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Sterne, Felder, Männer und Maschinen

Und das sieht er im Scheinwerferlicht: Einen grünen Dschungel von Maispflanzen, die jetzt rund um die Uhr geerntet werden.  Fotos Reikowsky
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Und das sieht er im Scheinwerferlicht: Einen grünen Dschungel von Maispflanzen, die jetzt rund um die Uhr geerntet werden. Fotos Reikowsky

Wasserburg - Knogl, ein Hof hinter Reipersberg und Straßkirchen bei Vogtareuth, sternklarer Himmel, es ist 23 Uhr: Eine große Maschine mit greller Beleuchtung mäht die ersten Reihen eines Maisfeldes ab und bläst den gehäckselten Mais aus einem langen Kamin in den Anhänger eines Traktors, der nebenher fährt. Der Häcksler biegt im rechten Winkel ab, der Traktor folgt. Als der erste Kipper voll ist, rückt der nächste Traktor auf.

Auf dem Häcksler sitzt Sepp Stübl vom Lohnunternehmen Stefan Lex aus Eiselfing, den Traktor fährt Martin Lechner, der Sohn des Landwirts aus Knogl. Heute Nachmittag gab es Probleme mit einem Lager des Häckslers. Und so dauert der Ernteeinsatz heute länger als geplant - für die verschiedenen Fahrer des Lohnunternehmens und den Landwirt, der ihn engagiert hat.

Die Erntezeit für den Mais beträgt nur etwa zwei Wochen. Regentage, an denen Viehfutter nicht eingebracht werden kann, verkürzen die zwei Wochen nochmals - Hochzeiten für die Fahrer und die Maschinen. Im Rosenheimer Landkreis werden die Fahrzeuge nicht zentral von einem Maschinenring eingeteilt, die Landwirte rufen bei einem der Lohnunternehmen an und machen einen Termin aus.

Größere Betriebe haben entweder einen eigenen Fuhrpark an Traktoren und Kippern zur Verfügung oder müssen sich Fahrzeuge ausleihen, um den gehäckselten Mais vom Feld ins Silo zu transportieren. Bei kleineren rückt häufig die Verwandtschaft mit an und hilft aus. Wenn es zu Verzögerungen kommt, ist es in beiden Fällen oft besser, bis in den frühen Morgen zu arbeiten, als am nächsten Tag weiterzumachen.

Es riecht nach Mentholbonbons, nach frisch gemähtem Mais und ein bisschen nach Öl im Fahrerhaus. Das Radio spielt. Sepp Stübl blickt nach vorne rechts unten, wo das "Gebiss" des Häckslers den Mais einzieht, und achtet darauf, dass er die rechte äußere Reihe mit abmäht und das riesige Fahrzeug nicht aus der Spur gerät. Er sieht über die rechte Schulter, um zu kontrollieren, ob der Kamin den gehäckselten Mais noch in den Anhänger des Traktors bläst. Er korrigiert die Position des Kamins mit dem Steuerhebel, blickt erneut nach vorn.

Dann wendet er wieder, die Scheinwerfer leuchten die ersten zehn Meter der nächsten Bahn aus. Er wartet auf den Traktor, fährt an, der Maschinenlärm wird wieder lauter. Erst jetzt kann er erzählen: "Ich fahre ganz gerne nachts, weil da die Sonne nicht so blendet. Auch für die anderen Verkehrsteilnehmer ist es besser, wenn wir tagsüber von der Straße weg sind. Und hier haben wir Glück, dass es weit und breit keine Anwohner gibt, die wir stören könnten."

"Praktisch mein Urlaub"

Der Anhänger des Traktors ist voll. Der nächste rückt auf, hält an, eine Frau steigt ab. Sie klettert die vier Stufen zum Führerhaus des Häckslers hoch und reicht Sepp Stübl zwei Tüten mit Wurstbroten und Schokoriegel, dazu zwei Flaschen Spezi. Den Kontakt zu den vielen Landwirten schätzt Stübl besonders. Er freut sich immer auf die Maishäckselzeit: "Ich mach die Arbeit brutal gern, das ist praktisch mein Urlaub. Vor allem, weil ich gerne mit den großen Maschinen arbeite. Ich schau einfach, dass ich das sauber hinkrieg." Eigentlich ist Stübl gelernter Schreiner. Den Beruf übt er aber nur im Winter aus, wenn die Erntezeit vorbei ist - und das ebenso in Teilzeit wie den Fahrerjob beim Lohnunternehmen Lex. Sonst ist er im Betrieb des Vaters beschäftigt, der eine kleine Landwirtschaft in Schonstett hat. Für die Erntezeit halten ihm die Eltern den Rücken frei.

Irgendwann gegen 3 Uhr morgens fährt Martin Lechner die letzte Fuhre Maishäcksel vom Feld zurück zum Hof, kippt sie auf das Silo, wo ein Radlader sie verteilt und verdichtet. In der Früh muss er nach Prutting, wo er als Industriemechaniker beschäftigt ist. Nachts zu arbeiten und trotzdem früh aufzustehen ist er aber von Kindheit an gewöhnt. Sepp Stübl fährt derweil mit 30 Kilometer pro Stunde zurück nach Eiselfing. Dort ist auch Stefan Lex noch in der Werkstatt. Stübl putzt die Scheiben des Häckslers, gemeinsam machen sie noch kleine Wartungsarbeiten und starten das Schleifprogramm, damit der Häcksler ein paar Stunden später wieder einsatzbereit ist. Sepp Stübl macht sich um 5 Uhr morgens auf den Heimweg. Er hat jetzt länger Pause als die Maschine.

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