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Stadtmauer in Wasserburg: Einzigartiges Bauwerk auf Probe saniert

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Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann an einer Testputzstelle.
  • Heike Duczek
    VonHeike Duczek
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Bau- und Naturdenkmal in einem Objekt vereint: Das gibt es wohl nur bei der Wasserburger Stadtmauer. Die ältesten Schichten der Befestigungsanlage entstanden im zweiten Jahrhundert. Die mächtigen Efeustöcke wachsen hier auch schon seit über 150 Jahren. Doch nicht nur als Doppeldenkmal ist die mittelalterliche Befestigungsanlage etwa Besonderes.

Wasserburg – Sie gehört auch zu den hochwertigsten Bauwerken dieser Art, die in Teilen erhalten geblieben sind. Damit die Stadtmauer noch viele weitere Jahrhunderte steht, wird sie ab 2020 saniert. Wie, wird derzeit getestet – an Musterputzflächen.

Ein besonders eindrucksvolles Stück Stadtmauer

Hinter dem Feuerwehrhaus stehen sie schon, die Gerüste für die Vorbereitung der Sanierung. Hier zeigt sich ein besonders eindrucksvolles Stück der Stadtmauer: „In Längslage sind Granit- und Sandsteine sowie große Flusskieselbummerl hochwertig verbaut worden“, erläutert Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann bei einer Baustellenführung für die Wasserburger Zeitung.

Die ersten Gerüste stehen schon – hinter dem Feuerwehrhaus, wo Sanierungskonzepte getestet werden.

Im 15. Jahrhundert ist die Mauer jedoch aufgestockt worden – mit minderwertigerem Ziegelbruch. Und mit Beginn der Motorisierung wurde oft die äußere Schale weggenommen, damit die Fahrzeuge besser in die Garagen der direkt an der Mauer liegenden Häuser rangieren konnten.

Stabilität ins Wanken geraten

Der Efeu, angepflanzt Mitte des 19. Jahrhunderts, hat sich mit seinen Wurzeln tief in das Mauerwerk gegraben, Feuchtigkeit ist eingedrungen. Steine haben sich gelöst. Die Stadtmauer steht da wie eine Festung, doch der Eindruck täuscht: Ihre Stabilität ist ins Wanken geraten.

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Verputzt war das Bauwerk wohl nie, doch das muss jetzt sein, damit die Substanz nicht länger angegriffen wird. Mit einem Spezialputz – einer besonderen Mischung, die mit den Experten des Denkmalschutzes entwickelt worden ist – sind drei Testfelder bereits behandelt worden, zeigt die Stadtbaumeisterin.

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An der ersten Stelle ging es nach ihren Angaben um die Farbigkeit: Drei verschiedene Töne stehen hier zur Entscheidung. An einer zweiten Fläche wird ausprobiert, welche Struktur am besten zum historischen Bauwerk passt. Dafür wurde der Putz nach dem Auftragen mit Wasser abgesprüht. Jetzt ist er körnig genug, damit auch die kleinen Steinchen sichtbar werden.

Efeu überdeckt Problemzonen

An einer dritten Fläche probieren die Experten aus, wie die Krone gesichert werden kann – durch flache Steine oder eine Blecheindeckung, die sich dem unebenen Mauerwerk anpasst. Auf welches Konzept die Wahl fällt, steht noch nicht fest, denn die Putzstellen werden im Winter noch auf ihre Frostsicherheit geprüft.

Bis zum Roten Turm zieht sich die noch erhaltene Stadtmauer von der Neustraße aus.

Fest steht: Der Efeu, den die Stadt in den 50er-Jahren des vorherigen Jahrhunderts als Naturdenkmal eintragen ließ, darf zurückgestutzt werden. Es ist übrigens ein Grund, warum die massive Schädigung der Stadtmauer auf den ersten Blick nicht auffällt. Die munter wuchernde Pflanze überdeckt die Problemstellen: offene Fugen, lose Steine, Stellen mit erfolglosen Flickversuchen.

Umfangreiche Analyse zur Rettung der Mauer

Früher wuchsen sogar ganze Bäume auf der bis zu sechs Meter hohen Mauer, die Schäden waren erst nach der Sanierung des großen Friedhoftores entdeckt worden. Seitdem ist die Stadt in Alarmbereitschaft: Denn die Befestigungsanlage gehört zu Wasserburg wie die Burg und die mittelalterlichen Fassaden. Zur Rettung hat die Stadt eine umfangreiche Dokumentation und historische Analyse in Auftrag gegeben, „denn bei Denkmalsanierungen muss man das Gebäude verstehen“, sagt Mechtild Herrmann.

Wenn das Konzept steht, werden laut der Stadtbaumeisterin eine öffentliche Förderung des mindestens zwei Millionen Euro teuren Vorhabens und der vorzeitige Maßnahmenbeginn beantragt. Das Projekt wird sich in Etappen über mehrere Jahre hinziehen – ein Doppeldenkmal als Wanderbaustelle. Mechtild Herrmann freut sich auf den Start: „Wer hat schon die Chance, in seiner beruflichen Karriere die Sanierung einer mittelalterlichen Stadtmauer begleiten zu dürfen“, sagt die Stadtbaumeisterin.

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Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte

Das Ingenieurbüro Barthel & Maus aus München hat im Auftrag der Stadt das Gutachten zur Baugeschichte, zum statisch-konstruktiven Zustand und zu den Instandsetzungsmaßnahmen erstellt. Der Wasserburger Stadtkern war im Mittelalter vollständig von einem Mauerzug umschlossen.

Die Burganlage im Südwesten, am höchsten Punkt der Halbinsel, war in das Befestigungssystem einbezogen. Davon sind noch etwa 400 Meter übrig geblieben. Auf der Stadtseite heißt die Gasse deshalb bis heute „An der Stadtmauer“, im Norden sind der Friedhof und das Gelände der Feuerwehr vorgelagert. Letztes erhaltenes Stadttor ist der „Rote Turm“. Zum Teil sind die Reste in den rückwärtigen Mauern der Bürgerhäuser erkennbar.

Die Stadtmauer entstand spätestens 1250, wurde gegen 1420 aufgestockt. Entlang des Friedhofs ist sie noch in kompletter Höhe zu bewundern. Die Sanierung betrifft vier Abschnitte: Im Westen von der Neustraße bis zum Bahnhofsplatz, in der Mitte vom Bahnhofsplatz bis zum Eichhornweg westlich des Friedhofs, im Osten entlang des Friedhofs bis zum Roten Turm, danach von hier bis zum Pfänderturm (nur bis zum Straßenzug „Im Hag“). Die Stadtmauer diente vermutlich nicht nur als Wehranlage, sondern auch als Hochwasserschutz. Ungewöhnlich: Sie ist bis zu drei Meter tief in den Boden gebaut.

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