Stadtwerke und Realschule

Stadtrat Wasserburg diskutiert: Ist CO2-Einsparung auch „Rendite“?

Das Energiecontracting zwischen Realschule (Bild) und den Wasserburger Stadtwerken ist beschlossene Sache. Die hohen Planungskosten aufgrund von Ingenieursfehlern stießen im Gremium sauer auf.
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Das Energiecontracting zwischen Realschule (Bild) und den Wasserburger Stadtwerken ist beschlossene Sache. Die hohen Planungskosten aufgrund von Ingenieursfehlern stießen im Gremium sauer auf.
  • Andrea Klemm
    vonAndrea Klemm
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Das Energiecontracting zwischen Stadtwerken und Realschule ist beschlossene Sache – wenn auch mit leichtem Zähneknirschen im Stadtrat und einer Gegenstimme (12:1). Dabei galt die Kritik nicht dem effizienten Wärme- und Stromcontracting, sondern den Pannen bei der Planung.

Wasserburg – „Ich war hier immer schon argwöhnisch“, sagt Lorenz Huber (BF) und kritisierte, dass bei der Maßnahme, die mit 590 .000 Euro im Haushalt 2020/2021 eingestellt ist, ein Drittel an Planungskosten verpufft sind. Er sprach von einer „schön gerechneten Milchmädchenrechnung“ und sagte „mit einem Prozent Rendite hängt das Ganze an einem seidenen Faden. Ich stimme nicht zu“, so Huber.

20-Jahres-Vertrag mit Landratsamt

Die Stadtwerke Wasserburg wollen ein effizientes Wärme- und Stromcontracting für die Anton-Heilingbrunner-Realschule realisieren. Die alte Kesselanlage hätte sowieso ausgetauscht werden müssen. Nun wird ein Blockheizkraftwerk (ökologische Kraft-Wärme-Kopplung) auf Erdgasbasis mit 50 Kw elektrisch und 80 kW thermisch – zur Grundwärmelastabdeckung und Stromerzeugung – in die Realschule eingebaut. Für die Spitzenlastabdeckung und als Ausallreserve werden zwei Gas-Brennwertkessel mit je 520kW Leistung verbaut.

Mit dieser Anlage sind die Stadtwerke in der Lage, den Landkreis Rosenheim (Träger der Schule) für 20 Jahre zu attraktiven Konditionen mit effizient erzeugtem Strom und Wärme zu beliefern. Das Contracting ist die Grundlage für weiterführende Energieversorgungsprojekte im Landkreis, welche eine höhere Rentabilität versprechen. Die Gesamtprojektkosten belaufen sich auf 590.000 Euro netto (davon entfallen rund 200.000 Euro auf die Planung).

Das Projekt soll fremdfinanziert werden. Stadtwerkechef Marius Regler erklärte, in der Wirtschaftlichkeitsberechnung wurden verschiedene Szenarien bewertet. Im schlechtesten Fall liege der interne Zinsfuß bei 3,09 Prozent und die jährliche Rendite bei 0,84 Prozent. Er räumte ein, die schlechte Rendite liege an den hohen Planungskosten. „Rund 140 000 Euro wurden in den Wind geblasen.“ Das Planungsbüro hatte die Stadtwerke falsch beraten. „Leider kann man die Ingenieure nicht für Fehleinschätzungen belangen“, so Regler.

Zu viele Leitungen liegen schon in der Straße

Im Rahmen der Aussprache zu diesem Tagesordnungspunkt sagte Zweiter Bürgermeister Werner Gartner (SPD), der Ersten Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) vertrat, weil dieser sich im Krankenstand befindet, „das einstige Wunschdenken, auch Bauhof, Grundschule, Kindergarten und Förderzentrum mit zu versorgen, ist bekanntlich geplatzt“. In der Straße seien schon zu viele Leitungen verlegt, zusätzliche in den engen Gassen zu verlegen, sei zu aufwendig von den Bauarbeiten her.

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Auch die „charmante Idee“, den ganzen Stadtteil generell mit Nahwärme (Holzhackschnitzel) zu versorgen, sei laut Gartner nicht haltbar gewesen.

Baukosten immens gestiegen

Regler bedauerte ebenfalls, dass es nicht möglich gewesen sei, „das anstehende Projekt mit dem ganz großen wirtschaftlichen Nutzen zu realisieren“. Jedoch sei der 20-Jahres-Vertrag mit dem Landratsamt ein guter Deal. Es handle sich um ein kleines Kraftwerk, das auf hoher Leistung laufe und das biete eine attraktive Wirtschaftlichkeit, trotz der unnötig hohen Planungskosten. Die waren durch Fehler des ersten Planungsbüros entstanden und weil umgeplant werden musste. Zusätzliche boome die Baubranche, was die Baukosten in die Höhe treibt.

Regler empfiehlt das Projekt

„Dennoch: Ich empfehle das Projekt“, so Regler, der darauf hinwies, dass etwa technische Ausfallrisiken auf die Versicherung übertragen werden.

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Zur Kritik von Lorenz Huber sagte er, „ja, die Stadtwerke haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. „Das erste Planungsbüro hatte ursprünglich eine zu unser Haus falsch beraten. Planungskosten in Höhe von 15 bis 20 Prozent wären normal gewesen“, so Regler. Durch den Wechsel des Planungsbüros seien diese Kosten einfach zu hoch, das sehe er ein. Er wolle die Abstimmung nicht beeinflussen, jedoch wenn das Projekt abgelehnt werden würde, hätten die Stadtwerke einen Verlust von 160 000 Euro. Bei Zustimmung zumindest eine geringe Rendite.

CO2-Ersparnis als Gegenwert sehen

„Das Ursprungsprojekt fing gut an, ist aber leider geschrumpft. Aber auch dieses ist effizient. In Gottes Namen, machen wir es“, sagte Bettina Knopp (Grüne). Ihr Fraktionskollege Christian Stadler hakte bei der Grundidee, die ganze Altstadt mit zu versorgen ein. „Die Probleme hätte man damals absehen können. Das ist aber nicht Reglers Schuld, es war vor seiner Zeit“, so Stadler. Er vertrat auch die Meinung, es sei falsch, dieses Projekt unter rein wirtschaftlichen Aspekten zu betrachten. „Die CO2-Ersparnis muss man auch als Gegenwert sehen.“

Regler informiert das Gremium, dass es im Umkreis kein einziges vergleichbares Wärmeprojekt gebe, das sich rechne. Hintergrund sei die hohe Gleichzeitigkeit des Wärmebedarfes der angeschlossenen Gebäude. Er appellierte, die Stadtwerke nicht nur als Wirtschaftsbetrieb, sondern auch als „klimapolitisches Instrument“ wahrzunehmen. Er schlug in dieselbe Kerbe wie Stadler, dass die CO2-Vermeidung in die Rechnung mit einbezogen werden sollte.

Sauberes Heizen ist das Ziel

Gartner sagte, „es ist auch eine Rendite, wenn wir mit sehr viel geringerer Verschmutzung heizen.“ Wolfgang Schmid (CSU) fragte nach den Wartungskosten, oder, was, wenn das Blockheizkraft kaputt gehe. Laut Regler werde es einen Vollwartungsvertrag via Versicherer geben.

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Wolfgang Janeczka (SPD) wollte konkrete Zahlen zur CO2-Einsparung. „Die kann ich ihnen nicht nennen. Aber man spart Strom ein, den eigentlich ein Kohlekraftwerk erzeugt und produziert sauberen Strom. Das Kraftwerk läuft immer in optimaler Auslastung, weil doe Abwärme zum Heizen genutzt wird“, so Regler.

Was geplant ist

Die Stadtwerke Wasserburg wollen ein effizientes Wärme- und Stromcontracting für die Anton-Heilingbrunner-Realschule realisieren. Die alte Kesselanlage hätte sowieso ausgetauscht werden müssen. Nun wird ein Blockheizkraftwerk (ökologische Kraft-Wärme-Kopplung) auf Erdgasbasis mit 50 Kw elektrisch und 80 kW thermisch – zur Grundwärmelastabdeckung und Stromerzeugung – in die Realschule eingebaut. Für die Spitzenlastabdeckung und als Ausfallreserve werden zwei Gas-Brennwertkessel mit je 520 kW Leistung verbaut. Mit dieser Anlage sind die Stadtwerke in der Lage, den Landkreis Rosenheim (Träger der Schule) für 20 Jahre zu attraktiven Konditionen mit effizient erzeugtem Strom und Wärme zu beliefern. Das Contracting ist die Grundlage für weiterführende Energieversorgungsprojekte im Landkreis, welche eine höhere Rentabilität versprechen. Die Gesamtprojektkosten belaufen sich auf 590.000 Euro netto (davon entfallen rund 200.000 Euro auf die Planung).

Das Projekt soll fremdfinanziert werden. Stadtwerkechef Marius Regler erklärte, in der Wirtschaftlichkeitsberechnung würden verschiedene Szenarien bewertet. Im schlechtesten Fall läge der interne Zinsfuß bei 3,09 Prozent und die jährliche Rendite bei 0,84 Prozent. Er räumte ein, die schlechte Rendite liege an den hohen Planungskosten. „Rund 140.000 Euro wurden in den Wind geblasen.“ Das Planungsbüro hatte die Stadtwerke falsch beraten. „Leider kann man die Ingenieure nicht für Fehleinschätzungen belangen“, so Regler.

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