Trotz Corona: AA in Wasserburg helfen Alkoholikern

Alkoholkranke bekommen in Wasserburg auch in Corona-Zeiten Hilfe – die AA-Gruppe darf sich weiter treffen. DPA
+
Alkoholkranke bekommen in Wasserburg auch in Corona-Zeiten Hilfe – die AA-Gruppe darf sich weiter treffen. DPA

Der Wasserburger Willi hat „die Hölle des Trinkens“ durchlebt und ist froh, dass es auch in Corona-Zeiten Hilfe gibt. Denn die Anonymen Alkoholiker in Wasserburg dürfen sich dank einer Ausnahmegenehmigung weiterhin treffen.

Wasserburg – Die AA-Angebote sind als medizinisch notwendig anerkannt. Die Gefahr, wieder zur Flasche zu greifen, ist in der Pandemie groß. Viele Familien müssen eng zusammenrücken, der Stresspegel steigt, wenn auch noch Homeschooling zu bewältigen ist oder die Kinderbetreuung ausfällt. Sorgen – etwa um den Arbeitsplatz – drücken auf die Stimmung. Die Gefahr, die Ängste wegzuspülen, steigt, wissen die Anonymen Alkoholiker Wasserburg.

+++

Lesen Sie auch: Der Corona-Ticker – Aktuelle Entwicklungen zu Covid-19 in der Region, Bayern und der Welt

+++

Der Wasserburger AA-Gruppenleiter Willi (der Nachname wird bei den Anonymen Alkoholikern grundsätzlich nicht bekannt gegeben) berichtet, warum die Zusammenkünfte für Alkoholiker so wichtig sind – gerade jetzt in diesen herausfordernden Zeiten.

„Nun sind es schon vier Jahre, die ich trocken bin. Es war Pfingsten 2016, als ich, mal wieder, sturzbetrunken in meiner kleinen Wohnung lag. Ich kam zu mir, weil Gott mich in seine Arme nahm. Er gab mir die Kraft, dass ich die halbe Flasche Wodka, die neben mir stand, in die Spüle geschüttet habe. Und das nach 40 Jahre trinken.

Menschen treffen, die einen verstehen

Schon im Alter von zwölf Jahren hatte ich damit begonnen. Anfangs war es etwas Rotwein, zum Schluss tagtäglich unglaublich viel Wodka. Schon der erste Schluck Alkohol war der Beginn einer immer größer werdenden Hölle.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Ja, ich schaffte die Schule, Ausbildung, Studium, Selbstständigkeit. Ich hatte Familie, Freunde, Beziehungen, Geld. Alles, was sich wohl jeder wünscht. Aber immer wieder nahm mir der Alkohol alles. Es war ein Ewiges auf und ab. Letztendlich hatte ich nichts mehr, außer einer großen Einsamkeit, der ich nicht mehr entfliehen konnte.

Ich bin Gott unendlich dankbar, dass er mich vor vier Jahren vom Alkohol befreit hat. Durch meine Trockenheit bekam ich etwas, was ich mir während meiner Trinkerei nicht vorstellen konnte: ein glückliches Leben.

Dass ich seit damals trocken bin, verdanke ich den Anonymen Alkoholikern. Nachdem ich alleine einen (kalten) Entzug durchgestanden hatte, wusste ich, dass ich auf jeden Fall Hilfe brauchte, um trocken zu bleiben.

Durch Zufall las ich den Terminhinweis und die Kontaktadresse der AA. Ich nahm allen Mut zusammen und rief an. Seitdem gehe ich jede Woche zu dem Meeting, in dem ich auf Menschen treffe, die wie ich die Krankheit Alkoholismus in sich haben, die alles, was ich sage, nachvollziehen können, die mich verstehen. Eine Gruppe von Menschen, die mich nicht verurteilt.

Leider können zur Zeit viele AA-Gruppen ihre Meetings infolge von Corona nicht abhalten. Trotzdem versuchen die Anonymen Alkoholiker, so gut es möglich ist, zu helfen. Wer Hilfe braucht und Hilfe sucht, sollte allen Mut zusammen. Ich habe es niemals bereut.“

Hier gibt es Hilfe

Der allgemeine Kontakt zu den AA: Telefon 08731-32573-12,

erste-hilfekontakt@anonyme-alkoholiker.de

www.anonyme-alkoholiker.de

Informationen und Kontakt zur AA-Gruppe Wasserburg:

Willi, Telefon 08071/5264207,

willi-aa-wasserburg@gmx.de

Kommentare