Trautes Heim, Glück allein

Bauernschrank:geschnitzt, bemalt 1831 und ausgestellt im derzeit geschlossenen Museum Wasserburg Nixdorf

Wasserburg – Streifen die Mitarbeiter durch die nun stille Möbelausstellung des Museums Wasserburg, sehen sie den Frühling an allen Ecken und Enden.

Es blüht und grünt. Vögel tummeln sich, Schäfer führen ihre Schafe auf die Weide und Schwalben bauen ihr Nest. Die Möbel des Bauernbarocks sind über und über bemalt mit Blumen und Herzen.

Sie zeigen die vier Jahreszeiten, beginnend mit dem Frühling, oder tragen religiöse Motive wie den guten Hirten oder die Maibuschen, die in den Kirchen die Altäre zieren. So vereinen sie religiöse und weltliche Motive. Diese Möbel sind ein Bilderbuch oberbayerischer Kulturgeschichte und der Volksfrömmigkeit. Sie erzählen, was den Menschen vergangener Jahrhunderte wichtig war, was sie erfreute, was ihnen Hoffnung gab, erläutert Museumsleiterin Sonja Fehler.

Ein Schrank von 1831 zeigt das Motiv des guten Hirten und der guten Hirtin. Die Darstellungen bringen die hingebungsvolle Liebe und Fürsorge von Christus und Maria zum Ausdruck. Schon im Alten Testament taucht das Motiv des Hirten auf, der sich aufopferungsvoll um seine Tiere kümmert, sie liebt und schützt. Im Psalm 23, dem Hirtenpsalm heißt es: „Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts Mangel“. Das Hirtenmotiv bezieht sich an dieser Stelle auf Gott. Jesus sagt von sich selbst im Johannes- Evangelium: „Ich bin der gute Hirte“ und führt aus: Der gute Hirte kennt die Schafe und ruft sie einzeln beim Namen. Die Schafe erkennen ihn an der Stimme.

Das Bild des Hirten war auch den Menschen hierzulande geläufig und Teil der Lebensrealität. Die Schäferdichtung der Renaissance und des Barock idealisierte das Leben der Hirten und machte es zum Sujet der bildenden Kunst. Im 18. Jahrhundert wurde auch Maria als gute Hirtin vereinzelt dargestellt.

Zeigen, was manhat und es sichschön machen

In der oberbayerischen Volkskunst, für die die Marienverehrung von großer Bedeutung war, wurde dieses Motiv sehr beliebt. Die Heiligen sind nicht nur Sinnbilder der Hoffnung. Ihr Abbild sollte auch Schutz bieten, Verehrung zum Ausdruck bringen.

Die Möbel wurden häufig als Brautausstattung für eine Hochzeit angefertigt und in der guten Stube aufgestellt. Man wollte es sich schön machen, zeigen, was man hatte. Der Bauernbarock setzte zur Zeit des Klassizismus im ausgehenden 18. Jahrhundert ein. Er war eine Gegenbewegung zu den nüchterner werdenden Kirchen und öffentlichen Bauten. Die Menschen holten sich den Reichtum der Kirchen nach Hause.

Bis auf Weiteres ist das Museum Wasserburg wegen der Corona-Pandemie geschlossen. re

Kommentare