Tiny-House in Ried: „So nicht“, sagt der Pfaffinger Gemeinderat

Der Ortsteil Ried als „sensibles Gebilde“.
+
Der Ortsteil Ried als „sensibles Gebilde“.
  • vonKarlheinz Günster
    schließen

Etwas ratlos und ohne Perspektive blieb eine Antragstellerin in der Pfaffinger Gemeinderatssitzung zurück, die in ihrem Garten ein sogenanntes mobiles Tiny-House, ein Mini-Haus auf Rädern, aufstellen möchte. Bauausschuss und jetzt Gemeinderat sagten: „Nein.“

Pfaffing – Optimistisch erklärte die Antragstellerin dem Gemeinderat in Pfaffing ihr Vorhaben. Sie treffe die derzeitige Corona-Krise als Flugbegleiterin und somit erhoffe sie sich mit diesem Haus „ein 2. Standbein“. Denn das könne sie vermieten, immerhin biete Pfaffing landschaftliche Reize für einen Urlaub. Der Bauausschuss, in dem das Anliegen zuerst behandelt wurde, konnte sich so ein Haus grundsätzlich vorstellen, kam aber zu dem Ergebnis, dass das Vorhaben dem Bebauungsplan widerspreche, weil es keinen Bauraum dafür gebe.

Gleichgewicht der Bebauung erhalten

Eine sogenannte isolierte Befreiung von den Festsetzungen sei nicht möglich, wenn überhaupt, dann eine Änderung des Bebauungsplans. In diesem Verfahren sei dann gleich ein 2. Bauraum für so ein Haus einzuzeichnen, wünschte sich die Antragstellerin.

Lesen Sie auch: Wasserburger Geschäftswelt schwankt zwischen Hoffen und Bangen

Der Gemeinderat lehnte das in seiner Sitzung jedoch bei 11 gegen 6 Stimmen ab. Der Grund sei, erklärte Bürgermeister Josef Niedermeier (FWF), dass es im Ortsteil Ried eine besondere Zusammensetzung aus Wohnen und Landwirtschaft gebe, die bisher offenbar einiges an Verhandlungsgeschick mit Stellungnahmen, Bedenken und Gutachten bedurfte. Dieses Gleichgewicht sei zu erhalten, sonst trete man etwas los, befürchtete er. Weitere Bauwünsche könnten folgen.

Tiny-House ein "interessantes" Vorhaben

Niedermeier erwähnte zudem die Verkehrsbelastung der Stichstraße bei einer unübersichtlicher Einmündung, ein vorhandenes Fahrtrecht, die grundsätzliche Festlegung von 3 Wohneinheiten je Gebäude und einen möglichen Bezugsfall dafür.

Andererseits bezeichnete er das Vorhaben als „interessant“, doch er stellte fest: „Unsere Beratungen dazu sind noch nicht weit genug fortgeschritten“.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Bei schweren Unfälle im Raum Wasserburg ist oft Alkohol im Spiel

Verwaltungsleiter Christian Thomas ergänzte, dass man damals in Ried „bewusst nur 3 Wohneinheiten zugelassen“ habe. Eine Änderung könnte „ein Gefüge ins Wanken bringen“, befürchtete auch er.

Nachverdichtung ja, aber nicht dort

Das sahen nicht alle Räte so, denn in den letzten 10 Jahren habe sich eben einiges verändert, „so was kann man immer hinterfragen“, befand Gemeinderätin Elisabeth Gralka (UBG) und Gemeinderat Tobias Forstner (ÜWG) fragte, warum das Verfahren nicht durchzuführen sei, wenn das Risiko alleine beim Antragsteller liege. Zudem sei es lediglich eine Nachverdichtung. Platz sei auf dem Grundstück genügend vorhanden.

Gemeinderat Klaus Wagenstetter (FWF) kannte offenbar die Problematik, denn es sei „an den Abstand zum Bauern zu denken“, meinte er. Grundsätzlich habe er nichts gegen Nachverdichtung, „aber nicht dort“, das sei ein „sensibles Gebilde“.

Das Konzept vom Tiny-House:

Das Tiny-House, oder auf deutsch winziges Haus, hat seinen Ursprung in den USA und ist eine gesellschaftliche Bewegung für ressourcenschonendes Bauen. Der Haustyp ist ein Gegenentwurf zum allgemeinen Trend der vergangenen Jahrzehnte, Wohnungen größer zu gestalten, um angehäufte Güter unterzubringen oder als Demonstration des eigenen Wohlstands, leider aber auch bei steigendem Flächenverbrauch.

Kommentare