Nachruf

Pendler zwischen Oberbayern und Afrika: Trauer um Tierarzt Ulrich Schneider (71) aus Gars

Dr. Ulrich Schneider bei einem seiner Einsätze als Tierarzt in Afrika. Auf dem Auto steht die Aufschrift: „No Boundaries“, auf deutsch:„Keine Grenzen“.
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Dr. Ulrich Schneider bei einem seiner Einsätze als Tierarzt in Afrika. Auf dem Auto steht die Aufschrift: „No Boundaries“, auf deutsch:„Keine Grenzen“.
  • vonBruno Münch
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Als Pendler zwischen Afrika und Oberbayern bewahrte sich der beliebte Veterinärmediziner stets seine große Neugier für das Leben. Forschung und Tiermedizin profitierten von seinem umfangreichen Wissen. Mit fesselnden Geschichten begeisterte er seine Zuhörer.

Gars – Nach langer, mit großer Würde ertragener Krankheit verstarb im Alter von 71 Jahren der bekannte und hochgeschätzte Veterinärmediziner Dr. Ulrich Schneider, der bis 2013 in der Tierarztpraxis Gars mitpraktiziert hatte und bis 2014 als amtlicher Tierarzt für den Landkreis Mühldorf tätig war.

1949 in Wuppertal geboren, entwickelte Schneider, ein Nachkomme bäuerlicher Vorfahren aus dem Waldecker Land, schon als Junge durch Besuche bei Verwandten besonderes Interesse für Landwirtschaft und Tiere auf dem Bauernhof. So entstand in ihm der Wunsch, Großtierarzt zu werden, den er sich nach dem Abitur mit 17 Jahren und nach einem Tierarztstudium in München und Zürich mit dem Staatsexamen im Jahr 1972 erfüllte.

Promotion zum Thema Umweltschutz

Nach erster Tätigkeit in der Schweiz promovierte er 1976 in München über ein damals noch eher seltenes Thema zum Umweltschutz: Er untersuchte die Kontamination einheimischer Vögel mit Chlorkohlenwasserstoffen und Pestiziden.

Danach spezialisierte er sich durch ein Studium der Tropenveterinärmedizin in Berlin und war von 1976 bis 1978 Distriktveterinär in Botswana im südlichen Afrika. Dort war er für die Seuchenkontrolle und die Tiergesundheit zuständig. Bis 1983 schlossen sich weitere Einsätze für die GTZ (Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) in weiteren Ländern Afrikas an, in denen er auch für Nahrungssicherungsprogramme zuständig war.

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Für Dr. Schneider, der sich in der Weite der Landschaft, der großartigen Fauna und Flora und auch bei den Menschen Ostafrikas zu Hause fühlte, waren die Jahre in Afrika sehr prägend – sowohl in seinem Verhältnis zur Natur und ihrem Schutz als auch in einem neu gewonnenen Verständnis der sogenannten „Unterentwicklung“ afrikanischer Länder. So oft er konnte, kehrte er nach Afrika zurück, das er als seine „wahre Heimat“ ansah und dem ein Teil seiner Seele für immer gehörte.

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Seine Empfindungen für den Kontinent seiner Sehnsucht fand Dr. Schneider in einem Zitat des britischen Journalisten Brian Jackman wiedergegeben: „Afrika verändert dich für immer. Wenn du einmal da warst, wirst du niemals mehr derselbe Mensch sein. Vielleicht liegt es daran, dass Afrika der Ort unserer aller Anfänge ist, die Wiege der Menschheit, wo sich vor langer Zeit zum ersten Mal Spezies in der Savanne aufgerichtet haben.“

Endgültige Rückkehr nach Deutschland im Jahr 2000

Aus privaten Gründen 1983 wieder nach Deutschland zurückgekehrt, baute Dr. Schneider im Nordschwarzwald eine Tierarztpraxis auf, engagierte sich im Tierschutz und war als Stadttierarzt für einen Schlachthof zuständig. 1996 wechselte er erneut nach Afrika, um sich in Kenia eine Existenz aufzubauen, kehrte aber im Jahr 2000 endgültig nach Deutschland zurück.

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Zunächst wollte er nicht mehr in einer Praxis arbeiten, doch mit einem Kollegen eine kurative Großtierpraxis in Gars Bahnhof zu betreiben, war für Dr. Schneider dann doch eine attraktive Perspektive. Durch Zusammenlegung mit zwei weiteren Praxen entstand bald eine große und erfolgreiche Praxis mit mehreren angestellten Tierärzten und Praxispersonal, die Bauernhöfe und Kleintierbesitzer im Umkreis von Gars versorgten. Von 2001 bis 2014 war Dr. Schneider auch als amtlicher Tierarzt im Landkreis Mühldorf für die Schlachttier- und Fleischuntersuchung zuständig.

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Nachdem die Landwirte ihr erstes Fremdeln mit dem Doktor aus „Preußen“ abgelegt hatten, konnte dieser bald durch Fleiß, Wissen, Humor und seine großherzige Art die Zuneigung vieler gewinnen. Auch landkreisweit erwarb er sich durch gewissenhafte Arbeit, große Fachkompetenz und durch seine Persönlichkeit hohe Wertschätzung.

Seine Arbeit machte ihm Freude, und er liebte es, morgens auf dem Weg zu einem Hof auf einem Hügel anzuhalten, die Landschaft im Morgenlicht zu betrachten und den Flug der Vögel zu verfolgen.

Begnadeter, einfühlsamer Erzähler

Als begnadeter Erzähler verstand er es, Menschen mit vielen Geschichten aus seinem Leben als Tierarzt in Afrika zu fesseln. Auf den ersten Blick ein lustiger Unterhalter, war er bei näherem Kennenlernen aber auch ein empfindsamer und etwas melancholischer Mann, den ein offener, neugieriger Blick auf das Leben auszeichnete. Großherzig und einfühlsam ließ er sich vom Leid anderer, der Menschen wie der Tiere, ansprechen und half, wo er nur konnte. Diese Eigenschaften bescherten ihm viele Freunde und herzlich zugewandte Menschen.

Im Jahr 2013 musste er sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Praxisarbeit und aus seiner Tätigkeit als amtlicher Tierarzt des Landkreises zurückziehen. Alle, die ihn im weiten Umkreis kannten, werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

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