Wo Sprayer in Wasserburg legal kreativ sein dürfen

Freuen sich über die farbenfrohen Kunstwerke an der ehemaligen Essigfabrik: Stadträtin Irene Langer, Lena Lerpscher von Jugendzentrum, Bürgermeister Michael Kölbl, Stadtrat Christian Peiker (von links).
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Freuen sich über die farbenfrohen Kunstwerke an der ehemaligen Essigfabrik: Stadträtin Irene Langer, Lena Lerpscher von Jugendzentrum, Bürgermeister Michael Kölbl, Stadtrat Christian Peiker (von links).

Dem Bürgermeister gefällt’s – aber uneingeschränkt ist sein Lob dann doch nicht. „Teilweise“ finde er die Graffiti sehr schön, sagt Michael Kölbl an der alten Essigfabrik in Wasserburg, wo Jugendliche legal sprayen durften. Manche Bilder gefallen ihm mehr, manche weniger. So ist das eben bei dieser Kunst, an der sich die Geister scheiden.

Von Winfried Weithofer

Wasserburg – Zusammen mit den Stadträten Irene Langer (SPD) und Christian Peiker (Linke Liste) sowie Lena Lerpscher vom Jugendtreff Wasserburg bestaunte er bei einem Pressetermin die bunten Bilder, mit der die Fassade der alten Essigfabrik von Jugendlichen legal besprayt wurden _ im Rahmen des Freienprogramms. Das Gemäuer bekam auf diese Weise einen aufregenden Anstrich. Es ist gewiss nicht nach jedermanns Geschmack, was da produziert wurde, aber auf jeden Fall eine kreative Aneinanderreihung von schrillen und lustigen und farbenfrohen Bildern.

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Bei der Besichtigung rief Peiker in Erinnerung, dass sich der Stadtrat mit dem Thema Graffiti schon im Januar 2019 beschäftigt habe – es ging darum, Freiflächen für Graffiti zur Verfügung zu stellen. „Doch der Rat hat einfach nicht zusammengefunden“, so Peiker. „Dann haben Bürger nachgehakt, was denn aus der Initiative geworden ist.“ So sei man auf die Idee gekommen, mit dem Jugendzentrum Kontakt aufzunehmen, um Mitstreiter zu gewinnen – und siehe da: „Prompt kam eine positive Rückmeldung.“

Arbeitskreis 68 auch an Board

Bei einem Partner sollte es nicht bleiben, auch der Arbeitskreis 68, die etablierte Künstlergemeinschaft in Wasserburg, schloss sich an. „Und die Jugendreferentin Irene Langer war ebenfalls gleich Feuer und Flamme für das Projekt“, so Peiker. Die Stadträtin war es, die die vor dem Abriss stehende ehemalige Essigfabrik als Übungsfläche vorschlug. Das Gebäude steht am Inn gleich bei der Baustelle für das neue Schöpfwerk. Die Idee fand Beifall, und so wurde das Ferienprogramm der Stadt mit einem attraktiven Workshop bereichert. „Wir haben einen Sprayer in Wasserburg, der das professionell macht“, so Langer. Der Kurs war gleich belegt – zwölf junge Leute nahmen in der vergangenen Woche daran teil. Am 19. August soll die Aktion wiederholt werden.

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Zwar sind bei „Essig Burkhardt“ schon alle verfügbaren Flächen bemalt, was aber niemanden abhalten soll, kreativ zu werden. „Die vorhandenen Graffiti werden beim nächsten Mal einfach übersprüht“, erklärte Langer. Ihr Ratskollege Peiker wollte bei dem Ortstermin das in der öffentlichen Wahrnehmung verbreitete Klischee, dass Graffiti nur Schmierereien seien, nicht gelten lassen. „Wenn man sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt, wird man feststellen, dass durchaus interessante Kunstwerke entstehen.“ Mit Schmiererei habe das dann nichts zu tun. „Man muss unterscheiden zwischen Kunst und dem, was einer anrichtet, der sich austoben möchte.“

Polizei findet diese Initiative gut

Die Wasserburger Polizei hält die Initiative für gut, jungen Menschen eine geeignete Fläche zum Bemalen zur Verfügung zu stellen. „Kreative junge Leute sollen sich ausleben können“, sagte Christian Gollwitzer, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion gegenüber unserer Zeitung. „Wenn ihnen Wasserburg dazu den Platz zu Verfügung stellt – wunderbar!“

Das eigentliche Problem seien die Schmierfinken. Diese Leute, die offenbar nicht wüssten, was sie anderen antun, erreiche man mit einer öffentlichen legalen Graffiti-Wand eher nicht, gab Gollwitzer zu bedenken. Grundsätzlich sei Wasserburg von diesem Phänomen aber nicht mehr oder weniger davon betroffen als andere Städte.

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