Umweltausschuss Wasserburg macht Schluss mit der Wegwerfmentalität

So setzt sich der Restmüllin Wasserburg zusammen: Optimierungsmöglichkeiten gibt es bei den organischen Abfällen.
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So setzt sich der Restmüllin Wasserburg zusammen: Optimierungsmöglichkeiten gibt es bei den organischen Abfällen.

Auch in Wasserburg werden – trotz Biotonne – nach wie vor verpackte Lebensmittel in den Restmüll geworfen. Aus Unwissen? Aus Bequemlichkeit? Der Umweltausschuss des Stadtrates sieht nur einen Weg: mehr Aufklärung. Doch das wird nicht überall funktionieren.

Wasserburg – Die Wasserburger sind top im Recycling. Seit Einführung der Biotonne im Jahr 2018 sank die Menge des Restmülls pro Einwohner von 134 auf nur noch 95 Kilo. Geht da noch mehr? Der Umweltausschuss des Stadtrates wollte es wissen und hat das Witzenhausen-Institut mit der Analyse des Restmülls beauftragt. Die Fachleute leerten, wie berichtet, für einen Tag in unterschiedlichen Gebieten der Stadt – Einfamilienhaussiedlung, Altstadt, Stadtrand, Wohnanlagen – die Mülltonnen, sortierten und wogen das Material, dokumentierten es nach Wertstoffgruppen. Die Ergebnisse gab es nun in öffentlicher Sitzung des Umweltausschusses.

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Das Institut stellte fest: Ein Viertel der Mengen, die in den Tonnen landen, besteht nach wie vor aus organischen Abfällen. Organik: Das sind Küchenabfälle (Obst- und Gemüseschalen, verdorbenes Obst und Gemüse, Teebeutel und Kaffeefilter), Nahrungsabfälle (Speisereste, Brot, Käse. Milchprodukte, Wurst, Fleisch, Knochen, Gräten) sowie Gartenabfälle (hier vor allem Pflanzenreste, Laub, Topfpflanzen, Schnittblumen). Bei den organischen Abfällen fällt auf, dass zehn Prozent aus der Küche stammen, sie könnten auch auf dem Kompost entsorgt werden. 6,5 Prozent bestehen aus verpackten Lebensmitteln. Mit einem Handgriff könnten sie aus ihrer Verpackung gelöst und ebenfalls in der Biotonne entsorgt werden. Das wissen anscheinend viele Bürger nicht. Oder sind sie zu bequem?

Auch in Wasserburg Wegwerfmentalität spürbar

Tatsache ist auch, dass in Wasserburg nach wie vor viele Lebensmittel weggeworfen werden – weil sie als abgelaufen oder verdorben gelten. Sogar trockene Lebensmittel wie Nudeln haben die Analysten in der Restmülltonne gefunden. Das Mindesthaltbarkeitsdatum war überschritten, das heißt jedoch noch lange nicht, dass sie nicht genießbar sind. Das wissen viele jedoch nicht. Peter Stenger von der SPD sieht die Politik in der Pflicht: Das Mindesthaltbarkeitsdatum gehöre abgeschafft, es sei ein Symbol der Überfluss- und Wegwerfgesellschaft.

Diplom-Ingenieur Hans-Jörg Siepenkothen vom Institut, das die Restmüllanalyse im Auftrag der Stadt erstellt hat, bestätigte: Bundesweit werde festgestellt, dass immer häufiger Lebensmittel, die noch genießbar seien, weggeworfen würden.

Tüten voller Batterien in der Mülltonne

Doch im Restmüll der Wasserburg fiel noch ein weiterer kritischer Punkt auf: schadstoffhaltige Abfälle. Der Klassiker: Batterien. Im Untersuchungszeitraum von einem Tag entdeckten die Gutachter 75 Stücke, die in der Mülltonne gelandet waren – zwei Plastikbeutel mit Batterien zeugen davon, dass sie sehrwohl gesammelt worden waren, doch dann wohl aus Bequemlichkeit nicht zum Wertstoff gefahren wurden, sondern in der Mülltonne landeten. So erging es auch 45 kleinen Elektrogeräten (Wecker, Rasierer, alte Smartphones). Dieser sogenannte „Chinamüll“ wird heute, so die Erfahrung von Siepenkothen, nicht mehr als werthaltig angesehen.

Wohlstandsmüll also, der nicht in die Tonne gehört. Anders als Windeln und Hygieneartikel, für die es in der Tat keine Wiederverwertungswege gibt. Sie machen 17 Prozent des Restmülls aus.

Auffällig außerdem: Der Anteil an Glas im Restmüll liegt immer noch bei vier Prozent des Gewichts. Der Klassiker ist hier die halb volle Ketchupflasche. Entleeren und dann in den Glascontainer wäre der richtige Weg, ist einigen Bürgern jedoch anscheinend zu aufwendig.

Auch Textilien und Schuhe finden sich nach wie vor in den Restmülltonnen, obwohl es für sie Extra-Container und viele Sammelstellen – unter anderem bei Wohltätigkeitsverbänden – gibt. Nur stark verschmutzte und zerschlissene Textilien und Schuhe gehören in die Mülltonne.

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Grundsätzlich steht jedoch fest: Im Vergleich zu anderen vom Institut Witzenhausen untersuchten Kommunen steht Wasserburg sehr gut dar. Im Restmüll befindet sich seit der flächendeckenden Einführung der Biotonne im Jahr 2018 nur noch wenig organisches Material. Die Biotonne wird von den meisten Haushalten sehr gut angenommen.

Optimierungsmöglichkeiten beim Restmüll gibt es trotzdem: etwa bei den verpackten Lebensmitteln, die weggeworfen werden, und bei schadstoffhaltigen Stoffen wie Batterien und Kleingeräten. Hier muss noch mehr über die Möglichkeiten der Entsorgung und der Gefahren, wenn sie in der Mülltonne landen, aufgeklärt werden, war sich der Umweltausschuss mit Bürgermeister Michael Kölbl und der Verwaltung einig.

Wenig Anreizen zum Trennen in Wohnanlagen

Diese Informationspolitik ist nicht einfach in Siedlungsgebieten, die von Wohnanlagen und Mehrfamilienhäusern geprägt sind. Hier findet ein häufigerer Bewohnerwechsel statt. Die Mieter besitzen keine eigenen Komposthaufen für ihre organischen Abfälle. Finanzielle Anreize für das Trennen, die Eigenheimer nutzen können, wenn sie eine kleinere Tonne anschaffen, gibt es nicht. In Wohnanlagen war deshalb der Anteil der Organik im Restmüll besonders hoch (siehe Grafik rechts).

Der Experte des Instituts riet trotzdem, auch hier auf Aufklärung zu setzen – am besten, so Bernhard Schachner, im Rathaus zuständig für die Abfallentsorgung, in Zusammenarbeit mit Hausverwaltungen. Der Fachmann des Instituts für Abfallanalysen warnte jedoch vor zu hohen Erwartungen.

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