiben.
+
Schulersprecherin Verena Eder vom Luitpold-Gymnasium Wasserburg findet klare Worte, um die Situation der Schüler und Schülerinnen zu beschreiben.
  • Sophia Huber
    VonSophia Huber
    schließen

Ab Montag starten die Schüler zumindest im Landkreis Rosenheim in den Wechselunterricht. Schülersprecherin Verena Eder beschreibt die Situation mit klaren Worten.

Wasserburg – „Unmotiviert und frustriert“, so beschreibt Schülersprecherin Verena Eder am Luitpold-Gymnasium Wasserburg die Stimmung, stellvertretend für alle Kinder und Jugendlichen.

Präsenz-, Wechsel- und Distanzunterricht, es ist ein Hin und Her für die Schüler. Während sie im Landkreis Mühldorf aufgrund der Inzidenzzahlen über 100 wahrscheinlich noch zuhause bleiben müssen, können die Kinder und Jugendlichen im Rosenheimer Land darauf hoffen, zurück in den Wechselunterricht zu kehren.

„Man betrügt sich selbst“

Eder beschreibt die Stimmung angesichts des Neustarts als „eine Mischung aus Vorfreude und Angst.“ Sie habe den Eindruck, dass viele ihrer Kameraden nun versuchen noch schnell Stoff aufzuholen, den sie im Homeschooling nicht verstanden hätten.

Auch interessant: Schulsozialarbeit in Wasserburg und Edling ist eine Stütze in der Coronakrise

Das Problem sieht sie diesbezüglich sowohl bei den Lehrkräften, als auch bei den Schülern selbst. „Man betrügt sich selbst“, gibt Eder zu. „Da ist keine Kontrolle da, deshalb ist die Versuchung, einfach das Heft daneben zu legen oder von der Musterlösung abzuschreiben schon groß.“

Das passiere auch ihr selbst immer wieder, obwohl Eder sagt, dass sie gerne in die Schule geht. „Ich habe oft das Gefühl, dass ich in der Schule etwas lerne, zuhause mache ich eher eine Aufgabe“, sagt die Zehntklässlerin.

Bei Videokonferenzen kommt Panik auf

„Einige Lehrer sind aber auch einfach der Überzeugung, im Homeschooling eine ganz normale Unterrichtsstunde abhalten zu können,“, sagt Eder weiter, „egal, ob da das Mikrofon ausfällt oder irgendwas nicht klappt.“ Die Befürchtung sei bei den Schülern deshalb groß, dass es nun einfach weitergehe wie bisher.

„Da kommt einfach die Angst, dass man nicht mehr mitkommt, hoch.“ Dazu komme noch der psychische Druck. „Ich habe schon von mehreren Schülern gehört, dass die Hürde in der Videokonferenz etwas zu sagen höher ist“, sagt Eder. Für viele steige der Puls und sie bekämen regelrecht Panik. „In so einer Situation kann ich mich dann nicht mehr konzentrieren“, erklärt Eder.

Lesen Sie auch: Wasserburger Schüler entsetzt über neue Regeln: „Wir fühlen uns wie Versuchskaninchen

Am Gymnasium Wasserburg wird ab Montag täglicher Wechselunterricht angeboten. Gleich zu Anfang des ersten Lockdowns wechselten die Schülerinnen noch wochenweise, doch dies wurde anschließend auch unter Anraten von Eder geändert. Inzwischen ist sie aber nicht mehr, ob dies die bessere Alternative war.

„Beim wöchentlichen Wechselunterricht sind viele von uns in einen Ferienmodus verfallen“, sagt Eder, „aber mit dem täglichen Wechsel ist das ein großes Wirrwarr. Man bereitet sich auf den nächsten Unterrichtstag vor, gleichzeitig müssen aber die Aufgaben für das Homeschooling erledigt werden, da kommt man schnell durcheinander.“

Fünftklässler kommen nicht an

Eder spricht aber nicht nur für ihre eigene Jahrgangsstufe, als Tutorin hat sie engen Kontakt zu den jüngeren Schülern. „Bei den Fünftklässlern ist eher das Problem, dass sie nicht an der Schule ankommen. Sie können gar keine Klassengemeinschaft bilden.“

In den Oberstufen bereite vor allem die Frage nach Klausuren Sorgen. „Wir hatten ja im ersten Halbjahr viel weniger Proben und dass dann im zweiten Halbjahr nachholen wird sehr hart.“

Das sagt Verena Grillhösl, Schulleiterin des Lutipold-Gymnasiums

„Ich kann die Frustration der Schüler verstehen“, erklärt Grillhösl. Lernen braucht den sozialen Zusammenhang, das zeige sich in Pandemiezeiten immer mehr. „Ich glaube, viele haben das Gefühl nicht als ganze Person anwesend zu sein“, erklärt Grillhösl, „beim Distanzunterricht ist eine Barriere dazwischen, da fallen die sozialen Aspekte des Lernens hinten runter.“

Sie möchte aber den Schülern auch die Angst nehmen. „Wir Lehrer wissen, dass es eine besondere Situation ist. Wir wissen auch, dass wir den Stoff des Homeschoolings noch einmal vertiefen müssen.“ Natürlich müsse zu einem gewissen Punkt auf den im Distanzunterricht gelernten Stoff zurückgegriffen werden. „Aber die Schüler sind alle in der selben Situation. Ich denke, niemand muss Angst haben.“

Aktuelle Artikel zur Corona-Pandemie finden Sie auf unserer OVB-Themenseite.

Um den Druck von den Schülern zu nehmen, seien keine weiteren Schulaufgaben bis Ostern geplant und der Lernstoff solle weiter entzerrt werden. „Aber natürlich brauchen die Schüler einen positiven Druck, um zu lernen.“

Grillhösl gibt auch zu, dass einige Lehrkräfte wenig Toleranz gegenüber technischen Problemen haben. „Gleichzeitig gibt es aber auch das Problem, dass Schüler solche Entschuldigungen ausnutzen.“ Das erschwere auch die Situation der Lehrer.

„Aber ich kann auf jeden Fall sagen, ich verstehe die Schüler. Die Luft ist einfach raus.“ Grillhösl zitiert in diesem Zusammenhang ihren Neffen, der in eine zehnte Klasse geht: „Auch er sagt: Ich bin total genervt. So geht es, glaube ich, allen. Ich kann nur sagen, wir als Schule bemühen uns sehr.“

Mehr zum Thema

Kommentare