Kampf dauert schon fast ein Jahr: Mitarbeiter von Alpenhain in Pfaffing legen Arbeit nieder

Für die Reden gab’s immer wieder Beifall der Streikenden. Günster
  • vonKarlheinz Günster
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Für Mittwoch ruft die Gewerkschaft die Mitarbeiter der Molkerei Alpenhain in Pfaffing erneut zu einem Warnstreik auf. Der Vorwurf: Die Mitarbeiter werden untertariflich bezahlt – obwohl es dem Unternehmen finanziell gut geht.

29. September 2020:

24-Stunden-Streik beim Käsehersteller Alpenhain 

Pressemitteilung IG Bau

Ausstand bei Alpenhain: Die Beschäftigten des Pfaffinger Käseherstellers und Mc Donald’s-Lieferanten treten erneut in den Streik. Durch die Arbeitsniederlegung am frühen Mittwochmorgen, 30. September, kommt die Produktion im Werk für 24 Stunden zum Erliegen, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) mitteilt. „Die Beschäftigten sind wütend darüber, dass sich Alpenhain weiterhin weigert, nach Tarif zu zahlen. Sie verlangen dieselben Standards, wie sie in der bayerischen Milchindustrie gang und gäbe sind“, sagt Gewerkschaftssekretär Manuel Halbmeier.

Bekenntnis zu Pfaffing: Alpenhain startet neue Käserei und investiert 45 Millionen Euro

Nach NGG-Informationen schreibt der Hersteller von Obazda, Back-Camembert und Grillkäse auch in der Corona-Pandemie gute Geschäftszahlen. Um die Nachfrage zu bedienen, gelte im Werk eine Sechs-Tage-Woche. Durch den erneuten Arbeitskampf könnte es zu erheblichen Produktionsausfällen und auch Lieferengpässen kommen, so Halbmeier. Bereits seit gut einem Jahr treten die 450 Beschäftigten im oberbayerischen Pfaffingen mit ihrer Forderung nach einem Tarifvertrag immer wieder in den Ausstand. Alpenhain hat Gespräche darüber bislang abgelehnt.

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Meldung 23. Juli:

Pfaffing/Lehen – Mit dem 24-stündigen Warnstreik im Paffinger Unternehmen Alpenhain soll der Druck auf das Unternehmen erhöht werden, sich zu tariflichen Standards zu bekennen, erklärten Vertreter der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) am Donnerstag, 23. Juli, den OVB-Heimatzeitungen.

Differenzen seit 1 Jahr

Bereits seit einem Jahr war es im Werk mehrfach zu Arbeitsniederlegungen und Protesten gekommen. Alpenhain hatte laut NGG Gespräche über einen Tarifvertrag bislang abgelehnt.

450 Menschen arbeiten in dem Unternehmen. Wie viele davon in der Gewerkschaft organisiert sind, „das möchte ich nicht nennen“, erklärte Manuel Halbmeier, NGG-Sekretär in der Region Rosenheim-Oberbayern, gegenüber der Wasserburger Zeitung.

Rund 80 Streikende vor dem Werkstor

Doch gebe es unterm Strich 70 Prozent Beteiligung. Immerhin so viele, dass „nur noch eine Maschine läuft“, wusste Halbmeier. Weil in Schicht gearbeitet wird, kommen nicht alle Beschäftigten zusammen, sodass es mehrere Ansprachen und Zusammenkünfte gab. Am Donnerstagnachmittag waren rund 80 Streikende vor dem Tor versammelt.

Manuel Halbmeier, NGG-Sekretär.

Halbmeier fasste zusammen, dass sich der Konflikt seit 2014 zieht, die Geschäftsleitung wolle einfach keinen Tarifvertrag abschließen.

„Regelungen dringend notwendig“

Regelungen seien aber dringend notwendig, auch was die Arbeitszeit betrifft. Dabei sei das Vorgehen aus seiner Sicht „einfach“: Zusammen setzen und dann feststellen, dass „beide Seiten in manchen Punkten gar nicht so weit auseinander liegen“. Es sei sogar möglich, dass Alpenhain in einigen Bereichen Standards der Arbeitnehmervertretung übererfülle. Aber ohne Gespräche werde das nicht herauszufinden sein. Der Gewerkschafter gab sich zuversichtlich: „Früher oder später sitzen wir an einem Tisch.“

„Ohne Aussicht auf ordentlichen Ausgleich“

Betriebsratsvorsitzender Mehmet Bokurt hat sein Amt seit zwei Jahren und ist ein Vierteljahrhundert bei Alpenhain. Er habe der Firmenleitung geglaubt, dass es ohne Tarifvertrag gehe, doch am Beispiel Wochenendarbeit sehe er, „dass es nicht funktioniert“. Die wäre eigentlich freiwillig gewesen, sei jetzt aber Pflicht ohne Aussicht auf ordentlichen Ausgleich.

Betriebsratsvorsitzender Mehmet Bokurt.

Mehr noch, der Arbeitnehmer soll äußerst flexibel von einen Tag auf den anderen zu jeder Zeit in der Schicht verfügbar sein. Das mache Freizeitplanung besonders mit Familie schwierig, so Bokurt. Er habe sogar weinende Kollegen gesehen – „wir sind Menschen und keine Maschinen“. Daher seine drastische Wortwahl „Verarschung“. Kommt für ihn Kündigung in Frage? „Nein, ich kämpfe“, er habe sich das gut überlegt, er wolle „nicht weglaufen“.

Mit Betriebsrat zu einer Lösung kommen

DGB-Regionsgeschäftsführer Günter Zellner sprach die Systemrelevanz der Beschäftigten an, bedauerte dann aber mit sarkastischem Unterton: „Einen Tarifvertrag kriegts ihr aber ned“ – das sei zu ändern.

Das sieht Carolin Handel, zuständig für die Kommunikation der Unternehmensleitung, anders. „Wir sind schon enttäuscht, dass sich eine Anzahl an Mitarbeitern daran beteiligt hat.“ Und: „Wir waren auf einem guten Weg, innerbetriebliche Themen ohne außenbetriebliche Vorgaben zu lösen.“ Das Unternehmen habe 45 Millionen Euro investiert, noch mehr sei geplant, dafür benötige es „flexible Arbeitsbedingungen, die mit einem Tarif nicht möglich sind“. Aber: „Wir glauben, dass wir mit dem Betriebsrat zu einer Lösung kommen werden.“

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