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So sieht die Zukunft aus

Theater Wasserburg: Was der neue Chef nach dem Tod von Uwe Bertram plant

Vier von zehn Angestellten der Theater Wasserburg GmbH in ihrem Büro (von links): Constanze Dürmeier, Annett Segerer, Nik Mayr und Regina Alma Semmler.
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Vier von zehn Angestellten der Theater Wasserburg GmbH in ihrem Büro (von links): Constanze Dürmeier, Annett Segerer, Nik Mayr und Regina Alma Semmler.

Warum das Wasserburger Theater nun die Rechtsform einer GmbH hat und wie Geschäftsführer Nik Mayr nach dem Tod von Theaterleiter Uwe Bertram in die Zukunft schaut.

Wasserburg – Es geht weiter mit Theater in Wasserburg: Zum 1. Januar 2023 nimmt die neu gegründete „Theater Wasserburg GmbH“ ihre Geschäfte auf. Nach dem Tod von Theaterleiter Uwe Bertram (wir berichteten) ist Nik Mayr, Schauspieler und Regisseur, nun auch Geschäftsführer des Hauses. In einem Interview geht er auf die Eckpunkte ein, die er in seinen „Perspektiven im Rahmen der Neugründung“ bereits öffentlich dargelegt hat.

Herr Mayr, Sie haben gemeinsam mit acht weiteren Ensemblemitgliedern und dem wirtschaftlichen Berater des Hauses, Peter Dörr, die „Theater Wasserburg GmbH“ gegründet. Was waren die Gründe dafür?

Nik Mayr: Das war in erster Linie eine Formsache. Wir haben nach einer Geschäftsform gesucht, in der wir alle angestellt sein können, und uns für eine GmbH entschieden. Sie liefert die Rechtsgrundlage dafür, dass wir weiterarbeiten können.

Wie werden sich Veränderungen im Haus niederschlagen?

Mayr: Dass sich der Fokus ein bisschen verändern wird. Auf der einen Seite sind wir wahnsinnig dankbar für den Weg, den wir mit dem Uwe (Bertam) gegangen sind. Auf der anderen Seite: Wenn wir hier nur erinnern, wie wir mit Uwe Theater gemacht haben, dann wird das Theater alt. Das hätte auch Uwe nicht so gewollt. Wir machen weiter. In seinem Sinne.

Weitermachen in Bertrams Sinne - geht das überhaupt?

Mayr: Der eine Sinn ist, dass wir den Teamgeist erhalten wollen. Der zweite Baustein ist, das Weitermachen des Theaters „heutig“ zu halten. Mit den Texten umzugehen, die wir als Gesamterbe auf der Welt haben, und die alten Themen, die nicht gelöst sind - das alles lebendig halten. Es ist zumindest ein Ehrgeiz, der Uwe sehr nah war. Wir sind mehr daran interessiert, uns gesellschaftlich-politisch zu äußern, als ein Unterhaltungsprogramm aufzustellen – und werden dafür auch nicht gefördert.

In der „Perspektive im Rahmen der Neugründung“ sprechen Sie von sich selbst als „Einer von zehn“ - wie viel Programmatisches steckt in dieser Definition?

Mayr: Die GmbH hat jetzt zehn Angestellte, sechs davon in Teilzeit (die Schauspieler): Dass die Sozialversicherungen gezahlt sind, dass sie ihre Miete zahlen können. Das ist ein Luxus, den wir haben, obwohl wir ein Privattheater sind. Wir haben zum Start dieser neuen GmbH gesagt, dass wir erst mal alles auf die verteilen, die hier arbeiten. Wir machen jetzt mal alles für unsere Künstler.

Sie schreiben, dass das Theater für das Ensemble ein Zuhause ist oder sein soll. Wie kann es für das Publikum ein Zuhause sein?

Mayr: Theater machen wir, weil es live ist. Ohne Publikum geht es nicht. Da existieren wir nicht. Wir müssen ein Verhältnis dazu finden: Was bewegt unser Publikum? Was ist unser Radius, in dem wir Kunst machen? Wenn wir das erwischen, ist das ein geistiges Zuhause. Für manche Leute. Weil sie einen Ort haben, wo sie hingehen können, über andere Themen reflektieren. Dann ist es abseits von Unterhaltungsprogramm auch ein Ort, wo man dem Alltag entkommt, weil man über den Alltag anders reflektieren kann.

Worauf freuen Sie sich?

Mayr: Über die nächste Spielzeit zu reden. Zu hören, was die Themen bei den anderen sind, welche Stücke. Zum Werther bin ich ja auch so gekommen: Ich saß im Biergarten mit (den Schauspielern) Rosalie Schlagheck und Carsten Klemm, die haben sich über ihre Eltern unterhalten. Der Carsten ist über 60, die Rosalie Mitte 20.

Auf die Art und Weise, den Werther zu erzählen bin ich über das Gespräch zwischen diesen beiden gekommen. Das war die Inszenierung, wo ich gemerkt habe: Das ist die Art und Weise, wie ich mit den Schauspielern umgehen will in den nächsten Jahren. Ich muss das ja auf meine Art und Weise machen, ich bin ja ein anderer Typ als der Uwe. Und vor allem als Regisseur. Da sind die Autoritätsverhältnisse noch andere als in einer Kollektivarbeit im Büro oder bei der Spielplanfindung.

Also, am meisten freuen Sie sich auf die Regiearbeit?

Mayr: Ja, und da muss ich ein bisschen aufpassen. Ich habe immer weniger gespielt am Haus, auch aufgrund der Aufgabenverteilung. Das wird eine Weile so bleiben, aber ich werde schon versuchen zu spielen. Das wird sich für mich verändern: Dass ich aufpassen muss, dass der Laden läuft. Gerade kümmern sich Constanze Dürmeier, Regina Alma Semmler und ich uns um den Umstieg der Firma. Zu Annett Segerer haben wir gesagt: Du machst Kunst. Du bereitest „Die Präsidentinnen“ vor, für das Frühjahr. Und danach mach ich was, und dann sie wieder. Dann funktioniert das Kollektiv wieder.

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Wo sehen Sie das Theater Wasserburg in drei Jahren?

Mayr: Wir haben uns dieses halbe Jahr als Probezeit gegeben. Ab September geht die erste neue Spielzeit los. Ende des Jahres wissen wir: Wie lief das mit unserer Kostenrechnung, wie war der Zuspruch, haben wir Luft nach oben?

Dass wir mit Gastregisseuren arbeiten können, mit Gastschauspielern. Dann können wir die nächsten Schritte angehen, ein Open-Air machen, das sind Riesen-Kostenpunkte, gemeinsame Produktionen - das ist 2024/25, oder so. Erst mal setzen wir den Fokus auf die Künstler. Was dann passiert, wie sich das entwickelt, das weiß ich alles nicht. Aber wachsen soll‘s.Regine Falk

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