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Aus dem Amtsgericht

Sturzbetrunken durch Wasserburg: 43-Jähriger fährt 20 Kilometer Schlangenlinien

Zu viel Alkohol hatte ein 43-Jähriger intus und fuhr damit 20 Kilometer Schlangenlinien durch Wasserburg.
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Zu viel Alkohol hatte ein 43-Jähriger intus und fuhr damit 20 Kilometer Schlangenlinien durch Wasserburg.
  • VonChristl Auer
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20 Kilometer Schlangenlinien fuhr ein 43-jähriger durch Wasserburg. Nun musste er sich vor dem Amtsgericht verantworten.

Rosenheim/Wasserburg – Das Amtsgericht Rosenheim verurteilte einen 43-jährigen wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr, Widerstand und tätlichen Angriff auf Vollstreckungsbeamte und Beleidigung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung. Ein enggeschnürtes Abstinenzprogramm soll weiteren Straftaten unter Alkohol vorbeugen. Eine Geldauflage von 2000 Euro sowie eine Führerscheinsperre von 12 Monaten sollen die Ahndung spürbar machen.

Gefolgt aus Sorge um Gesundheit.

„Ich habe gedacht, der Fahrer vor mir hat einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall“, sagte ein 48-jähriger Rosenheimer. Er war am 7. Juni letzten Jahres mit seinem Pkw von Wasserburg in Richtung Rosenheim unterwegs. Ab dem Kreisel Priener Straße in Wasserburg fiel ihm ein vor ihm fahrender Pkw auf, der Schlangenlinien fuhr und dabei immer wieder auf die Gegenfahrbahn oder aufs Bankett kam. Erst nach etwa 20 Kilometern bog der Fahrer bei Lochen in ein Waldstück ein.

Aus Sorge um die Gesundheit und die Verkehrssicherheit sei er dem Fahrzeug gefolgt und habe die Polizei verständigt, sagte der Zeuge vor dem Amtsgericht Rosenheim. Als er den Mann in seinem Auto angesprochen habe, hätte er jedoch sofort gemerkt, dass der sturzbetrunken ist. Dann sei der Mann ausgestiegen und zu einer Bank gewankt. Die Aufzeichnungen einer Dashcam, die der Rosenheimer in seinem Fahrzeug montiert hatte, belegten seine Angaben.

Einen Atemalkoholtest habe der Beschuldigte verweigert und auch bei der späteren Blutentnahme erheblichen Widerstand geleistet. Daraufhin sei er in Gewahrsam genommen worden. In seiner Haftzelle habe er zweimal den Alarm ausgelöst, weil er versucht habe, seine Matratze durch die Gitterstäbe zu stecken. Und auch am nächsten Morgen sei er noch recht unkooperativ gewesen und habe den Polizeibeamten jegliche Rechte und Befugnisse der Maßnahmen abgesprochen, so die Polizisten. Das medizinische Gutachten ergab für den Tatzeitpunkt einen Alkoholwert von mindestes 2,08 Promille.

Angeklagter zeigt sich einsichtig und reumütig

Der Angeklagte gab sich vor Gericht einsichtig und reumütig. Es sei ein heißer Sommertag gewesen und er habe bei einer Besprechung zwei Weinschorle und damit nicht außergewöhnlich viel getrunken, so der Angeklagte. Das könne er sich auch nicht erlauben, denn er fahre etwa 100 000 Kilometer im Jahr. Den hohen Alkoholwert konnte er sich nicht erklären. An seine Trunkenheitsfahrt hatte er keine Erinnerungen mehr. „Ich weiß nur noch, dass mich die Polizei im Auto aufgeweckt hat“, sagte der 43-jährige. Nach der Tat habe er sofort freiwillig an einem Abstinenzprogramm teilgenommen und sich in verkehrspsychologische Behandlung gegeben.

Die Staatsanwaltschaft sah den Sachverhalt bestätigt und forderte eine zehnmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung und eine 18-monatige Führerscheinsperre. Strafmildernd wurden die hohe Alkoholisierung, seine Entschuldigung und seine freiwilligen suchttherapeutischen Maßnahmen gewertet. Aber der Angeklagte habe 17 Vorstrafen und stehe unter offener Bewährung. Eine weitere Strafaussetzung sei deshalb nicht möglich und eine Geldstrafe sei nicht mehr ausreichend.

Verteidiger Zipper plädierte für eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten. Sein Mandant habe in den vergangenen zehn Monaten bewiesen, dass es auch ohne Alkohol gehe. Die Nacht in der Haftzelle habe ihm sehr zugesetzt und er habe sein Verhalten reflektiert. Er lebe in geordneten sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen. Um seine Arbeit nicht zu verlieren, habe er sich auf eigene Kosten einen Fahrer angestellt. „Ich glaube nicht, dass er im Knast besser aufgehoben ist“, sagte der Verteidiger.

Richterin folgt Staatsanwaltschaft

Richterin Julia Haager schloss sich in ihrem Urteil weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft an. Unter Zurückstellung aller Bedenken, kam sie jedoch zu dem Entschluss, dass die Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann und eine Führerscheinsperre von zwölf Monaten ausreichend ist. Der Widerstand und die Beleidigungen seien nicht außergewöhnlich heftig und seinem Rauschzustand zuzuschreiben gewesen. Der Angeklagte habe in der Verhandlung den Eindruck erweckt, dass er mit beiden Beinen im Leben stehe und mit dem Abstinenzprogramm auf einem guten Weg sei. „Sie haben die Chance sich zu bewähren. Was sie daraus machen, liegt an Ihnen“, so die Richterin.

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