Tresor im Wildpark Oberreith ausgeräumt: 27-Jähriger muss sich vor Gericht verantworten

„Bewacht“ gern den Eingang im Wildpark Oberreith, als Einbruchsschutz ist der stolze Pfau nicht geeignet.
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„Bewacht“ gern den Eingang im Wildpark Oberreith, als Einbruchsschutz ist der stolze Pfau nicht geeignet.
  • Hans Rath
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Als Einbruchsschutz ist er anscheinend ungeeignet: der Pfau, der am Eingang des Wildparks Oberreith Wache hält. Der Park war jetzt zum zweiten Mal Ziel eines Einbruchs.

Unterreit/Mühldorf – Diesmal musste sich ein 27-jähriger Rumäne vor Richter Florian Greifenstein und seinen zwei Schöffen am Amtsgericht Mühldorf verantworten. Er hatte geholfen, einen Tresor auszurauben.

Die Staatsanwältin warf dem Mechaniker vor, in der Nacht von 6. auf 7. Oktober 2019 schweren Diebstahl begangenen zu haben. Dabei seien knapp 14.000 Euro aus dem Tresor entwendet worden.

Täter begegneten sich zufällig

Eine Beteiligung an der Tat hatte der junge Mann selbst zugegeben. Bei seiner ersten Einlassung berichtete er, dass er auf der Suche nach Arbeit nach Deutschland gekommen sei. Zufällig habe er einen Mann kennengelernt, der ihm Geld versprochen habe, wenn er ihn zu einem Einbruch begleiten würde. „Genaueres wusste ich nicht“, gab er zu Protokoll. Beim Einbruch selbst habe er nur Wache gestanden und geholfen, ein Möbelstück wegzutragen. Der andere Mann habe den Tresor mit einer Flex aufgebrochen. „Ich bekam 2700 Euro“, erklärte der Mann weiter, „wusste aber nicht, dass insgesamt 13.900 Euro in dem Geldschrank gewesen waren.“

Tatort schaute aus wie „Kraut und Rüben“

Von zwei Tätern sprach auch der erste Zeuge, ein Polizist aus Waldkraiburg. Er hatte den Fall am Tatort aufgenommen. Am Montagmorgen, als er in den Verwaltungstrakt des Wildparks gekommen sei, habe es dort „wie Kraut und Rüben“ ausgeschaut: Drei Türen waren aufgebrochen worden, ein Geruch nach Verbranntem hing noch in der Luft. Um Spuren zu verwischen, hatten die Täter mit einem Feuerlöscher herumgesprüht. Dennoch konnte man anhand von Fußabdrücken belegen, dass es sich um zwei Täter gehandelt hatte, berichtete der Polizist. Auch ein Teppich wurde gefunden. Diesen hatten die Einbrecher mitgebracht, um den Tatort nach außen zu verdunkeln.

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Von einem DNA-Treffer berichtete der zweite Zeuge, ein Spurentechniker der Kriminalpolizei Mühldorf: An einer angetrunkenen Wasserflasche wurde verwertbares DNA-Material gefunden, das nach Eingabe in ein EU-weites System dem jetzt Beschuldigten zugeordnet werden konnte, wie er berichtete.

Dies führte auch das Vorstrafenregister des jungen Rumänen zutage, unter anderem waren dort mehrere Einbruchdiebstähle in Frankreich und Belgien verzeichnet sowie eine Verurteilung wegen Drogenbesitz.

Nur Schmiere gestanden?

Die Aussagen veranlassten Staatsanwältin Frank, den Tatvorwurf als bestätigt zu erachten. Der Angeklagte sei beim Einbruchsdiebstahl im Gegensatz zu einem Kumpan zwar nicht die treibende Kraft, jedoch Mittäter gewesen. In ihrem Plädoyer forderte sie deshalb eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung,

Verteidiger Jörg Zürner hielt dies für maßlos überzogen. Er stellte insbesondere infrage, ob sein Mandat der Mittäterschaft bezichtigt werden könne oder ob es sich „nur“ um Beihilfe gehandelt habe. Sein Mandat habe nur „Schmiere“ gestanden, während der Unbekannte den Safe aufgebrochen und sich den Großteil der Beute unter den Nagel gerissen hätte.

Keine Möglichkeit zur Bewährung

Zudem sei das Geständnis des Beschuldigten „von erheblichster Bedeutung“, so Zürner: „Wenn mein Mandant nicht gestanden hätte, am Tatort gewesen zu sein und aus der Flasche getrunken zu haben, hätten wir nicht einmal das beweisen können.“ Der Rechtsbeistand des Rumänen hielt eine Haftstrafe von zehn Monaten für tat- und schuldangemessen, für eine Bewährung sah allerdings auch er keine Möglichkeit.

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Richter Greifenstein verurteilte den 27-Jährigen schließlich zu einem Jahr und drei Monate hinter Gittern. Eine Bewährung entfalle wegen einer ungünstigen Sozialprognose und wegen unklarer familiärer Verhältnisse. Das Geständnis des Angeklagten stufte aber auch der Richter als sehr wertvoll ein. Dennoch fielen die zahlreichen Vorstrafen negativ ins Gewicht, ebenso die brachiale Begehung der Tat. Der Einbrecher wurde wieder ins Gefängnis Mühldorf gebracht, wo er noch ein knappes Jahr abzusitzen hat.

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