Stadtrat berät über Verkehrsberuhigung in Wasserburg – WFV appelliert: „Keine Experimente“

Eine gute Erreichbarkeit der Stadt ist nach Meinung des WFV wichtig für die Kunden. Wie sich trotzdem eine Verkehrsberuhigung erreichen lässt, diskutiert am Samstag der Stadtrat.
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Eine gute Erreichbarkeit der Stadt ist nach Meinung des WFV wichtig für die Kunden. Wie sich trotzdem eine Verkehrsberuhigung erreichen lässt, diskutiert am Samstag der Stadtrat.
  • Heike Duczek
    vonHeike Duczek
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Gelingt es dem Stadtrat, den gordischen Knoten zur Verkehrsberuhigung durchzuschlagen? Am Samstag hat er sich dieses Ziel gesetzt. Einen Tag lang geht er in Klausur. Im Vorfeld hat der Wirtschaftsförderungsverband (WFV) als Vertreter der Geschäftswelt warnend Stellung genommen.

Wasserburg – Eigentlich hätte die Entscheidung längst gefallen sein sollen: Noch der alte Stadtrat wollte zum Thema Verkehrsberuhigung in der Altstadt entscheiden. Doch die Corona-Pandemie und der Lockdown kamen dazwischen.

Samstag, 10. Oktober, geht nun das neue Gremium in einen eintägigen Workshop – auf Abstand wird in der Mittelschule getagt, wie Bürgermeister Michael Kölbl auf Anfrage mitteilt. Das Verkehrsplanungsbüro wird nach seinen Angaben die Klausur moderieren. Im Fokus stehe die Frage, wie die Verkehrsberuhigung im Bereich Altstadt, Realschule und Kindergarten realisiert werden könnte – „unter Berücksichtigung aller Interessenlagen“, wie Kölbl betont.

Eine schwierige Aufgabe, haben die Diskussionen der vergangenen Jahre gezeigt. Mehrfach prallten die Meinungen von Anliegern, Bürgerinitiativen pro Beruhigung, Geschäftsleuten und Kommunalpolitikern aufeinander.

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Der WFV hat den Stadträten in einer Stellungnahme im Vorfeld der Sitzung verdeutlicht, wie wichtig es sei, dass eine Verkehrsberuhigung nicht zu Lasten der Einkaufsstadt gehe – vor allem jetzt, im Corona-Jahr 2020. Es sei geprägt von den Einbußen des Lockdown und Hygienebeschränkungen. „Kaum einer, der nicht Feder lässt“, so die WFV-Mitglieder. Bewährte Veranstaltungen wie Marktsonntage und Feste, die die Frequenz in der Altstadt erhöhen würden, seien außerdem ausgefallen oder würden nur in „Light-Versionen“ stattfinden. Stationäre Geschäfte ständen verstärkt in Konkurrenz zum Online-Handel. „Der außerordentlich hohe Leerstand in der Altstadt zeugt davon“.

Einzelhandel, Dienstleister und Gastronomie stehen unter Stress

„Einzelhandel, Dienstleister und Gastronomie in der Wasserburger Altstadt stehen unter Stress“, so der WFV weiter. „Es wächst die Gefahr, dass wir uns einem Kipppunkt nähern.“

Es bestehe die Sorge, dass immer mehr der schönen kleinen und individuellen Geschäfte, die die Atmosphäre der Stadt ausmachen würden, aufgäben. Darunter leide nicht nur die Atmosphäre der Stadt, sondern auch die Nahversorgung, die Bereitstellung von Arbeitsplätzen und die Steuerkraft. Deshalb hätte sich der WFV „eine Wirtschaftszukunftsklausur“ gewünscht – statt einer Verkehrsklausur.

„Nahversorger und nicht touristisches Disneyland“

Wichtig sei die Erreichbarkeit der Betriebe in der Altstadt. „Ohne Erreichbarkeit verpuffen alle anderen Bemühungen um Attraktivität, Qualität und Vielfalt.“ Weitere Verkehrsberuhigungen in der Altstadt würden vielleicht das Einkaufserlebnis ein Stückchen steigern, doch in Klein- und Mittelstädten hänge die Kundenakzeptanz auch direkt von der Anfahrbarkeit mit dem Pkw ab – „zumindest bei einem städtischen Selbstverständnis als Nahversorger und nicht als touristisches Disneyland“.

Warnung vor Operation am offenen Herzen

Für den WFV stellt sich nach eigenen Angaben die Frage, ob mit Verkehrsmaßnahmen überhaupt noch merklich atmosphärische Verbesserungen bewirkt werden könnten. „Alle Experimente mit der Erreichbarkeit der Altstadt und der Beschränkung von Parkraum für Fahrzeuge aller Art bergen daher erhebliche Risiken, Kunden und damit Kaufkraft zu verlieren. „Solche Experimente sind Operationen am offenen Herzen der Wasserburger Betriebe“, warnt der WFV.

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