LESERFORUM

Überalterung der Ärzte aus der Luft gegriffen

Zum Bericht „Mehr Platz für das Ärztehaus“ (Lokalteil):

Als Hausarzt im Planungsbezirk Wasserburg/Haag war ich bis vor Kurzem 38 Jahre lang tätig. Deshalb traue ich mir zu, die Lage bezüglich der zukünftigen und derzeitigen medizinischen Versorgung gut beurteilen zu können.

Die berichtete Überalterung der Ärzte im Planungsbereich Haag Wasserburg ist aus der Luft gegriffen: Die zwei bestehenden Arztpraxen in Haag sind mit Ärzten um die 50 besetzt. In den nahegelegenen Gemeinden (Sankt Wolfgang, Soyen, Gars, Maitenbeth) sind zum Teil noch deutlich jüngere Kollegen/innen tätig, die J��ngsten sind Mitte 30. In seiner Präsentation hat ja Dr. Richter auch fast nur von Mühldorf und Waldkraiburg berichtet. Die von ihm erhoffte Verdoppelung der Patientenzahlen fürs MVZ würde im Gegenteil dazu führen, die bestehenden Praxen, alle eigenfinanziert und selbst organisiert, auszubluten. Irgendwo müssen ja die Patienten herkommen. Das haben die Kollegen, die zum Teil jahrelang an vorderster Front gearbeitet haben, auch außerhalb der regulären Sprechzeiten, nicht verdient. Mich würde auch interessieren, ob angestellte Ärzte auch außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten bereit wären, ausreichend Hausbesuche durchzuführen. Diese wären für unsere immer älter werdende Bevölkerung sehr wichtig, auch um ihnen unnötige Krankenhausaufenthalte zu ersparen.

Auch die Kontinuität ist in einer selbstständigen Arztpraxis meiner Meinung nach besser zu organisieren. Die angesprochene Hoffnung auf zusätzliche Facharztsitze in Haag wird enttäuscht werden, bei einem Versorgungsgrad von 140 Prozent sind keine weiteren Zulassungen mehr möglich, nur Praxisverlegungen. Wegen der Chancengleichheit aller Ärzte sollte sich die Gemeinde nicht zu einer Subventionierung des MVZ verleiten lassen.

Dr. med. Hans Hacker

Maitenbeth

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