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Startschuss für die „essbare Stadt“

Schneepflug und Steine verschwinden, der marode Baum an der Straße auch und dann kann diese Fläche zum gemeinschaftlichen gärtnern und ernten genutzt werden.
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Schneepflug und Steine verschwinden, der marode Baum an der Straße auch und dann kann diese Fläche zum gemeinschaftlichen gärtnern und ernten genutzt werden.

„Ich habe zu Gemüse irgendwie ein anderes Verhältnis“, Wasserburg.

sagt Michael von Ferrari. Der Stadtplaner und Gärtnermeister ist für „Haar – zum Anbeißen“ verantwortlich und gab seine Erfahrungen jetzt an die Interessierten an der „essbaren Stadt“ weiter.

– Lieber klein anfangen und sich dann ausbreiten, das war wohl der wichtigste Tipp, den Michael von Ferrari hatte. Anfang 2014 ging es in Haar mit etwa 20 Aktiven und vier relativ großen Flächen los. Zu viel, wie sich bald herausstellte. Eine Fläche wurde wieder aufgegeben. Erfreulich war, so von Ferrari, dass er bei den Kindertagesstätten offenen Türen einrannte. Die zogen mit.

Noch etwas schrieb von Ferrari den Interessierten ins Stammbuch: Als Pate bei der „essbaren Stadt“ müsse man von einem gewissen Uneigennutz geprägt sein. Denn es dürfen ja alle ernten. Und wenn jemand anderes schneller am Lieblingssalatkopf war  – Pech.

Vom Startschuss weg mit den Bürgern

Andernach im Großraum Koblenz ist die Vorzeigekommune, wenn es um die „essbare Stadt“ geht. Allerdings ist dort die Bevölkerung bisher kaum eingebunden. Das soll sich erst jetzt, nach fünf Jahren, ändern. In Wasserburg, so Bürgermeister Michael Kölbl, soll es ganz bewusst andersherum gehen: Vom Startschuss weg mit Bürgern, die sich als Paten engagieren, die buddeln, pflanzen, pflegen, ernten.

Rund 15 potenzielle Paten waren zum ersten Treffen gekommen, „wir wussten, dass es kein Massenauflauf werden würde“, so Bürgermeister Michael Kölbl. Mit 15 bis 20 Paten stemmen aber auch Großstädte wie Würzburg, Saarbrücken oder Heidelberg ihre vergleichbaren Projekte.

Die Paten, so von Ferrari, müssen Zugang zu Geräten und zu Wasser haben – und möglichst jemand, der beratend zur Seite steht, wenn nötig. Da konnte sich Stefan Hammermüller, Vorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins Wasserburg, vorstellen, dass seine Mitglieder bereit sind, ihre Erfahrungen zu teilen. Und im Bauhof gibt es ab nächstem Frühjahr eine neue Stadtgärtnerin, die als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Weitere Fachleute sind willkommen.

Was die Paten noch brauchen, das ist eine relativ hohe Frustrationsschwelle, „denn die Habgier der Menschen kann schon frustrieren“, vor allem, wenn viel zu früh geerntet werde. In Haar stellen sie verstärkt Schildchen auf, andere Kommunen nutzen rot (= unreif), gelb (= nur bei Riesenhunger) oder grün (= auf geht‘s) bemalte Steine. Und sie brauchen ein wenig Geduld, denn bis die „essbare Stadt“ so richtig rund läuft, kann es laut von Ferrari doch drei, vier Jahre dauern. „Solange andere Fehlertoleranz haben, habe ich auch Geduld“, kommentierte das eine –  noch  – gartenunerfahrene Altstadtbewohnerin lachend.

Plünderresistente Kräuterbeete

Kräuter seien vielleicht plünderresistenter als Salat oder Bohnen, so die Vermutung eines Anwesenden. Was von Ferrari bestätigen konnte - und was nach seiner Aussage auch für Karotten oder Kartoffeln gilt. Plündern ausdrücklich für wünschenswert hielt Sepp Baumann, der sich Johannis- oder Stachelbeerbüsche im Stadtgebiet ebenso vorstellen konnte, wie Erdbeeren im Hochbeet an einem Spielplatz. Dr. Chris tine Mayerhofer, Initiatorin der „essbaren Stadt“ Wasserburg und Werkreferentin des Stadtrates, gab bekannt, dass auch der neue Saunagarten im Badria essbare Anteile habe.

Als erste Fläche für die „essbare Stadt“ ist ein Stück Grund direkt am städtischen Bauhof an der Landwehrstraße vorgesehen. Das hat laut Kölbl und Dr. Mayerhofer eine gute Größe für den Anfang und eine ideale Anbindung an Wasser, Gerätschaften und Expertise. Zudem ist es relativ zentral gelegen und vom Durchgangsverkehr verschont. Geparkt wird dort auch nur von Bauhofmitarbeitern. Und das künftig nur noch vorwärts, wie deren Chef Guido Zwingler schmunzelnd versprach.

Viel Begeisterung und noch mehr Ideen

Ideen schwirrten an diesem Abend noch viele durch den Raum. Von ausgemusterten Blumenkübeln, die zu Kräuterbeeten in der Hofstatt oder Ledererzeile werden könnten zum Kartoffelbeet an der Streuobstwiese. Von der Plattform, auf der Obstbäume und -sträucher zum allgemeinen Plündern freigegeben werden zum essbar bepflanzten Blumenkübel vor den Geschäften in der Altstadt. Michael von Ferrari hörte zu und amüsierte sich über das Engagement: „Wenn ich das so höre, dann haben Sie im ersten Jahr pro Quadratmeter einen Paten.“

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