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Pflege-Impfpflicht bereitet Sorgen

Stiftung Attl: Allgemeine Impfpflicht ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Friedlich präsentiert sich die Stiftung Attl auf unserem Panoramabild. Doch intern arbeiten die Mitarbeiter intensiv daran, die Versorgung trotz der Mitarbeiter-Impfpflicht auf dem Laufenden zu halten.
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Friedlich präsentiert sich die Stiftung Attl auf unserem Panoramabild. Doch intern arbeiten die Mitarbeiter intensiv daran, die Versorgung trotz der Mitarbeiter-Impfpflicht auf dem Laufenden zu halten.
  • Petra Maier
    VonPetra Maier
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Die Impfpflicht für Mitarbeiter im Gesundheitswesen kommt – die Stiftung Attl hat sich darauf eingestellt, soweit es das politische Durcheinander bei der Impfstrategie überhaupt zulässt. Es sollte eine Impfpflicht für alle geben, fordert die Stiftung – und zwar so schnell wie möglich.

Wasserburg/Edling – Die Impfpflicht für Fachkräfte im Gesundheitswesen kommt, nur noch eine Woche, dann ist es soweit. Wie geht es betroffenen Einrichtungen? Wir haben nachgefragt bei der Stiftung Attl und beim Caritas-Seniorenheim Edling.

Katastrophale Zustände hatten die Vorstände der Stiftung Attl für ihre Einrichtung bereits im Dezember vergangenen Jahres befürchtet, als eine partielle Impfpflicht für Beschäftigte in stationären Einrichtungen vom Gesetzgeber beschlossen worden war. In einem offenen Brief wandten sich Jonas Glonnegger und sein Vorstandskollege Franz Hartl an Bundeskanzler Olaf Scholz und Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Sie warnten davor, die Betreuung in ihrer Einrichtung nicht stemmen zu können, wenn die Impfpflicht für ihre Mitarbeiter käme. 24 Prozent der Mitarbeiter waren im Dezember ungeimpft. Heute sind „nach vorsichtigen Schätzungen“ einige Mitarbeiter mehr geimpft , beschreibt Pressesprecher Michael Wagner die Situation. Von 1100 Angestellten seien derzeit wohl 175 ungeimpft, das entspreche einer aktuellen Prozentzahl von 15 Prozent. Viele seien momentan aber noch im Krankenstand und einige würden wahrscheinlich mit dem Status „genesen“ wieder zur Arbeit kommen, vermutet Wagner. Dann läge die Prozentzahl derer, die keinen entsprechenden Status nach dem Infektionsschutzgesetz vorlegen könnten, bei vielleicht zehn Prozent, rechnet er hoch.

Dennoch ist es soweit: Ab 15. März gilt die einrichtungsbezogene Impfpflicht. „Wir handeln so, wie wir müssen“, beschreibt Wagner. Das bedeutet, dass alle ungeimpften Mitarbeiter, die weder einen gültigen Genesenenstatus noch ein ärztliches Attest bezüglich einer medizinischen Kontraindikation vorgelegt haben, dem Gesundheitsamt gemeldet werden müssen. „Dann ist diese Behörde zuständig“, erklärt Wagner.

Ein Durcheinander ohne klare Regeln

„Wenn es nach dem bayerischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek geht, wird allerdings vor dem 1. Juli gar nichts passieren“, glaubt Wagner. Holetschek habe in einer Pressemitteilung ein gestuftes Verfahren angekündigt, aufgrund dessen eventuelle Betretungsverbote erst ab dem Sommer ausgesprochen würden, berichtet er.

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Für die Impfstrategie sei dieses Durcheinander ohne klare Regeln „eher kontraproduktiv“ beschreibt der Pressesprecher die Lage weiter. Einige Mitarbeiter der Stiftung würden wegen dieser konfusen Lage eine Entscheidung für die Impfung weiterhin vor sich her schieben, vermutet er.

Gerade die Impfung sieht man in der Stiftung Attl aber weiterhin als eine gesellschaftliche Verantwortung für den Schutz der vulnerablen Gruppen an, betont der Pressesprecher.

Forderung nach allgemeiner Impfpflicht

„Wir plädieren deshalb nicht für eine einrichtungsbezogene Impfpflicht, sondern für die allgemeine Impfpflicht“, macht Wagner deutlich. „Es ist unsere gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die von der Politik so schnell wie möglich gesetzmäßig festgeschrieben werden sollte“, beschreibt er den Standpunkt der Stiftung. Dazu gehöre dann aber auch eine klare, verbindliche Regelung für den Vollzug dieser allgemeinen Impfpflicht, unterstreicht er. Ansonsten wäre wieder das Gegenteil der Fall, dass nämlich durch fehlende Regeln die Unsicherheit in der Bevölkerung noch weiter zunehmen würde.

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Noch mehr Wirrwarr kann die Stiftung Attl nicht gebrauchen: Durch den Fachkräftemangel in der Gesundheits- und Krankenpflege sei es ohnehin schwer, passende Mitarbeiter zu finden. „Schauen Sie ruhig mal auf unsere Web-Seite“, empfiehlt Wagner, „da finden Sie auch ohne Corona viele Stellenangebote.“

So überrascht es nicht, dass die Stiftung Attl von einer „kniffligen Aufgabe“ spricht, die Betreuung in ihrer Einrichtung aufrecht zu erhalten. „Es sieht derzeit nicht so aus, dass wir Wohngruppen schließen müssten“, beruhigt Wagner. Doch bei zwölf von den insgesamt 50 Wohngruppen sei für die Zeit nach dem 1. Juli bisher noch keine endgültige Lösung gefunden worden, macht er deutlich. „Momentan gehen die Fallzahlen bei Corona aber auch wieder hoch und das könnte dafür sorgen, dass noch mehr Mitarbeiter bis Juli den Genesenenstatus erlangen werden“, deutet er an.

Reaktionen auf den offenen Brief

Das Bundeskanzleramt hat auf das Schreiben relativ schnell reagiert, so Pressesprecherin Birgit Schlinger von der Stiftung Attl. Die Vorstände bekamen zweitnah einen Telefontermin mit Gesa Miehe-Nordmeyer, Leiterin der Abteilung für Sozial, Gesundheits-, Arbeitsmarkt-, Umwelt und Gesellschaftspolitik im Bundeskanzleramt, bei dem sie ihre Standpunkte noch einmal darlegen konnten. Zumindest konnten sie Verständnis für ihre Lage schaffen und der Politik so noch einmal darlegen, welche praktischen Probleme die einrichtungsbezogene Impfpflicht mit sich bringt.

„Versorgung im Haus Sonnengarten in Edling ist gesichert“

Clemens Kraus, stellvertretender Geschäftsleiter des Caritas-Geschäftsbereichs Altenheime und zuständig für das Haus Sonnengarten in Edling, erläutert die Situation in dieser Einrichtung:

Clemens Kraus.

Wie viel Prozent der Mitarbeiter sind aktuell ungeimpft?

Clemens Kraus: Aktuell sind 15 Prozent der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht geimpft.

Werden die ungeimpften Mitarbeiter bei Ihnen auch nach dem 15. März noch weiter beschäftigt?

Kraus: Die ungeimpften Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen werden bis zum Erhalt eines Betretungs- beziehungsweise Beschäftigungsverbots durch das Gesundheitsamt Rosenheim weiter beschäftigt. Das Gesundheitsamt prüft den Status jedes Mitarbeiters und der Mitarbeiterin beziehungsweise wird voraussichtlich jeden Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin nochmals beraten. Über ein Beschäftigungs- oder Betretungsverbot entscheidet ausschließlich das Gesundheitsamt und nicht der Arbeitgeber.

Haus Sonnengarten in Edling.

Kann die Versorgung der Bewohner Ihrer Einrichtung dennoch nach dem 15. März gewährleistet werden?

Kraus: Die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner ist weiterhin gewährleistet. Wir haben bereits mittels entsprechender Personaleinstellungen reagiert und sind in weiteren fortgeschrittenen Planungen. Daneben wird das Gesundheitsamt vor dem Aussprechen von Betretungs- und Beschäftigungsverboten mit der betroffenen Einrichtung ins Gespräch gehen und gemeinsam die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner bewerten und sicherstellen.pm

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