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Vandalismus

Kopf abgetrennt: Lebensgroße Brunnenstatue „Trauerndes Mädchen“ in Rott schwer beschädigt

Das trauernde Mädchen – Friedensmahnmal in Rott – wurde am Wochenende schwer beschädigt. Polizei und Gemeinde suchen nach den bisher unbekannten Vandalen. 500 Euro Belohnung sind ausgesetzt.
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Das trauernde Mädchen – Friedensmahnmal in Rott – wurde am Wochenende schwer beschädigt. Polizei und Gemeinde suchen nach den bisher unbekannten Vandalen. 500 Euro Belohnung sind ausgesetzt.
  • Petra Maier
    VonPetra Maier
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Bürgermeister Daniel Wendrock aus Rott ist schockiert: „Die lebensgroße Brunnenstatue wurde aus ihrer Verankerung heraus gerissen und im Wasser versenkt, der Kopf des Denkmals wurde dabei vom Rumpf abgetrennt.“ Die Wasserburger Polizei ermittelt, die Gemeinde hat 500 Euro Belohnung ausgesetzt.

Rott – Unbekannte haben am Wochenende, 24./25. April, das Denkmal des „Trauernden Mädchens“ im Umfeld des Rotter Kriegerdenkmals zerstört. Bürgermeister Daniel Wendrock (parteilos) ist schockiert: „Die lebensgroße Brunnenstatue wurde aus ihrer Verankerung heraus gerissen und im Wasser versenkt, der Kopf des Denkmals wurde dabei vom Rumpf abgetrennt.“ Umgehend erstattete der Bürgermeister Anzeige bei der Polizei in Wasserburg. Dort wurden die Ermittlungen aufgenommen.

500 Euro Belohnung für Hinweise, die zu den Tätern führen

Diese sinnlose Tat will der Bürgermeister nicht auf sich beruhen lassen. „Das werden wir nicht hinnehmen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Gemeinde schätzt, dass der entstandene Schaden in die Tausende geht. Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat beitragen, hat die Gemeinde einen Betrag von 500 Euro ausgelobt.

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Die Statue, für die eine junge Rotterin Modell gestanden hatte, so der Bürgermeister, wurde vor beinahe 90 Jahren vom Katzbacher Bildhauer Otto Hohlt geschaffen. Sie stellt ein in Trauer zusammengesunkenes Mädchen dar. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Statue im Ensemble der Kriegerdenkmäler aufgestellt: ein kleines Mädchen, das um seine Familienangehörigen trauert, als Symbol der Trauer für die Opfer beider Weltkriege.

Mahnmal für den Frieden wurde zerstört

Es steht in Rott als Mahnmal für den Frieden. Und auch deshalb will der Bürgermeister diesen Vandalismus nicht ungestraft lassen: „Den Tätern muss bewusst sein, dass sie nicht nur eine schwere Sachbeschädigung begangen haben, sondern sich auch an der Erinnerung an die Opfer der Kriegskatastrophen des 20. Jahrhunderts, die auch unsere Gemeinde so zahlreich zu beklagen hat, vergriffen haben. Wir werden alles tun, um diese Tat aufzuklären, um die Verantwortlichen auch mit vollem Schadenersatz zur Rechenschaft zu ziehen.“

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Leider wurde die Statue nicht zum ersten Mal beschädigt. Altbürgermeister Georg Maier erinnert sich, dass sich im Jahr 2007 schon einmal unbekannte Täter an der Friedensskulptur in Rott vergriffen hatten. Damals habe man auch eine Belohnung ausgesetzt, „aber die Polizei hat niemanden ermitteln können“, bedauert das ehemalige Gemeindeoberhaupt noch heute.

Er hat sich den Tatort gestern noch einmal angesehen. „Da braucht es schon wirklich Gewalt, um die Figur vom Sockel zu kippen“, meint er und vermutet, dass es vielleicht sogar mehrere Täter gewesen sein müssten.

Polizei und Bürgermeister gesprächsbereit

Bürgermeister Wendrock bittet um Hinweise – auch vertraulich – unter Telefon 0 80 39/9 06 80 und ist zu einem persönlichen Gespräch mit Hinweisgebern bereit. Die Polizei in Wasserburg erreichen Zeugen unter Telefon 0 80 71/ 9 17 70.

Bildhauer Otto Hohlt (1889 bis 1960) gründete in Rott eine Künstlerfamilie

Eigentlich wollte der Bildhauer Otto Hohlt er mit seiner Frau Margarete nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs von Norddeutschland nach Italien auswandern, doch dann verliebten sie sich in Katzbach in ein altes Bauernhaus. Sie bauten es aus und gründeten die erfolgreiche keramische Werkstatt Hohlt.

„Über mehrere Jahrzehnte ein fester Begriff in der europäischen Kunstkeramik- Szene. Und ein Treffpunkt von Künstlern: Eugen Roth war oft zu Gast („Alle Hohlts mit Leib und Seele ich dem Himmel anempfehle“), der Maler Arnold Balwe, der Grafiker Emil Preetorius, die Keramiker Toni Stadler und Priska von Martin und viele viele Andere“, so schreibt Matthias Fanck im Anzeiger der Ornithologischen Gesellschaft Bayern.

Die „Werkstatt Hohlt“ wurde zu einer Marke und erhielt Auszeichnungen und Preise. Otto Hohlt hatte in München bei Wilhelm von Debschitz und Franz von Stuck Malerei studiert. Die Ausbildung der beiden Söhne Albrecht und Görge geschah unorthodox und eher autodidaktisch. Eine klassische handwerkliche Lehre absolvierten sie nicht, die Gesellenprüfung erfolgte an der Akademie der Künste in München.

Albrechts Arbeitsweise in der Werkstatt war exzessiv, so sagt man. 1956 wurde bei ihm die Diagose Krebs gestellt. Nach dem Tod des Bruders und Vaters im selben Jahr 1960 übernahm Görge ab 1965 die Werkstatt. Seine überwiegend gedrehten Objekte aus Steinzeug und Porzellan sind Variationen und Weiterentwicklungen von Gefäßen, die ihre Verwandtschaft zu den älteren Stücken erkennen lassen. Das keramische Schaffen von Görge Hohlt endete 2011.

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