Steiniger Weg zur Bebauung in Zell

Albaching – Rund eine Stunde war der Albachinger Gemeinderat mit der Abarbeitung der behördlichen Stellungnahmen befasst, die im Rahmen der Änderung des Flächennutzungsplanes für den Bereich „Zell“ bei der Gemeinde eingegangen waren.

Einstimmig fiel abschließend der Billigungsbeschluss.

Die Gründe für die Gemeinde, diesen Weg zu gehen: Im Ortsteil Zell möchte sie mehreren Bürgern ihre Bauvorhaben ermöglichen. Das Areal ist im Flächennutzungsplan aber als „Fläche für die Landwirtschaft“ ausgewiesen. Das muss geändert werden, um eine rechtliche Grundlage für eine Bebauung zu schaffen.

Daher hatte sich der vorherige Gemeinderat noch dazu entschlossen, in einem ersten Verfahrenszug, also der frühzeitigen Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung, zu klären, ob eine Bauleitplanung im Bereich Zell möglich ist (wir berichteten). Hierzu lagen nun die Stellungnahmen von Behörden vor. Von den 99 beteiligten Stellen hatten sich die meisten nicht geäußert oder keine Einwände eingebracht. Von den Bürgern waren keine Schreiben eingegangen.

Bodendenkmälererwartet

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten betonte, es dürfe zu keiner Verschlechterung für die landwirtschaftlichen Betriebe in diesem Bereich kommen. Sollte ein Bebauungsplan aufgestellt werden, müsste die Gemeinde ein Geräusch- und Geruchsgutachten erstellen lassen. Der Gemeinderat stimmte zu, dies zu befolgen.

Ein sehr umfangreiches Schreiben verlas Robert Neumann von der Verwaltung vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. In dem betreffenden Bereich liege ein Bodendenkmal vor. Ja, dies sei eine Kirche gewesen, die aufgelöst worden sei, wusste Bürgermeister Rudolf Schreyer (GWA). Weitere Bodendenkmäler seien zu vermuten, so das Amt weiter. In jedem Fall sei eine vorherige Erlaubnis einzuholen, und die Bodendenkmäler müssten in den Flächennutzungsplan aufgenommen werden. Die genannte Kirche sei im Plan dargestellt und ein Hinweis auf die Erlaubnis- und Meldepflicht bei Bodeneingriffen werde im Rahmen eines späteren Bebauungsplanverfahrens berücksichtigt, erwiderte der Rat.

Die Handwerkskammer für München und Oberbayern wies darauf hin, dass ansässige Handwerksbetriebe nicht eingeschränkt werden dürften und im Rahmen einer eventuellen Bebauungsplanaufstellung die Gemeinde eine schalltechnische Untersuchung in Auftrag geben müsse. Auch das will die Gemeinde befolgen.

Drei Abteilungen des Landratsamts Rosenheim meldeten sich ebenfalls zu Wort: Die Bauleitplanung hatte mehrere Anmerkungen: Zum einen liege dem Vorhaben eine nicht aktualisierte Flurkarte zugrunde. Des Weiteren sei Zell nicht als eigenständiger Ortsteil anerkannt und auch ein Nachweis, dass dieser für eine Wohnbebauung geeignet sei, fehle. Außerdem beschwerte sich der Autor des Schreibens über „unkorrekte Bezeichnungen“.

Dies sei eine Stellungnahme, die zum Nachdenken darüber anrege, „ob man das wirklich machen solle“, meinte Bürgermeister Schreyer. Aber der Gemeinderat habe sich nun einmal darauf festgelegt und werde versuchen, das Verfahren auch durchzusetzen. August Seidinger junior (GWA) fand den Stil des Verfassers als „gewöhnungsbedürftig“. Die Inhalte könne man auch „anders rüberbringen“.

In seinem Beschluss beantwortete das Ratsgremium die angesprochenen Mängel so: Die Gemeinde bewerte Zell als einen Ort „mit einigem ortsplanerischen Gewicht mit dörflichen Strukturen mit acht Wohngebäuden, zwei Bauernhöfen mit Wohngebäuden und Gewerbebetrieben, historisch gewachsen“. Die Flurkarte werde aktualisiert. Die in der Stellungnahme aufgeworfenen Fragen würden in der Begründung entsprechend beantwortet.

Schon drei Gutachtenbeschlossen

Der Immissionsschutz des Landratsamtes forderte ein Geräusch- und Geruchsgutachten, sollte ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Die Regierung von Oberbayern betonte, der Darstellung des Bestandes und der Wohnbebauung stehe „nichts entgegen“, aber die Gemeinde sollte sich „mehr auf die Kerngebiete konzentrieren“, da eine „Zersiedelung der Landschaft“ verhindert werden müsse. Der Rat sah in seinem Beschluss Zell als „geeigneten Siedlungsansatz, um eine maßvolle Nachverdichtung zu verwirklichen“. Bei der Planung werde eine „maßvolle Abrundung bevorzugt für Einheimische“ vorgesehen. Eine Nachverdichtung sei hier sehr flächensparend, da keine neuen Erschließungsflächen notwendig seien.

„Wir haben bis jetzt schon drei Gutachten beschlossen“, gab Zweiter Bürgermeister Sebastian Friesinger zu bedenken, wobei nicht ausgeschlossen sei, dass noch weitere hinzukämen. „Wir sind diesen Weg gegangen, um zu sehen, wie schwierig es ist“, antwortete Bürgermeister Schreyer. Dass dies „momentan ein sehr steiniger Weg“ sei, sei ihm bewusst, „aber wenn wir es nicht versuchen, werden wir es nie wissen“.

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