Trauer um die „Wirts-Christl“ von Perfall

Christine Attenberger an ihrem 90. Geburtstag: Sie feierte ihn natürlich in ihrem früheren Wirtshaus. privat

Vor wenigen Tagen verstarb Christine Attenberger, geborene Aringer, aus Perfall, Gemeinde Eiselfing, im Alter von 92 Jahren. Die Beerdigung fand aufgrund Corona im engsten Familienkreis statt – im Beisein von Pfarrer Thomas Weiß, der mit der christlichen Glaubens- und Hoffnungsbotschaft den Angehörigen tröstende Worte gab.

Eiselfing – Christl Attenberger wurde 1928 auf dem Lindlmaier-Hof in Osenaham in der früheren Gemeinde Aham geboren. Sie wuchs als jüngstes Kind der Familie – sie hatte zehn ältere Schwestern und Brüder – zunächst wohlbehütet auf dem Bauernhof ihrer Eltern auf. Ihre Jugendzeit verlief sehr tragisch, denn bereits mit zwölf Jahren verlor sie ihre Mutter, mit 16 Jahren auch ihren Vater. Als Vollwaise kümmerten sich nunmehr fürsorglich ihre älteren Geschwister um sie.

Später begann sie eine Ausbildung zur Köchin im damaligen Bruckbräu in Wasserburg. Weiter war sie dann als Köchin bei einer Fabrikanten-Familie am Tegernsee und auf Schloss Grüningen in Baden-Württemberg tätig.

Ihren späteren Ehemann Franz Attenberger aus Perfall kannte sie bereits aus der Schulzeit in Eiselfing. Im Jahr 1958 heirateten Christl und Franzl. Die Hochzeitsfeier fand in der eigenen, damaligen „Tafernwirtschaft Perfall“ statt.

Mit der Heirat musste sich Christl Attenberger auch in die neue Rolle als Gastwirtin hineinfinden, in der sie sich aber sehr schnell und gut zurechtfand – dank ihrer Ausbildung, Arbeitserfahrungen und aufgrund ihrer starken Persönlichkeit.

Als „Wirts-Christl“ in Eiselfing und Umgebung allseits bekannt, war sie den Gästen immer eine gute Wirtin. Als politisch und gesellschaftlich interessierte Frau sagte sie offen und geradeheraus ihre Meinung. Sie war eine geschätzte Unterhalterin am Stammtisch und – soweit sie Zeit hatte – machte sie gerne ein paar Kartenspielrunden mit.

Neben den vielen Aufgaben in der Gastwirtschaft, war auch noch die Arbeit in der kleinen Landwirtschaft zu erledigen. Der Zusammenhalt in der Familie gab die Kraft, dies alles zu bewerkstelligen.

Anfang der 90er Jahre wurde neben dem Gasthof ein Wohnhaus errichtet und die Wirtschaft an Pächter vergeben.

Aus der glücklichen Ehe gingen vier Töchter, Christine, Margit, Rosmarie und Monika, hervor. Ein sehr schwerer Schicksalsschlag war es für Christine Attenberger und die Familie, als die älteste Tochter Christine 1991 bereits mit 41 Jahren nach schwerer Krankheitverstarb. Den beiden Enkelsöhnen Markus und Klaus war sie fortan nicht nur Oma, sondern auch eine Art Ersatzmutter. Tragisch war für sie auch der frühe Tod ihres geliebten Mannes Franzl 1997 im Alter von 70 Jahren. In der Zeit des Ruhestandes wurde sie hauptsächlich von Tochter Monika liebevoll umsorgt und begleitet.

In der Freizeit widmete sie sich dem Gemüse- und Blumengarten oder spielte gerne Rommé mit ihrer Freundin und Familienmitgliedern. Mit großer Freude nahm sie an Geselligkeiten wie Seniorennachmittagen, Ausflügen und Geburtstagsfeiern teil. Stets hatte sie auch einen lustigen Spruch parat. Den Lebensabend verbrachte sie im Zuhause in Perfall, wo sie von den Kindern und Enkelkindern zusammen mit den zehn Urenkeln stets gerne besucht wurde, worüber sie sich immer besonders freute. re

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