Ansteckungsgefahr

Überfüllte Schulbusse: Wasserburger Elternbündnis sieht Situation weiter kritisch

Dieses Foto , das eine Mutter mit der Handykamera morgens in Wasserburg gemacht hat, zeigt die Überfüllung.
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Dieses Foto , das eine Mutter mit der Handykamera morgens in Wasserburg gemacht hat, zeigt die Überfüllung.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Das Eltern-Bündnis Wasserburg erwartet durch die neuen Corona-Regeln für die Schulen nur wenig Entspannung. Es fordert auch für den Unterricht in Corona-Zeiten ein pädagogisches Umdenken: „Der Druck muss aus den Schulen genommen werden.“

Wasserburg – „Schulkinder dürfen nicht die Verlierer der Corona-Krise sein“, warnt Anita Arz vom Eltern-Bündnis-Wasserburg. Es hat, wie berichtet, eine Online-Petition für bessere Schutzmaßnahmen in den Schulbussen und im Unterricht gestartet.

Von dem ab Mittwoch angeordneten Wechsel- und Distanzunterricht ab der achten Jahrgangsstufe erwartet Arz keine gravierende Entzerrung des Schulbusverkehrs. Schließlich werde bei den Abschlussklassen wieder eine Ausnahme gemacht. Deshalb seien es „nur ein paar Klassen weniger“ im Präsenzunterricht, das wirke sich auf die Belegung der Schulbusse nicht ausreichend aus.

Verstärker für vier Linien

Landrat Otto Lederer hat der Elterninitiative mittlerweile auf einen Brief geantwortet, in dem diese die Überfüllung der Schulbusse kritisiert und Lösungen fordert. Der Landkreis habe mit den Busunternehmen vereinbart, dass nicht mehr als 50 Prozent der an sich zugelassenen Stehplätze belegt werden sollten. Auf mittlerweile zwölf Zulaufstrecken zu Schulen seien deshalb Verstärkerbusse bestellt, davon allein vier in Richtung Wasserburg (Linien 7521, 9414, 9415 und 9421). Die Linien 9411 und 9416 würden vom Regionalverkehr Oberbayern betrieben, mit dem der Landkreis in Kontakt zur Frage stehe, ob Kriterien für eine Verstärkung gegeben seien.

In Spitzenzeiten unter Vorgaben des Landkreises

Bei den Schulbussen im Stadtbereich, die die Grundschulen anfahren, orientiert sich die Kommune nach Angaben des für den ÖPNV zuständigen Verwaltungsmitarbeiters Andreas Hiebl an den vom Landkreis festgelegten Regelungen. „Die Frequenz in den Grundschulbussen liegt in Spitzenzeiten deutlich unter den Vorgaben des Landkreises“, so Hiebl. Ein Beispiel: Frühmorgens müssten laut Zählungen der Stadt in einem Bus vom Burgerfeld aus etwa zehn Schüler stehen – bei vorhandenen rund 50 Stehplätzen. Mittags entspanne sich die Situation, weil es vier unterschiedliche Zeitpunkte für das Unterrichtsende gebe.

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Hiebl weißt grundsätzlich darauf hin, dass mit Verstärkerfahrten nur punktuell reagiert werden könne. Um die Gesamtsituation in allen Schulbussen zu entspannen, wäre rein theoretisch eine Staffelung der Unterrichtszeiten, etwa ein Schulbeginn in zwei Schichten, eine Option. Doch eine solche Lösung sei extrem komplex.

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Arz sieht in der Antwort des Landrats das Bemühen, die Problematik der überfüllten Schulbusse zu lösen. „Die Einsicht ist da.“ Generell sei jedoch die Frage, wie groß die Gefahren einer Infektion in Schulbussen sei, unbeantwortet. Das Argument, viele Kinder würden sich hier nur kurz aufhalten, könne nicht herangeführt werden. Zu den weiterführenden Schulen in Wasserburg würden auch Kinder aus den Nachbarorten anfahren, die sich weitaus länger als 15 Minuten im Bus aufhalten müssten. Außerdem sei immer wieder festzustellen, dass Kindern die Maske verrutsche, dass sie eng bei einander stehen oder sitzen würden. „Wir Eltern erhalten immer wieder Schreiben der Schulen, dass wir die Kinder auf die Aha-Regeln hinweisen sollen“. In der Schule würden diese auch kontrolliert, im Schulbus dagegen nicht. Diese Diskrepanz sei nicht hinnehmbar.

Forderung: Den Druck rausnehmen

Arz fordert auch eine Anpassung des Unterrichts an die besonderen Herausforderungen der Corona-Pandemie. Regelmäßig müssten Klassen in Quarantäne, werde der Präsenzunterricht durch das Homeschooling ersetzt. Nach wie vor sei die Digitalisierung an vielen Schulen nicht darauf eingestellt. Der Sommer sei von den Behörden nicht hinreichend genutzt worden, um dies zu ändern. Trotzdem würde der Lehrplan umgesetzt, als seien es ganz normale Zeiten. Die Lehrer müssten Klausuren schreiben lassen und Leistungsnachweise einfordern. „Der Druck muss in diesen Zeiten aus der Schule – auch von den Lehrern – genommen werden“, findet Arz. Viele Kinder hätten noch vom ersten Lockdown große Lerndefizite.

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