Die Sperrzeit kommt

Zerbrochene Gläser am Morgen danach. Eine der regelmäßigen Hinterlassenschaften der Partygänger. tro
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Zerbrochene Gläser am Morgen danach. Eine der regelmäßigen Hinterlassenschaften der Partygänger. tro

Sie kommt, die Sperrzeit. Nach einer mehrstündigen Diskussion beschloss der Stadtrat mit 15 gegen neun Stimmen, dass ab 1.

März während der Woche um 1.30 Uhr Feierabend ist, freitags und samstags um 3 Uhr. Während die Verordnung ausgearbeitet wird, soll es weitere Gespräche geben.

Wasserburg – Der Antrag auf Einführung einer Sperrzeit kam von der CSU/Block-Fraktion im Stadtrat. Die hatte genug von den „halbherzigen Beteuerungen der Gastronomen“, so Sprecher Oliver Winter, denen ebenso halbherzige Taten folgten. Es gebe das Sprichwort „Je später der Abend, desto schöner die Gäste“. Sie seien aber nicht nur schöner, sondern auch betrunkener, rücksichtsloser und enthemmter. „Wir haben Verständnis für die jungen Leute, die bis zum Morgengrauen feiern wollen. Aber die Nacht gehört allen. Auch den Anwohnern, die schlafen wollen.“

In einem waren sich alle Stadträte einig: So wie es jetzt ist, so kann es nicht bleiben. Brennpunkte sind der obere Marienplatz und die Bäckerzeile, Spuren hinterlassen die Partygänger aber in der gesamten Altstadt – vom Mageninhalt vor Haustüren über umgekippte Blumenkübel, abgetretenen Autospiegeln bis zu eingeschlagenen Fensterscheiben.

Robert Graf, Chef der Polizeiinspektion, hatte sich die Zahlen von Mai bis November angesehen: 40 Prozent aller Einsätze zwischen Mitternacht und 6 Uhr sind Ruhestörungen oder Schlägereien. Die Körperverletzungen und Widerstände gegen die Beamten nehmen nach 1 Uhr rapide zu. Er sei selbst viele Nachtschichten mitgefahren, so Graf, „und nach 3 Uhr ist es schwierig, mit den Leuten noch vernünftig zu reden. Um 1 Uhr geht das noch.“ Eine Erfahrung, die er mit „Nebenerwerbsgastronom“ Markus Bauer (CSU) teilt: „Wer um halb 4 an die Wand vom Nachbarhaus pieselt, der diskutiert nicht, der hört nicht zu. Da darfst froh sein, wenn Du keine fängst.“

Es gelte, abzuwägen zwischen dem Interesse der Partygänger und dem der Anwohner, hatte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD) den Stadträten mit in die Diskussion gegeben. Bei den ungezählten Sicherheitsgesprächen mit den Wirten sei vieles besprochen worden, nach vier Wochen war alles beim Alten. „Ich habe immer klar gesagt, dass eine Sperrzeit eine Option sei, wenn sich nichts ändere“, so Kölbl. „Die Versprechen der Wirte waren nichts wert“, sagte Graf. Der ausgesprochen kommunikative Polizeichef hat im Laufe der letzten Monate viele individuelle „Sicherheitsgespräche“ bei nächtlichen Einsätzen geführt.

Christian Stadler (Die Grünen) und Sophia Jokisch (Linke Liste) befürchteten, dass eine Sperrzeit die Lage um 3 Uhr nur schlimmer mache. „Dann gibt es um kurz vor 3 Uhr Presssaufen, um 3 Uhr fallen alle aus den Kneipen und dann ist erst recht großes Hallo auf der Straße – und ob man das dann schnell in den Griff bekommt...“, so Jokisch. Der Wirt sage dann ganz entspannt „Geht mich nichts an, ich habe zu“, befürchtete Stadler. „Wir reden hier über fünf Prozent der Gäste, die sich aufführen“, so Kölbl. Deren Fehlverhalten zu bestrafen, darum ginge es ihm, fügte Winter an. Nicht um die, die spät in der Nacht friedlich nach Hause gehen.

Das Argument, dass die Einführung einer Sperrzeit dazu führe, dass dann angetrunken nach Rosenheim oder München gefahren würde, das wollte Friederike Kayer-Büker (SPD) nicht gelten lassen: „Die fahren um 2 Uhr genauso wie um 4 Uhr. Das sind junge Erwachsene, die sind für ihre eigenen Entscheidungen selbst verantwortlich.“

Nur die Sperrzeit wieder einzuführen bringe nichts, waren sich unter anderem Christian Stadler, Sophia Jokisch, Marlene Hof-Hippke, Werner Gartner (beide SPD) und Norbert Buortesch (Bürgerforum) einig. Da müsse schon mehr passieren. Ein Ergänzungsantrag der Grünen beinhaltete denn auch die Aufforderung ans Landratsamt, die bestehenden gaststättenrechtlichen Regelungen konsequent umzusetzen. Und es soll eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Verwaltung, der Fraktionen, der Wirte der Nachtlokale, der Polizei und der betroffenen Anwohner eingerichtet werden, die von einem unabhängigen Mediator geleitet wird. Diesem Antrag stimmte der Stadtrat mit 13 zu elf Stimmen zu. In der Februar-Sitzung beschließt der Stadtrat dann die Sperrzeitverordnung, am 1. März tritt sie in Kraft.

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