Trauer um Franziska Schöberl aus Reichertsheim

Franziska Schöberl

Viele Höhen und Tiefen durchlebte die Mutter von 6 Kindern – 13 Enkel und 11 Urenkel erfreuten die 92-Jährige

Reichertsheim Franziska Schöberl senior lebte in Rottenstett in der Gemeinde Reichertsheim. Wegen der Corona-Pandemie wurde sie im kleinen Familienkreis in Ramsau beigesetzt. „So bescheiden wie sie im Leben war, so bescheiden müssen wir hier von ihr Abschied nehmen“, sagte Diakon Andreas Klein mit den Worten ihrer Schwester Resi.

Als Franziska Binsteiner kam sie in Zulehen am 18. Dezember 1927 zur Welt und wuchs mit 4 Brüdern als Zweitälteste auf dem elterlichen Hof auf. Schon früh musste sie in Haus und Hof mithelfen und für die jüngeren Geschwister Verantwortung übernehmen.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Während der NS-Zeit wurde Fanny wöchentlich wie viele andere Mädchen aus der Umgebung mit dem Zug von Haag nach Mühldorf zum „Bund deutscher Mädels“ transportiert. Ziel war die Erziehung im Sinne des Hitlerregimes und sportliche Betätigung. Große Angst bereiteten ihr die Bomber der Alliierten und der Einmarsch der amerikanischen Soldaten.

Später besuchte sie mit Begeisterung die Winter- beziehungsweise Hauswirtschaftsschule in Wasserburg. Bis zu ihrer Hochzeit arbeitete Fanny in der elterlichen Landwirtschaft. 1955 heiratete sie den Landwirt Johann Schöberl vom Nachbarhof Rottenstett. Die beiden bekamen 6 Kinder – 3 Söhne und 3 Töchter.

Als Bäuerin arbeitete sie im Stall und auf dem Feld mit. Als ihr Ehemann Hans 1970 einen Kies- und Baggerbetrieb gründete, kamen weitere Arbeiten auf sie zu. Ihr ist es auch zu verdanken, dass trotz der Erweiterung des Gewerbebetriebes das Milchvieh am Hof nicht aufgegeben wurde.

Lesen Sie auch: Gottesdienste während Corona

Fanny musste aber auch schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Die jüngste Tochter Fanny starb mit 22 Jahren. 2007 folgte mit fast 78 Jahren ihr Ehemann. Sohn Anton starb 2011.

1990 wurde der landwirtschaftliche Betrieb an den ältesten Sohn Hans übergeben und der Gewerbebetrieb nach Birkmaier ausgesiedelt, wo ihn ab 1998 Sohn Anton weiterführte. Für Fanny wurde die Arbeitsbelastung weniger. Ausgerechnet jetzt bedurfte sie einer Herzoperation.

Das könnte Sie auch interessieren: Fertigstellung des Reichertsheimer Rathauses rückt näher

Im Jahr 1983 heiratete ihr Sohn und eine junge Bäuerin zog nach Rottenstett. Fanny ließ der Schwiegertochter stets freie Hand. Diese sorgte die letzten Jahre gut für ihre Schwiegermutter. Fanny kümmerte sich gern um ihre 3 Enkel auf dem Hof. Sogar für das begleitete Fahren ihrer Enkeltochter war sie eingetragen – und genoss es. Fast bis zum 90. Lebensjahr fuhr sie selber unfallfrei mit dem Auto. Zuletzt aber nur noch über den Dachberg nach Ramsau.

Insgesamt freute sich Fanny über 13 Enkel und 11 Urenkel. An Seniorenausflügen und –nachmittagen nahm sie viele Jahre mit Freude teil. Im Krankenhaus Mühldorf starb sie an den Folgen einer Lungenentzündung mit normaler Influenza im Beisein ihrer Angehörigen. Zum heiligen Seelengottesdienst für die Verstorbene wird zu gegebener Zeit eingeladen. aw

Kommentare