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Rekorddefizit

Stadtrat Wasserburg warnt: Das Badria darf nicht baden gehen

Das Badria rutscht als Folge der Pandemie immer weiter in die Miesen: Doch das Familienbad soll auf keinen Fall baden gehen, ist sich der Stadtrat einig.
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Das Badria rutscht als Folge der Pandemie immer weiter in die Miesen: Doch das Familienbad soll auf keinen Fall baden gehen, ist sich der Stadtrat einig.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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2,56 Millionen Euro Verlust: Das ist ein Rekord-Minus beim Badria. Das Familienbad ist der große Verlierer der Pandemie. Doch es gibt Lösungsansätze.

Wasserburg – 2,56 Millionen Euro Verlust: Das ist ein Rekord-Minus beim Badria. Das Familienbad mit Freizeitzentrum ist der größte kommunale Verlierer der Corona-Pandemie. Der Stadtrat steht hinter der Einrichtung. Doch sie belastet nicht nur den Haushalt der in vielen anderen Bereichen erfolgreich wirtschaftenden Stadtwerke.

Vier Monate komplett geschlossen, dann nur teilweise geöffnet, danach verkürzte Zeiten, später festgelegte Obergrenzen für Besucherinnen und Besucher, 3G-Regel, erneut regionaler Lockdown: 2021 erlebte das Familienbad ein ständiges Auf und Ab als Folge der Corona-Auflagen – bereits im zweiten Jahr. 2022 ist noch immer Pandemie mit vielen Unsicherheiten. Die Werkleitung geht deshalb bei der Prognose der Besucherzahlen von einem Mittelwert zwischen 2019, also vor der Corona-Krise, und 2020/2021 aus: Stadtwerkechef Robert Pypetz rechnet mit etwa 140.000 Gästen in Bad und Saunalandschaft. 2019 waren es über 200.000 gewesen.

Nachbarkommunen in der Pflicht?

Heuer wird die Finanzierungslücke erneut größer: Das Minus des Badria erhöht sich vermutlich um 400.000 auf 2,56 Millionen Euro. So nass geht es vielen Bädern in Deutschland ein, von einem großen Sterben ist die Rede. „Lassen Sie uns alle Anstrengungen unterstützen, dass unser Badria in den nächsten Jahren nicht baden geht“, appellierte deshalb im Stadtrat Wolfgang Janeczka, Stadtwerkesprecher der Fraktion von SPD und Linke Liste.

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Das sahen alle Fraktionen ähnlich. Georg Machl, der für die Gemeinschaft von CSU/Freie Wähler/Wasserburger Block Stellung nahm, ist jedoch der Meinung, auch die Nachbarkommunen seien in der Pflicht. Er wünsche sich die Unterstützung aller dem Mittelzentrum zugehöriger Gemeinden, sagte er. Von einem „Fass ohne Boden“ sprach auch die Fraktionsvorsitzende Heike Maas, eine Diskussion über die weitere Vorgehensweise sei dringend vonnöten. Sie forderte Bürgermeister Michael Kölbl und die Verwaltung auf, sich für eine adäquate Kostenbeteiligung der Umlandgemeinden einzusetzen.

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Christian Stadler, Fraktionsvorsitzender der Grünen, warnte, das Defizit belaste auch den Stadthaushalt. Von vermutlich auch unpopulären, aber notwendigen Maßnahmen dürfe sich die Stadt nicht wegducken. Seine Fraktionskollegin Katharina Hausmann, Stadtwerkereferentin des Stadtrates, deutete in ihrer Stellungnahme an, dass es wohl unumgänglich sein werde, die Eintrittspreise für das Badria zu erhöhen. „Das Defizit ist und bleibt die Zukunftsaufgabe der Stadtwerke“, zeigte sie sich überzeugt.

Defizitausgleich und Investitionskostenzuschuss

Diese können trotz betrieblicher Erfolge – etwa im Stromvertrieb des E-Werks und in Nebengeschäften – das Defizit des Badria nicht ausgleichen. Es bleibt ein Jahresverlust der Stadtwerke von 1,5 Millionen Euro. Sie benötigen als städtische Tochter aus dem Geldstrumpf der Mutter, der Stadt Wasserburg, deshalb einen Defizitausgleich in Höhe von einer Millionen Euro. Und noch einen Investitionskostenzuschuss von 1,25 Millionen Euro, denn in diesem Jahr steht unter anderem die Dacherneuerung in der Eingangshalle für über 800.000 Euro an. Die Stadtwerke investieren in das Familienbad mit Mehrzweckhalle insgesamt 1,3 Millionen Euro. Letztere leidet ebenfalls stark unter der Pandemie: Die Vermietung an Kulturveranstalter ist seit zwei Jahren nur unter erschwerten Bedingungen möglich.

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Jetzt heißt es hoffen auf 2023: Dann feiert das Badria das 45-jährige Bestehen. Das Werbebudget wurde mit Blick auf dieses Ereignis um 20.000 Euro erhöht.

Bereits heuer starten die Stadtwerke eine Offensive bei den Angeboten, berichtete Pypetz: Das Programm an Events und Schwimmkursen soll ausgebaut werden. Letzteres ist besonders wichtig, denn die Pandemie sorgt dafür, dass die Zahl der Nichtschwimmer stark zunimmt, warnte Janeczka.

Workshop zur Bewältigung der Krise

Für Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) ist das Familienbad mit bezahlbaren Preisen „ein Bekenntnis zu Freizeit, Sport, Kultur und Teilhabe“. Er kündigte an, dass es bald einen Workshop des Werkausschusses im Stadtrat geben werden, in dem beraten werden soll, was getan werden kann. „Wir wollen unsere Stadtwerke zukunftsfähig erhalten“, gibt Kölbl als Ziel aus. Einhellig zeigten sich die Fraktionen im Stadtrat überzeugt, dass die Stadtwerke als Betreiberin mit Werksleiter Pypetz und seinem Team die richtigen Personen an der Spitze haben, die Krise zu bewältigen.

.„Zusammen werden wir eine Lösung für das Badria finden“, ist auch Machl überzeugt. Für Hausmann als Stadtwerkereferentin steht fest: Um das Defizit des Badria so gering wie möglich zu halten, könne jeder seinen Beitrag leisten – „indem er beziehungsweise sie sich impfen lässt“.

Unsere Grafik zeigt, wie das Badria unter der Pandemie gelitten hat.OVB/Klinger

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