„Die Kinder leiden“

Private Kita-Trägerin Svetlana Drubel aus Babensham fühlt, was Kinder brauchen

Wünscht sich, dass die Welt für die Kinder bald wieder normal funktioniert: Svetlana Drubel von der Kita in Babensham.
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Wünscht sich, dass die Welt für die Kinder bald wieder normal funktioniert: Svetlana Drubel von der Kita in Babensham.
  • Winfried Weithofer
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Auch im Lockdown hat Svetlana Drubel viel zu tun: Die 49-Jährige ist private Trägerin der Kita in Babensham. Um die Mädchen und Buben sorgt sie sich in diesen Zeiten sehr, denn vielen würde das Spiel mit Altersgenossen fehlen. „Die Kinder leiden.“

Babensham – Nichts wünscht sie sich dringender als eine wieder normal funktionierende Welt für die Kleinen, aber auch in Babensham ist in der Corona-Zeit nur eine Notbetreuung möglich. Das 18-köpfige Team von Svetlana Drubel sorgt sich in der Gemeinde um insgesamt 88 Kinder, die in verschiedene Gruppen eingeteilt sind. Die größten Sorgen macht sie sich um Flüchtlingsfamilien, deren Nachwuchs dringend das Spiel mit anderen Kindern braucht. „Die Kinder leiden“, sagt Drubel. „Sie leiden, weil sie keinen Kontakt zu anderen Kindern haben. Und sie brauchen einfach ihre Tagesstruktur.“ In den Wohncontainern gehe es ihnen gewiss nicht gut.

Hoffen auf die Zeit nach dem Lockdown

Drubel klammert sich an die Hoffnung, dass es nach dem Lockdown so läuft wie im Frühjahr 2020: „Damals haben sich die Kinder sehr schnell wieder bei uns eingewöhnt.“ Die 49-Jährige ist herzlich, tüchtig und lebenserfahren, neben der Tätigkeit in der Kita arbeitet sie auch noch als hauptamtliche Geschäftsführerin des Vereins Schu-Mi, der sich die Mittagsbetreuung von Schulkindern zur Aufgabe gemacht hat. Zurzeit aber läuft alles auf Sparflamme.

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Wie hat es sie in die kleine oberbayerische Gemeinde verschlagen? „Im Jahr 2000 habe ich in München gerade mein zweites Kind bekommen, und irgendwie stellte ich mir mit meinem Mann damals die Frage, ob wir uns nicht in Richtung Land orientieren sollen“, erzählt Svetlana Drubel. Mit dem beruflichen Wechsel des Familienvaters nach Rosenheim fiel die Entscheidung: Der neue Lebensmittelpunkt sollte im 30-Kilometer-Umfeld sein. In Babensham fand die junge Familie erst in einem Bauernhof ein neues Zuhause, dann kauften sie ein Haus im Ort.

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Auf die Welt kam Svetlana in Augsburg, den überwiegenden Teil ihrer Jugend verbrachte sie in Bosnien-Herzegowina. Dort, in der Nähe von Banja Luka im ehemaligen Jugoslawien, ging sie zur Schule, machte Abitur, absolvierte eine Ausbildung zur veterinärtechnischen Assistentin. Anfang der 90er Jahre begann sie ein Studium – Politikwissenschaften und Medizin – erst in Zagreb, dann in Belgrad.

Sehr gut im Dorf aufgenommen

Das währte aber nicht lange. Wegen des Kriegs flüchtete sie im Sommer 1992 nach Deutschland – ganz allein. In Augsburg fand sie Aufnahme bei einer befreundeten Familie und verdiente ihren Lebensunterhalt zunächst als Wurstverkäuferin in einem Supermarkt. Tierärztin werden – dieser Traum sollte nicht in Erfüllung gehen. 1998 kam ihr erstes Kind auf die Welt, zwischen 2000 und 2007 drei weitere.

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In Deutschland fühlte sie sich im Lauf der Jahre immer mehr zu Hause. „Ich bin sehr gut von den Leuten aufgenommen worden“, sagt sie im Rückblick. „Bosnien ist ein Teil von mir, aber ich habe mich nie nur mit den Menschen aus meiner alten Heimat zusammengetan, sondern habe sehr gute Freunde aus allen möglichen Ländern gefunden.“ Sie fügt hinzu: „Den Menschen von Babensham verdanke ich, dass ich hier eine zweite Heimat gefunden habe.“ Svetlana Drubel wurde eine hochgeschätzte Mitbürgerin des Ortes.

Seit 2007 gilt ihr ganzes Augenmerk dem Wohl der Kinder. Mit einer Freundin gründete sie zu dem Zweck den Verein Schu-Mi, der sich in den Anfangsjahren ganz auf die Mittagsbetreuung konzentrierte. „Das Angebot ist hier im Dorf sehr gut angenommen worden, nach einem Jahr hatten wir schon zwei Gruppen.“

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2010 sei dann Bürgermeister Josef Huber auf sie zugekommen mit der Bitte, eine Kinderkrippe zu gründen. Svetlana Drubel zögerte nicht lange: „Ja, ich mach’s“, sagte sie. Und zwar als private Trägerin – in dieser Funktion hafte sie „mit Haus und Hof“. Im Rathaus fand sich ein geeigneter Raum, drei Mitarbeiterinnen wurden eingestellt.

Die einstmals kleine Kinderbetreuung ist mittlerweile kräftig gewachsen. Sie umfasst drei Krippengruppen und zwei Gruppen mit Kindergartenkindern in der Natur-Kita, in der sich die Kinder hauptsächlich draußen austoben. Weitere Gruppen gibt es in der Grundschule Babensham und im Gymnasium Wasserburg.

Fiedlerhaus wird ausgebaut

Wobei Drubel als Verwaltungschefin die Kinder zu ihrem Bedauern kaum zu Gesicht bekommt. „Die Arbeit am Schreibtisch ist ein Vollzeitjob, auch im Lockdown gibt es genug zu tun“, sagt sie. In diesem Jahr wird das Fiedlerhaus, in dem künftig alle Kinder aus der Kita und der Ganztagsschule Platz finden, mit einem Millionenaufwand ausgebaut.

Den Ausgleich zum Beruf findet die 49-Jährige mit Fahrradfahren und Wandern. Im Sommer badet sie beinahe täglich im Penzinger See. Sie ist eine begeisterte Köchin, Eintöpfe gehören zu ihren Lieblingsgerichten. Cevapcici gibt’s im Sommer zum Grillen. „Mir geht es gut“, bekennt sie und lächelt. Das liege an ihrer Familie, an ihren Mitarbeitern und an ihren Freunden.

Fünf Fragen an Svetlana Drubel – kurz und Bündig

Wo verbringen Sie Ihre Urlaube?

Drubel: Gerne am Meer, in Kroatien oder Italien.

Was würden Sie gerne nochmal tun?

Drubel: Studieren. Und das Studium abschließen.

Worauf sind Sie stolz?

Drubel: Auf meine Familie.

Welches Buch lesen Sie gerade?

Drubel: „Muttertag“ von Nele Neuhaus. Ein Krimi.

Wann sind Sie an Ihre Grenzen gestoßen?

Drubel: Als ich wieder anfangen wollte zu arbeiten, es aber keine Kinderbetreuung für meine Kinder gab. Wodurch ich zu meinem jetzigen Beruf kam.

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