Im Gespräch

Sternenmeer statt Rentier-Kitsch: Marinus Schaber ist der Vater der Rotter Weihnachtsbeleuchtung

Rott erstrahlt im Glanz vieler Sterne. Oberstes Ziel: kein Kitsch.
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Rott erstrahlt im Glanz vieler Sterne. Oberstes Ziel: kein Kitsch.
  • vonRichard Helm
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Rott – Rotts früherer Bürgermeister Marinus Schaber ist ein Weihnachtsfan. Deshalb ist er auch ein begeisterter Christkindlmarktbesucher. Doch im Corona-Winter 2020 fällt es etwas schwer, in Adventsstimmung zu kommen. Warum eine intensive Beleuchtung heuer besonders wichtig, erläutert der „Vater der Rotter Weihnachtsbeleuchtung“ im Interview mit der Wasserburger Zeitung.

Herr Schaber, die abendliche Weihnachtsbeleuchtung im Rotter Zentrum gilt als beispiellos. Wie entstand eigentlich die Idee der tausend Lichter?

Marinus Schaber: Sie ging Ende der 1980er-Jahre von den Aktiven der Dorfverschönerung aus. Wir sind gestartet mit fünf Stangen, an der Spitze ein goldener Stern, darunter hing ein Weihnachtskranz. Die Stangen standen vor meinem Modegeschäft, vor den beiden Banken, vor Raumausstattung Lazarus und vor der Gemeinde. Schön anzuschauen, aber ab 16 Uhr wird es dunkel. Da konnte das keiner mehr sehen. Also habe ich begonnen, den Adventskranz auf der Stange vor meinem ehemaligen Modegeschäft mit einer Lichterkette zu umwickeln und habe einen Strahler für den Stern angebracht. Dann habe ich die Bäume noch mit Lichterketten geschmückt. Das fanden die Nachbarn toll und haben ebenfalls begonnen, ihre Fassaden und Bäume mit Lichterketten zu schmücken. Es gab auch kritische Stimmen, die mit dem angeblichen Kitsch nichts zu tun haben wollten.

Marinus Schaber liebt Weihnachten.

Trotzdem hat sich das zur jetzigen Pracht entwickelt?

Schaber: Ich bin seit 30 Jahren in der Kommunalpolitik und war viele Jahre Erster und Zweiter Bürgermeister. Ich konnte zum Glück die Gemeinde, Geschäfts- und Privatleute bewegen, sich daran zu beteiligen. Jedes Jahr wird es ein bisschen mehr. Nun erstreckt sich die abendliche Weihnachtsbeleuchtung über den Marktplatz hinaus bis in die Bahnhofstraße und in die Münchner und Haager Straße. Auch die Kirche beteiligt sich. Auf dem Kirchturm in Feldkirchen und Rott leuchtet jeweils ein Stern.

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Worauf achten Sie beim Schmücken?

Schaber: Damit eine einheitliche weihnachtliche Atmosphäre geschaffen werden kann, dürfen nur Ketten mit einem warmen, hellen Licht angebracht werden. Grelle oder bunte Lichterketten und blinkende Sterne stören nur das Gesamtbild. Es darf auch nicht in Kitsch ausarten. Auf kletternde Nikoläuse oder angeleuchtete Rentiere samt Nikolausschlitten verzichten wir.

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Haben Sie keine Angst, dass die Stromzähler nach oben ausschlagen?

Schaber: Nein, das gewiss nicht, das sind alles LED-Leuchten, der Stromverbrauch ist gering.

Sind Sie so ein Weihnachtsfan?

Schaber: Ja, ich liebe die Weihnachtsstimmung. Und ich gehe gern durch Weihnachtsmärkte. Ich mag es, wenn abends der Ort in einem Lichtermeer erstrahlt. Das gehört für mich zu Weihnachten dazu. Vielleicht haben wir bald Schnee. Dann ist es noch romantischer...

… auch zu Corona-Zeiten?

Schaber: Gerade da – wenn schon alles ausfallen muss. Es gab keinen Martins-Umritt, es darf kein Nikolaus kommen, es finden keine Weihnachtsmärkte statt und die vielen Weihnachtsfeiern in den Gaststätten fallen aus. Wir hätten gerne nach dem Aufstellen des Christbaums in Rott noch gemeinsam einen Glühwein getrunken, aber der jährlichen Glühweinstand der Vereine fehlt heuer auch. Gerade jetzt ist die adventliche Beleuchtung so wichtig. Sie bringt Kindern und Erwachsenen ein Stück Normalität zurück. Hoffentlich ist es nächstes Jahr wieder anders.

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