Spitzenmusiker frei Haus: Well-Enkel spielt für Kinder mit Behinderung in Wasserburg

Matthias Well und Zdravko Živkovi nahmen die Attler Schüler mit auf eine musikalische Weltreise.

Stargeiger Yehudi Menuhin hat die Konzertreihe „Live Music now“ ins Leben gerufen. Sie holt die Nachwuchsstars der Klassik in die Schulen. Im Förderzentrum der Stiftung Attl traten sie jetzt auf die Bühne.

Von Birgit Schlinger

Wasserburg – Es ist mucksmäuschenstill in der Turnhalle der Makarius-Wiedemann-Schule in Attel. Wo sonst Schüler ausgelassen toben, spielen heute die klassischen Musiker Matthias Well und Zdravko Živkovi ein Konzert auf höchstem Niveau. Sehr zur Freude von Heidi von Breitenstein vom Verein Live Music Now, die seit vielen Jahren Auftritte in die Attler Förderschule vermittelt.

Gegründet von Geiger Yehudi Menuhin

„Live Music Now ist ein Verein, den der Geiger Yehudi Menuhin gegründet hat“, erzählt die Mentorin. Die Idee dahinter: Junge, hochbegabte Musiker sollen die Möglichkeit bekommen, möglichst viel Konzerterfahrung zu sammeln. Sie spielen vor Menschen, die normalerweise keine Vorführungen besuchen können. Dazu zählen nicht nur die Schüler im Attler Förderzentrum, sondern auch Kinder und Jugendliche aus weiteren Einrichtungen der Behindertenhilfe, Altenheime, Kliniken und Gefängnisse.

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Das Angebot ist kostenlos, die Musiker erhalten allerdings eine Aufwandsentschädigung finanziert durch Spenden, die der Verein mit einem jährlichen Benefizkonzert einsammelt. Heidi von Breitenstein kommt gern nach Attel: „Es macht großen Spaß, hier Konzerte zu begleiten, weil die Kinder so gut mitmachen.“

Einmal im Jahr können sich Nachwuchsmusiker bei einem Vorspiel – einer sogenannten Audition – bewerben. „Die Stipendiaten werden von einer Jury von Professoren der Münchner Musikhochschule ausgesucht“, erzählt Heidi von Breitenstein. „Es werden nur die Besten genommen. Und das merkt man dann natürlich auch an den Konzerten und an der Qualität der Programme“, sagt sie.

Well-Enkel tritt in Attel auf

Dass ein Ausnahmegeiger wie Matthias Well dabei den Weg nach Attel findet, ist sogar für sie etwas Besonderes. Er ist der Enkel des Ex-Biermösl-Musiker Michael Well und vertritt die dritte Generation der musikalischen Well-Familie. Auszeichnungen wie der Fanny-Mendelssohn-Förderpreis und erste große Auftritte wie beim Schleswigholstein Musikfestival sicherten ihm bereits Beachtung beim Fachpublikum. Mit dem Akkordeonspieler Zdravko Živkovi, mit dem er schon seit einigen Jahren zusammenspielt, trat er in Attel als Duo Wellkovic auf – mit einer musikalischen Weltreise im Gepäck. Einige Werke des Konzertprogramms finden sich auch auf der Debüt-CD „Funeralissimo“ (Genuin) wieder, darunter „Oblivion“ von Astor Piazzolla, das irische Traditional „Danny Boy“ oder die Improvisation auf einen indischen Raga. „Das Programm entwickelt sich mit jedem Auftritt weiter“, erzählt Matthias Well nach dem Konzert.

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In Attel hätten die beiden zum Beispiel den Gypsy-Klassiker „Minor Swing“ zum ersten Mal in der Umkleide ausprobiert und dann gleich auf die Bühne gebracht.

Es ist einfach schön, wie offen die Schüler hier sind“, sagt Matthias Well. Neues auszuprobieren und die Reaktion aufs Publikum zu testen sei eines der vielen Vorteile des Förderprogramms.

Dabei wird in Attel schon mal aufgestanden, mitgetanzt und -geklatscht oder gesungen – auch wenn das Mitmachen beim Konzert wegen der Corona-Regeln auf ein Minimum reduziert war.

Normalerweise stellen die Musiker des Projekts auch immer ihre Instrumente vor und beziehen die Kinder mit ins Programm ein, inklusive Polonaise zum Schluss eines Konzerts. Aufgrund der Abstandsvorgaben musste auch dies beim Auftritt von Wellkovic ausfallen.

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